Anerkennung finden: Warum wir niemanden etwas beweisen müssen

 

Immer versuchen, besser als andere zu sein, ist ein untrügliches Zeichen der Selbstzweifel. Obwohl wir niemanden etwas beweisen oder Zuspruch suchen müssen, gibt es diejenigen unter uns, die genau das glauben und dementsprechend handeln. Tatsächlich kann Anerkennung finden ein echtes Problem für uns werden.

Was bringt uns dazu, etwas beweisen zu wollen und uns vor unseren Mitmenschen zu rechtfertigen? Unsicherheit. Das Problem wird noch verstärkt, wenn es eine tiefe Kluft zwischen dem gibt, wie wir uns sehen und wie wir gesehen werden wollen. Wir empfinden dann das Bedürfnis nach Anerkennung durch andere. Anstatt davon auszugehen, dass wir niemandem etwas beweisen müssen, sind wir vom Gegenteil überzeugt.

Wenn wir in diesen Gedanken gefangen sind, vergleichen wir uns ständig mit anderen. Wir haben das Verlangen danach, zu beweisen, dass wir besser seien als unsere Mitmenschen. Aber dieses Denken wird uns niemals erlauben, vollständige Zufriedenheit in unserem Leben zu erreichen.

„Menschen mit gesundem Selbstwertgefühl fühlen sich anderen nicht überlegen; sie versuchen nicht, ihren Eigenwert zu beweisen, indem sie sich mit anderen vergleichen. Sie genießen es, zu sein, wer sie sind, und sind nicht besser als ihre Mitmenschen.“

 

Nathaniel Branden

Wenn wir lieben, müssen wir niemanden etwas beweisen

Der Schlüssel, um dieser Denkweise zu entkommen, liegt in der Eigenliebe. Viele glauben, dass Selbstliebe dasselbe sei wie Stolz, Narzissmus oder Arroganz. In Wirklichkeit ist jedoch das Gegenteil der Fall: Je mehr Eigenliebe wir haben, desto weniger müssen wir uns rühmen, der Beste zu sein, was leicht dazu führen kann, auf Mitmenschen herunterzublicken.

Ein Mädchen, das von blau-lila Nebel umgeben ist

Selbstliebe zu haben bedeutet, Wertschätzung und Respekt für sich selbst zu empfinden. Selbstliebe heißt auch, unser Selbstwertgefühl hängt nicht von unserer Umwelt und nicht einmal von unseren persönlichen Leistungen ab, sondern nur von uns als Person.

Eigenliebe ist wesentlich und nicht unwesentlich. Wenn wir nämlich ein Gefühl der Wertschätzung für uns haben, müssen wir niemandem etwas beweisen. Wir werden kein großes Konkurrenzbedürfnis entwickeln oder den Wunsch verspüren, bei unseren Mitmenschen Gefühle von Bewunderung oder Angst hervorzurufen. Wir fühlen uns wertvoll, so wie wir sind, und erkennen den Wert unseres eigenen Lebens an.

Zu sein und zu sein, um uns zu beweisen – zwei unterschiedliche Realitäten

Versuchen, etwas zu sein, das wir nicht sind, bedarf eines enormen Aufwandes an emotionalen Kräften. So können innere Spannungen entstehen und schnell kann dies zu Stress führen. Denn es ist anstrengend, versuchen zu müssen, eine Maske aufzubehalten, um Anerkennung bei unseren Mitmenschen zu finden, die uns vermeintlich einen höheren Selbstwert verschafft.

Bild von Frauen, die eine hat rote Haare und die andere blaue

Wir versuchen dann, zu beweisen, dass wir etwas seien, was wir eigentlich gar nicht sind. Zum Beispiel könnten wir unseren Mitmenschen vorspielen, wir gehörten einer bestimmten sozialen Klasse an. Wir könnten auch versuchen, andere zu überzeugen, dass wir auf eine bestimmte Art fühlen oder denken würden, etwa Empathie, Liebe oder Patriotismus empfinden.

Natürlich gibt es auch Fälle, in denen wir versuchen, unseren Mitmenschen vorzugaukeln, dass wir eine bestimmte Person eben nicht seien bzw. bestimmte Gefühle nicht haben. Zum Beispiel, wenn wir waghalsige Dinge tun, um zu beweisen, dass wir keine Angst haben. Oder wenn wir anderen unser Unwissen verheimlichen wollen, indem wir uns trotz allem als Experte ausgeben.

All dies ist eine Folge davon, dass wir uns selbst nicht akzeptieren, dass bestimmte Aspekte unserer Person aus neurotischen Gründen von uns abgelehnt werden. Das bedeutet, dass die Faktoren, die zur Selbstablehnung führen, keiner vernünftigen Argumentation folgen. Sie entspringen viel eher dem leeren Wunsch, wie der Rest zu sein, nur um unsere Umwelt glücklich zu machen.

Eine Frage der Illusion

Daher ist der Versuch, anderen zu gefallen und ihre Bestätigung zu erlangen, nicht mehr als eine Illusion. Unbewusst verfolgen wir die wahnhafte Idee, dass wir jemand anderes sein müssten, um die Zustimmung unserer Mitmenschen zu erlangen. Wir glauben, dass diese Anerkennung zu einem Gefühl der persönlichen Zufriedenheit führen würde, die uns in unserem Leben zu fehlen scheint.

 

Aber in der Praxis ist das Gegenteil der Fall. Der Mangel an Authentizität wird zu einem Hindernis, denn wir werden nicht lernen, andere so zu akzeptieren, wie sie sind, noch werden wir uns selbst akzeptieren. Denn die Masken, die wir tragen, müssen wir immer irgendwann einmal fallen lassen.

Ein Mann, den ein Ast vom Nichts trennt

Keine Person muss irgendjemandem etwas beweisen. Wenn wir dieses Verlangen haben, dann liegt es daran, dass etwas in uns zerbrochen ist und wir verletzt sind. Der beste Beweis für persönliches Vertrauen und Stärke ist, wenn wir versuchen, wir selbst zu sein. Das unverhältnismäßige Bedürfnis nach Anerkennung mündet nur in einen Teufelskreis, in dem wir uns immer weniger frei fühlen und unseren Selbstwert verlieren werden.