Persönlichkeitsanalyse

· 17. Dezember 2018

Wenn wir zu einem Vorstellungsgespräch gehen, stellt der Personaler häufig eine Reihe von Fragen, die ein gemeinsames Ziel haben: die Analyse unserer Persönlichkeit. Auf Basis unserer Antworten versucht er, zu entscheiden, ob wir für die Stelle geeignet sind oder nicht.

Diese Art von Interviews findet aber nicht nur am Arbeitsplatz, sondern auch in anderen Bereichen statt. Zum Beispiel kann ein Arzt eine Persönlichkeitsanalyse durchführen, um eine Diagnose zu stellen und festzustellen, ob wir an einer Persönlichkeitsstörung leiden. Im militärischen oder juristischen Bereich werden Personen, die am Gerichtsprozess beteiligt sind, in Persönlichkeitsanalysen evaluiert.

Ebenso stellen Interviews nur eine von vielen Möglichkeiten dar, die Persönlichkeit zu bewerten. Es gibt noch viel mehr, wie z. B. Fragebögen oder objektive Tests. Aber ganz gleich, welche Art des Tests wir anwenden – um eine rigorose Persönlichkeitsanalyse durchführen zu können, müssen wir über eine entsprechende theoretische Ausbildung und Erfahrung verfügen. Wir müssen wissen, wie wir bestimmte Ergebnisse interpretieren, um zu einem Persönlichkeitsprofil zu gelangen, denn es besteht keine lineare Beziehung zwischen diesem Profil und einem bestimmten Verhaltensmuster. Mit anderen Worten, nicht alle Menschen, die in der Extraversion hoch punkten, würden sich bei der Ausübung einer gegebenen Arbeit auch extrovertiert verhalten. Auf die gleiche Weise können verschiedene Profile auf ähnliche Persönlichkeitstypen hinweisen.

Persönlichkeitsanalye bei der Bewerbung

Fragebögen zur Persönlichkeitsanalyse

Fragebögen zur Persönlichkeitsanalyse stellen eine Reihe von Fragen und beinhalten Affirmationen, die die Probanden beantworten bzw. bewerten müssen. Dabei kommt es auf ihre Persönlichkeit und Charakterzüge an; es gibt keine richtigen oder falschen Antworten. Die Antworten reflektieren einfach die Kandidaten, wie sie denken, fühlen und sich verschiedenen Situationen stellen würden.

Die Elemente innerhalb eines Fragebogens müssen nicht geordnet oder bewertet werden. Stattdessen kann jedes Element unabhängig vom nächsten interpretiert werden. Es gibt zwei Typen von Fragebögen:

  • Allgemein: Es wird versucht, die Eigenschaften einer Person außerhalb des klinischen Umfelds zu definieren. Mit anderen Worten, sie sind für die Erstellung von generellen Persönlichkeitsprofilen konzipiert. Die Ergebnisse finden Anwendung in zahlreichen Feldern.
  • Klinisch: Ziel ist es, die Ausprägung pathologischer Merkmale in einem klinischen Umfeld zu bestimmen. Diese Fragebögen wurden entwickelt, um jene Faktoren zu identifizieren, die jemanden dazu bringen, sich auf einem höheren oder niedrigeren Niveau als dem anzusiedeln, was als normal angesehen wird, und die ihn daher als unangepasst beschreiben.

Objektive Tests

Objektive Tests sind die am häufigsten verwendeten Instrumente zur Beurteilung der Persönlichkeit, gemeinsam mit projektiven Tests. Es werden Fragen gestellt und verschiedene Szenarien erklärt, auf die die Probanden aufrichtig antworten bzw. reagieren sollen. Auch bei diesen Tests gibt es keine richtigen oder falschen Antworten. Damit ähneln sie also den Fragebögen. Aber objektive Tests ermöglichen die gleichzeitige Bewertung verschiedener Aspekte: Einstellungen, Fähigkeiten, Intelligenz etc. Für die Durchführung des Tests gibt es kein Zeitlimit.

Es gibt zwei Typen objektiver Tests:

  • Inventare: Diese enthalten zahlreiche Fragen, die Persönlichkeitsvariablen messen. Die Ergebnisse zeigen, ob die Testperson mit den Aussagen einverstanden ist. Experten können sie an eine große Anzahl von Personen verteilen und mehrere Tests auch zügig auswerten. Als Beispiele seien der MMPI, der 16PF und der NEO-PI-R genannt.
  • Andere Tests, wie z. B. Persönlichkeitsindikatoren, ergänzen tendenziell die Inventare. Sie umfassen Messungen des expressiven Verhaltens (wie man spricht, schreibt, geht …), physiologischer Variablen (Herzfrequenz, Reaktionszeiten …) oder Leistungstests (Problemlösung, Definitionen …).
Multiple-Choice-Test

Projektive Tests

Diese Art von Tests müssen von Therapeuten betreut werden, da sie Training und Lernen erfordern. Normalerweise helfen sie dem Bewerter, zu verstehen, wie die Befragten die Realität sehen, sich fokussieren und regulieren. Wie der Name schon sagt, erlauben es diese Tests, Persönlichkeitsmerkmale zu projizieren. Deshalb erlauben sie Aussagen dazu, was in jeder Person steckt.

Es handelt sich um offene, unstrukturierte und sehr zuverlässige Persönlichkeitsanalysen. In der Regel werden den Testpersonen nur wenige und kurze Anweisungen gegeben. Sie sollen im Test ihre Eigenschaften zum Ausdruck bringen: Ihre Antworten sind Manifestationen ihrer inneren Dynamik.

Auch hier kennen wir verschiedene Typen von Tests:

  • Den Satz vervollständigen: Die Probanden müssen die begonnenen Sätze beenden. Auf diese Weise geben sie Auskunft über ihre Gedanken und Gefühle.
  • Tintenkleckse beschreiben: Zu den bekanntesten Tintentests gehören die von Hermann Rorschach entwickelten. Der klassische Test umfasst die Bewertung von 10 Blättern, 5 mit schwarzer Tinte und 5 in Farbe. Der Experte führt eine Interpretation durch, die auf der Idee basiert, dass die Art und Weise, wie die Subjekte den Tintenklecks wahrnehmen, ihre Persönlichkeiten widerspiegelt.
Persönlichkeitsanalyse mit dem Rorschachtest

  • Bilder zeichnen: Der Therapeut bittet die Personen, etwas zu zeichnen. Die formalen Merkmale der Zeichnung helfen dabei, die Persönlichkeit des Probanden zu bestimmen. Dazu gehören die Neigung des Papiers, die Intensität des Strichs oder die Größe, Struktur, Farbe oder Position eines dargestellten Objekts. Der bekannteste Test ist hier der Haus-Baum-Person-Test. Bei Kindern verwenden Profis zudem den Figurentest von Elizabeth Koppitz.
  • Geschichten erarbeiten: Die Aufgabe besteht darin, eine Geschichte zu schreiben oder zu erzählen. Experten verwenden dafür häufig den von Murray entworfenen Thematischen Auffassungstest, bei dem die Probanden mit 31 Karten eine Geschichte erzählen müssen.

Wie wir sehen können, gibt es mehrere Möglichkeiten, die Persönlichkeit und all ihre verschiedenen Eigenschaften und Variablen zu bewerten. Experten müssen die für den jeweiligen Fall am besten geeignete Technik kennen und die individuellen Fähigkeiten der Testperson berücksichtigen, wenn sie sich für eine bestimmte Form der Persönlichkeitsanalyse entscheiden.