Respekt wird gefordert, Vertrauen wird verdient

· 1. Februar 2018

Ich habe immer gedacht, dass Vertrauen die fragilste Form der Hingabe sei, die es gäbe. Wie der Titel dieses Artikels andeutet, ist es etwas, was wir nach und nach verdienen und von einen Moment auf den anderen verlieren können. Es ist interessant, denn je älter wir werden, desto stärker polarisieren wir das Vertrauen. Wir unterscheiden Menschen, die unser Vertrauen verdienen, und solche, die es nicht tun. Grautöne werden seltener.

Unsere Erfahrungen bestimmen, wie bereitwillig wir anderen vertrauen. Wenn wir zu oft betrogen worden sind, tendieren wir dazu, uns immer mehr abzuschotten. So neigt das Leben dazu, uns zwar freundlicher und doch misstrauischer zu machen.

„Allen zu vertrauen ist sinnlos, aber niemandem zu vertrauen, ist neurotisch und töricht.“

Juvenal

Bersteiger voller Vertrauen

Respekt wird gefordert, Vertrauen wird verdient

Jemandem nicht zu vertrauen bedeutet nicht, dass du denkst, dass er weniger wert sei als du, noch ist es ein Mangel an Respekt. Vertrauen hat mit Hingabe zu tun, damit diese Person mit einem Teil von dir selbst zu unterstützen, was sie verlieren könnte, wenn sie dich hintergeht. Respekt hat mit Anerkennung zu tun und damit, wie gut man sich mit jemandem verbindet.

Daher sprechen wir hier über zwei verschiedene Werte, obwohl sie in einigen Fällen nur durch eine sehr feine Grenze getrennt sind. Manche Leute sehen es als Beleidigung an, wenn man ihnen kein Vertrauen entgegenbringt, als ob es das zu einer minderwertigen Person machen würde. Das betrifft vor allem Leute, die anderen schnell vertrauen und dasselbe von ihnen erwarten.

„Vertrauen: Das Gefühl, das uns einem anderen Menschen glauben lässt, auch wenn wir wissen, dass wir an seiner Stelle lügen würden.“

Henry Louis Mencken

Die Wichtigkeit von Vertrauen

Unsere Vorfahren lebten in Stämmen, die in der Gruppe jagten. Sie lebten in Gesellschaften, in denen Beziehungen viel enger und abhängiger waren als heute. Daher war Vertrauen ein fundamentaler Wert. Wenn eine Gruppe von Menschen versuchte, Beute zu sammeln, konnte niemand eine Öffnung im Jagdkreis hinterlassen, weil dann alle ohne Nahrung blieben.

Mehr als einmal bin ich Leuten begegnet, die sich geärgert haben, weil ich einige meiner Gedanken oder etwas, was passiert ist, nicht mit ihnen geteilt habe. Ich stand aber auch auf der anderen Seite – ich habe Fragen gestellt und keine Antwort erhalten. Ich habe nie gefragt, warum, aber ich denke, es war aus dem gleichen Grund. Die Sache ist, ich fühlte mich auch nicht gut, aber einige Realitäten sind nun einmal schwer zu akzeptieren.

Eine dieser Realitäten ist, dass uns manch andere Person nicht vertraut. Du könntest jemand sein, der dir selbst sehr vertraut. Du hast dein ganzes Leben mit dir selbst verbracht und du kennst dich gut. Außerdem hast du viel Macht darüber, was du tust und sagst. Die andere Person hat jedoch nicht ihr ganzes Leben mit dir verbracht, noch hat sie die Kontrolle über dich, so wie du sie hast. Die Menschen vergessen diesen kleinen, aber feinen Unterschied sehr oft.

Hände haltendes Paar

Vertrauen braucht Zeit

Sich jemandes Vertrauen verdienen, das ist ein sehr intuitiver Prozess. Und Vertrauen braucht Zeit, für manche mehr als für andere. Wir stellen normalerweise keine langen Überlegungen an, um zu entscheiden, wie sehr wir jemandem vertrauen. Wir öffnen uns ihnen gegenüber einfach so sehr, wie es uns gerade angenehm ist.

In Studien wurden Variablen identifiziert, die den Aufbau von Vertrauen beeinflussen. Je ähnlicher eine Person uns ist, desto schneller vertrauen wir ihr. Wir neigen auch dazu, Menschen mit Kindern, älteren Menschen oder Tieren schneller zu vertrauen. Wir denken, wenn es jemand ihnen anvertraut hat, sich um etwas so Wertvolles zu kümmern, dann sollten sie vertrauenswürdig sein. Dasselbe gilt für Leute, die unsere Interessen teilen, da wir lange Gespräche mit ihnen führen können, ohne wirklich persönliche Angelegenheiten zu besprechen.

Das schönste an Vertrauen ist das kostbare Gefühl, es wert zu sein, es von Menschen zu empfangen, die wir lieben. Es ist nicht so, dass sie wissen, dass wir sie nicht verraten werden, sondern dass sie das Gefühl haben, dass wir die ersten sind, die für sie da sein werden, wenn sie uns brauchen.