Anerkennung: Der Schlüssel zu Würde und Selbstwertgefühl

30. Januar 2019

Wir alle wünschen uns die Anerkennung unserer Qualitäten und Leistungen. Zuerst durch uns selbst, um unsere Fähigkeiten und unseren Selbstwert zu bestätigen, aber auch seitens unserer Mitmenschen. Für ein Kind ist die Anerkennung die Säule, die die Grundlage seines Selbstwertgefühls bildet. Im Arbeitsumfeld sorgt sie für die dringend benötigte Motivation der Mitarbeiter. Und in einer romantischen Beziehung ist Anerkennung das Band, das das Paar verbindet und beiden Partnern das Gefühl gibt, geliebt und geschätzt zu werden.

Aber die Idee der Anerkennung wird manchmal missverstanden. Einige Menschen stellen sie in ein negatives Licht, vor allem im Zusammenhang mit der ständigen Suche nach positiver Verstärkung durch andere. Und leider sind jene, die sich auf dieser Suche befinden, nicht in der Lage, emotional unabhängig zu entscheiden. Ihr Selbstwertgefühl baut im Wesentlichen auf der Anerkennung durch andere auf.

„Unterschätze niemanden; selbst ein Atom wirft einen Schatten.“

Pythagoras von Samos

Aber der Schlüssel zu alledem ist das Gleichgewicht. Denn wir können es einfach nicht leugnen – Anerkennung spielt eine Schlüsselrolle in unseren Beziehungen, im sozialen Leben und für unseren inneren Zustand. Darüber hinaus ist sie sehr eng mit dem Konzept der Wertschätzung verbunden, sowohl mit der Selbstachtung als auch mit der Wertschätzung durch andere.

Wenn wir mit der Maslowschen Bedürfnishierarchie vertraut sind, wissen wir, dass die Wertschätzung auf einer der oberen Stufen angesiedelt ist. Auf jener Ebene der Pyramide, auf der die Individualbedürfnisse liegen, wo Selbsterkennung oder die Fähigkeit, sich selbstbewusst und kompetent zu fühlen, mit der Bedeutung harmoniert, die wir der Meinung anderer beimessen.

Bedürfnispyramide nach Maslow

Anerkennung als eine Form der sozialen Achtung und Selbstachtung

Wir Menschen leben in ständiger Dualität. Wir alle wollen uns anerkannt und gesehen, aber auch frei und unabhängig fühlen. Im Gegenzug möchten wir uns nicht unsichtbar fühlen, ignoriert werden oder den Eindruck bekommen, als würde uns niemand schätzen.

Jeder von uns, der das Kind in der letzten Reihe war, das Kind, das allein in der Schulkantine gegessen hat, oder das Kind, das allein auf dem Spielplatz saß, kennt diesen Eindruck nur zu gut. Das trifft auch auf den Teenager zu, den niemand schätzt, den aber jeder kritisiert. Oder auf denjenigen, dessen Partner ihn nicht respektiert, der in einem tiefen Brunnen der Einsamkeit und des emotionalen Schmerzes gefangen ist.

Wir wissen also, dass Ablehnung eine der schmerzhaftesten Empfindungen ist, die wir erleben können. Wenn wir uns von unseren Mitmenschen verlassen oder abgelehnt fühlen, lässt dies unsere Alarmglocken schrillen und Panik aufkommen. Einsamkeit und Isolation durch ungesunde, negative oder vernachlässigte Bindungen führen zu Leiden. Anerkennung allerdings ist eine befriedigende emotionale Verbindung zwischen Menschen, die uns das Gefühl gibt, von unserer Umwelt geschätzt zu werden und so als Mensch würdig zu sein.

Frau mit aufgewirbeltem Haar

Jemanden anzuerkennen bedeutet, ihn so zu respektieren, wie er ist. Es geht darum, seine Anwesenheit anzuerkennen, ihn einfach existieren zu lassen, ihm die Freiheit zu geben, sich selbst zu definieren. Es geht darum, jemanden für das zu achten, was er ist, und dazu beizutragen, sein persönliches Wachstum zu fördern, anstatt ihn zu invalidieren: Anerkennung schafft Selbstakzeptanz, was wiederum dazu beiträgt, das Selbstwertgefühl zu stärken.

Deshalb dürfen wir nicht vergessen, dass unser Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl die Art und Weise beeinflussen, wie andere uns sehen. Wir können soziale Achtung und Selbstachtung nicht voneinander trennen. Wir sind soziale Wesen, und was andere über uns sagen oder denken, beeinflusst uns – ob wir es wollen oder nicht. Wie bereits erwähnt, müssen wir jedoch die Anerkennung, die wir von anderen erhalten, mit der Anerkennung, die wir uns selbst geben, in Einklang bringen.

Anerkennung ins Gleichgewicht bringen

Wenn wir unser Leben ganz auf positive Verstärkung von außen ausrichten, entsteht emotionale Abhängigkeit. Deshalb ist es sehr wichtig, dass wir uns an eine einfache Wahrheit erinnern: Wie andere uns sehen, hängt stark davon ab, wie wir uns selbst sehen. Schauen wir uns ein paar Beispiele an.

Mitarbeiter, die von ihren Fähigkeiten überzeugt sind und sich kompetent und sicher fühlen, schaffen ein angenehmes Arbeitsumfeld. Sie leisten gute Arbeit und andere erkennen das in der Regel auch an. Jemand mit gesundem Selbstwertgefühl, der sich erfüllt, frei und unabhängig fühlt, pflegt meist solide zwischenmenschliche Beziehungen. Seine reife und sichere Persönlichkeit inspiriert Anerkennung und Bewunderung, aber nicht Abhängigkeit.

Wenn wir uns in diesem Zustand befinden, ist keine ständige Verstärkung erforderlich. Ob wir positive Anerkennung erhalten oder nicht, wird nicht zu einer Bedingung für unser Glück. Es besteht vielmehr eine perfekte Balance zwischen dem Wert, den wir uns selbst zuschreiben, und der aufrichtigen Anerkennung, die wir von anderen bekommen.

Frau auf der Suche nach Anerkennung

Schlussendlich sollten wir nicht vorgeben, dass die Meinungen anderer Menschen uns nicht beeinflussen würden. Anerkennung ist aus einem ganz einfachen Grund die Grundlage jeder Gesellschaft: Sie bringt Menschen zusammen. Sie lässt uns Menschen erkennen und achten, unabhängig von Alter, ethnischer Zugehörigkeit oder Charakter. Zu wissen, wie wir Menschen für das respektieren, was sie wirklich sind, und nicht für das, was sie sein sollen, hilft uns, in Frieden miteinander zu leben.

Lasst uns lernen, demütig und verfügbar genug zu sein, um einander anzuerkennen. Wir sollten sowohl unsere eigenen Stärken als auch die Stärken anderer anerkennen und uns alle als das begreifen, was wir wirklich sind – Menschen, die in Würde leben wollen.