Angst und Stress bei der Arbeitssuche – ein stilles Leiden

· 7. Januar 2019

Manchmal erzeugt schon der schlichte Akt der Vorbereitung unseres Lebenslaufes Angst. Stress bei der Arbeitssuche ist eine Realität, die sich immer deutlicher in einer sehr konkreten Tatsache zeigt: Oft geraten wir in Zustände völliger Hilflosigkeit, um zu sehen, dass niemand anruft, dass es keine Antwort auf unsere Bewerbungen gibt. Niedrige Erwartungen bei gleichzeitiger permanenter Unsicherheit erhöhen das Leiden weiter.

Wenn wir nach Informationen über den Stress und die Angst bei der Arbeitssuche suchen, ist es üblich, dass wir Artikel finden, z. B. darüber, wie wir ein Vorstellungsgespräch erfolgreich bestehen können. Ja, wir wissen, es fehlt nicht an guten Ratschlägen, um während des Auswahlverfahrens die Nerven unter Kontrolle zu behalten. Es gibt jedoch einen Aspekt der Arbeitslosigkeit, der oft ausgelassen wird, eine Dimension, die in der Gesellschaft sehr präsent ist und kaum erwähnt wird, und dieser bezieht sich auf Menschen mit Depressionen oder Stimmungsschwankungen, die arbeitslos sind und keinen Job finden.

Tatsächlich, nach Studien wie der von Barbara J. Jefferis vom University College London (England, Vereinigtes Königreich) besteht ein direkter Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit, der frustrierenden Suche nach einem Job und schweren Depressionen. Erste Symptome dieser Erkrankung mögen sich zeigen, wenn allein das Ausfüllen von Bewerbungsbögen zu einem stressigen Ereignis wird.

Junger Mann arbeitet mit dem Computer

Angst und Stress bei der Arbeitssuche – eine weitverbreitete Realität

Eine gewisse Angst und Stress bei der Arbeitssuche sind alltäglich. Sie werden von denjenigen wahrgenommen, die gerade ihr Studium abgeschlossen haben und sehen, dass beim Ausfüllen ihres Lebenslaufs die Ausbildung mehr Gewicht als die Erfahrung hat. Sie werden auch von denen gelitten, die sich nach einem Jobverlust plötzlich in einem überwältigenden, chaotischen und unsicheren Szenario befinden, in dem sie zwar Erfahrung haben, aber aufgrund ihres Alters oft aussortiert werden.

Hohe Nachfrage und knappes Angebot führen oft dazu, dass wir in ewigen Vorräumen bleiben, wo wir auf eine Gelegenheit warten. Kurioserweise hat die University of Chicago (Illinois, USA) in eine Studie an 282 Personen belegt, was viele unserer Leser wohl schon vermuten, nämlich dass bei der Arbeitssuche am wenigsten zähle, „wie viel man weiß oder was man kann“,  und am meisten, „wen man kennt“.

Solche Realitäten führen uns regelmäßig in Zustände der Hilflosigkeit und Niedergeschlagenheit. Die wiederum sind der Grund dafür, dass viele Menschen, unabhängig von ihrem Alter und ihrer Ausbildung, beginnen, jeden Aspekt im Zusammenhang mit der Arbeitssuche mit einem hochstressigen Fokus zu konditionieren. Die aufgewendete Zeit, die zu den Misserfolgen und dem Telefon hinzukommt, das nicht klingelt, nährt ihre Frustration und verstärkt ihre Angst.

Indikatoren im Zusammenhang mit dem Stress bei der Arbeitssuche

Werfen wir einen Blick darauf, welche Verhaltensweisen, Gedanken und Situationen jene Menschen charakterisieren, die unter Angst und Stress bei der Arbeitssuche leiden:

  • Mangelndes Vertrauen in gelesene oder erhaltene Stellenangebote
  • Angst, wenn sie einen Bewerbungsbogen ausfüllen müssen
  • Den Zeitpunkt der Zusendung der Lebensläufe aufschieben
  • Demotivation hinsichtlich der Teilnahme an einem Auswahlprozess aufgrund von früheren Fehlern
  • Ein Gefühl, dass die eigene Unsicherheit immer schwieriger zu bewältigen, zu verdauen und zu ertragen sei
  • Zweifel an persönlichen und professionellen Fähigkeiten
  • Auch das Umfeld ist oft nicht förderlich: Die Familie und Freunde des Arbeitssuchenden mögen geringe Hoffnungen und Negativität bei der Arbeitssuche unterstützen.
Traurige Frau wartet auf einen Anruf, symptomatisch für Angst und Stress bei der Arbeitssuche

Wie kann man Stress bei der Arbeitssuche überwinden?

Wir sind alle kompetent, wir sind alle berechtigt und verdienen nicht nur irgendeinen Job, sondern einen guten Job. Wir könnten durchaus über die Notwendigkeit sprechen, kreativ zu sein, uns selbst mit unseren Ressourcen und innovativen Fähigkeiten zu versorgen, anstatt einen Job zu suchen; uns zu dieser Person zu entwickeln, die in der Lage ist, dem Arbeitsmarkt etwas anzubieten. All dies sind zweifellos ausgezeichnete Ideen, aber sie stoßen oft auf eine offensichtliche Realität: Wenn es uns psychologisch nicht gut geht, ist es sehr schwierig, das Beste aus uns selbst herauszuholen. Denn kontinuierliche Erfahrungen des Scheiterns leiten uns in einen Tunnel, in dem das Licht nicht immer zu sehen ist. Deshalb funktionieren in diesen Fällen die bekannten Zauberformeln nicht: Was zählt, ist die professionelle und spezialisierte Hilfe.

So kann uns die kognitive Verhaltenstherapie nicht nur erlauben, unseren inneren Dialog neu auszurichten, den Pessimismus zu brechen und das Gefühl des Scheiterns zu lindern. Sie wird uns auch dazu bringen, bessere Fähigkeiten zu entwickeln, um neue Verhaltensweisen zu schaffen, neue Verhaltensmuster, mit denen wir dem Arbeitsmarkt mit mehr Ideen, Ermutigung und Stärke begegnen können.

Schließlich wird es neben der psychologischen Hilfe immer angebracht sein, diese einfachen, aber wirkungsvollen Mantras zu integrieren:

  • Negative Gedanken wehren Chancen ab.
  • Wir müssen deshalb unsere Einstellung ändern, wenn wir sie nutzen wollen.
  • Wir müssen auf uns selbst achten: Bewegung, Lesen und gute Ernährung sind unerlässlich.
  • Es ist auch notwendig, eine gute soziale Unterstützung zu haben und diejenigen zu vermeiden, die uns in ihrem Pessimismus und Defätismus ersticken.
  • Methoden wie die Achtsamkeit sind sehr gut geeignet, um eine größere Aufmerksamkeit zu entwickeln, um unsere Emotionen besser zu regulieren.

Nicht zuletzt zahlt es sich aus, kreativ und proaktiv zu sein, um Stress bei der Arbeitssuche zu bekämpfen. Manchmal entstehen aus den dunkelsten Momenten die leuchtendsten Ideen und Projekte.

Jefferis, B. J., Nazareth, I., Marston, L., Moreno-Kustner, B., Bellón, J. ángel, Svab, I., … King, M. (2011). Associations between unemployment and major depressive disorder: Evidence from an international, prospective study (the predict cohort). Social Science and Medicine73(11), 1627–1634. https://doi.org/10.1016/j.socscimed.2011.09.029

Weiss, P. (2006). Encontrar un trabajo. Science News , 169 (22), 1–9.

Granovetter, M. (1995). Getting a Job: A Study of Contacts and Careers. University of Chicago Press25(3), 391. https://doi.org/10.1103/PhysRevE.69.056208