Anpassung an die Gig-Economy

14. Oktober 2019
Die Gig-Economy wächst stetig. Immer mehr Menschen nehmen kleine Aufträge an, um sich etwas dazuzuverdienen oder ihren Lebensunterhalt auf diese Weise zu bestreiten. Bei guter Organisation kann dies durchaus eine angemessene Form des Arbeitens sein. Allerdings kann die Gig-Economy auch zu Beschäftigungsunsicherheit und dem Verlust der Arbeitnehmerrechte führen.

Unsere heutige Welt hat sich sehr gewandelt und verändert. Viele Aspekte unseres Lebens transformieren sich schneller, als wir uns daran anpassen können. Eine der beunruhigendsten Entwicklungen ist das, was wir heute als „Gig-Economy“ bezeichnen.

Die Gig-Economy ist eine neue Arbeitsform. Sie kennzeichnet sich vor allem dadurch, dass für die Erledigung kleiner Aufträge wiederholt befristete Arbeitsverträge geschlossen werden.

Daraus wird ersichtlich, dass es immer schwerer wird, stabile und dauerhafte Anstellungsverhältnisse und Jobs zu bekommen. Aufgrund der damit verbundenen beruflichen Unsicherheiten wird es für viele Menschen zunehmend schwieriger, langfristig angelegte Lebensprojekte zu planen.

Manche Menschen halten diese Arbeitsform für eine der größten Formen von Arbeitsplatzunsicherheit. Das ist sicherlich eine berechtigte Befürchtung. Allerdings müssen wir uns auch mit der Tatsache auseinandersetzen, dass die Gig-Economy sich unaufhaltsam weiterentwickelt und wächst.

In naher Zukunft werden die meisten Arbeitgeber diese Form der Beschäftigung in ihren Unternehmen einführen und anwenden. Diese unumkehrbare Veränderung zwingt uns dazu, wichtige Projekte zu verändern und uns an die neuen Gegebenheiten anzupassen.

Gig-Economy - Verkäufer und Kunde

Die Gig-Economy

Das Modell der Gig-Economy ist für Arbeitgeber nahezu ideal. Zuerst einmal müssen sie sich nicht mehr um die Sozialversicherungsabgaben der Mitarbeitenden kümmern. Außerdem können sie ihren Personalbedarf sehr genau an die marktwirtschaftlichen Gesetze von Angebot und Nachfrage anpassen und müssen dabei keine arbeitsrechtlichen Auflagen erfüllen.

Für die kurzfristig angestellten Mitarbeiter bzw. Auftragnehmer zeichnet sich allerdings ein ganz anderes Bild. Natürlich stellt dieses Modell in manchen Fällen die ideale Lösung dar, denn es bietet sehr viel Freiraum und große Unabhängigkeit.

Solange die Bezahlung fair und angemessen ist, die die Auftragnehmer für diese sporadischen Aufträge erhalten, ist dies eine gute Situation für beide Seiten. Wenn die Entlohnung allerdings sehr gering ausfällt, dann bedeutet dies in gewisser Weise eine Abwertung der Arbeitsleistung und eine Minderung des Einkommens.

Die Arbeitsleistung gleicht heute einer Ware. Die Arbeitskraft wird am Markt gekauft und verkauft. Diese Situation ist aufgrund der zunehmenden Technologisierung entstanden und viele Mitarbeitende wurden von dieser Entwicklung überrascht. Noch heute gibt es viele Diskussionen über diese Thematik.

Gig-Economy - Fahrradkurier

Die Gefährdung der Arbeitnehmerrechte

Die meisten Menschen, die in die Gig-Economy eingestiegen sind, taten dies, weil sie lieber ein kleineres Einkommen erzielten, als arbeitslos und pleite zu sein. Allerdings haben zwischenzeitlich mehrere Institute damit begonnen, die Menschen vor den Risiken dieses neuen Arbeitsmodells zu warnen.

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) hat sich bereits intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt. Sie hebt hervor, dass das Hauptrisiko dieses Arbeitsmodells darin besteht, dass es zunehmend zum Verlust der Arbeitnehmerrechte führt, welche die älteren Generationen so hart erkämpft haben.

Außerdem stellen die Experten fest, dass die Arbeitnehmer durch die Unsicherheit, die diese Arbeitsform mit sich bringt, sehr stark belastet oder überfordert werden können. Diese Belastungen können dann wiederum auch zu gesundheitlichen Problemen führen.

Das größte Problem ist allerdings, dass die Gig-Economy schon so stark gewachsen ist, dass sie heute bereits unzählige Beschäftigungsmöglichkeiten bietet. Wenn sie nicht existieren würde, dann gäbe es vermutlich sehr viel mehr Arbeitslosigkeit. Genau das ist die schlimmste Form der Unsicherheit im Leben eines Arbeitnehmers. Daher gleicht die Situation einem Paradoxon, für das es keine Lösung gibt.

Gig-Economy - Frau im Büro

Anpassung an ein neues Arbeitsmodell

Aufgrund all der technischen Fortschritte und der neuen finanziellen Dynamiken in unserer heutigen Welt, ist es sehr unwahrscheinlich, dass wir wieder zu dem einstigen klassischen Arbeitsmodell zurückkehren werden.

Bei der Schaffung von neuen Arbeitsplätzen sollten Unternehmen dem Arbeitnehmermarkt auch eine gewisse Sicherheit bieten. Allerdings sind viele Unternehmen nicht mehr in bestimmten Nischen tätig, sondern haben damit begonnen, zeitlich befristete Projekte zu initiieren. Dadurch hat sich die Unsicherheit bei den Arbeitnehmenden noch zusätzlich verstärkt.

Dies bedeutet aber nicht, dass das Wachstum von Unternehmen und ihren Geschäftstätigkeiten durch eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen für die Mitarbeitenden erzielt werden muss. Wenn wir an die jüngsten technischen Fortschritte und Entwicklungen denken, dann ist offensichtlich, dass beide Seiten einen Anpassungsprozess durchlaufen müssen. Darüber hinaus ist es auch erforderlich, dass die Unternehmen ihre rechtlichen Strukturen modifizieren.

Arbeitnehmer in der Gig-Economy

Diesen Anpassungsprozess sollten Arbeitnehmer aktiv durchlaufen und dabei die folgenden Kriterien beachten:

  • Je sporadischer die Arbeit anfällt, desto höher muss die Bezahlung dafür sein. Wenn sich die Arbeitnehmer an diese Maßgabe halten, dann müssen die Arbeitgeber ihre Pläne anpassen und diese Variable ebenfalls berücksichtigen.
  • Definiere einen Mindestpreis pro Job. Jeder Arbeitnehmer sollte eine Kalkulation vornehmen und errechnen, zu welchem Mindestpreis pro Zeiteinheit er seine Arbeitsleistung zur Verfügung stellen will. Dabei solltest du auch die Umstände und die erforderlichen Ressourcen berücksichtigen. Die Idee dahinter ist, dass du keinen Auftrag akzeptieren wirst, der unter diesem Mindestpreis bezahlt wird.
  • Selbst-Management. Wenn du nach einem solchen Modell arbeitest, dann musst du deine Ausgaben sehr genau planen. Dazu gehören auch deine Sozialversicherungs- und Krankenkassenbeiträge und eine Reserve für die Zeiten, in denen du weniger Einkünfte erzielen wirst. In diesem Modell ist ein gutes Geldmanagement von entscheidender Bedeutung.

Es ist wichtig, dass du flexibel und offen bist, gleichzeitig musst du aber auch gewisse Grenzen setzen. Da wir gerade erst am Beginn der Gig-Economy sind, sind wir sicher, dass sie im Laufe der Zeit immer weiter wachsen wird. Daher solltest du dich genau mit diesem Thema auseinandersetzen und den besten und für dich gesündesten Weg wählen, um dich an diese neue Arbeitsform anzupassen und für dich den größten Nutzen daraus zu ziehen.

  • Pérez Díaz, A. M. La transformación del mercado laboral y sus efectos en el trabajo: Contratación de empleo atípica y economía de las plataformas en España.