Psychologisches Profil eines gewalttätigen Menschen

· 28. April 2018

Bisher wurden große Anstrengungen unternommen, eine Klassifizierung oder Typologie von gewalttätigen Menschen zu entwickeln. Doch die Forschung hat bis heute keine gültigen Daten geliefert, die bestehende Schemata wissenschaftlich stützen könnten. Nichtsdestotrotz gibt es eine Reihe von Eigenschaften, die alle Personen, die andere Menschen misshandeln, gemein haben. Diese Charakterzüge geben Aufschluss über das psychologische Profil eines gewalttätigen Menschen.

Traditionell werden Jungen und Mädchen von klein auf unterschiedlich erzogen. Mädchen werden dazu erzogen, fürsorglich und sensibel zu sein. Man zeigt ihnen, wie sie sich selbst immer schön und ihre Puppen hübsch machen sowie zärtlich und nett zu anderen sein können. All das unter der schützenden Hand des Mannes.

Jungen bekommen für gewöhnlich Spielzeuge geschenkt, die etwas mit Mut oder Tapferkeit zu tun haben. Und häufig möchten die Eltern, dass sie Kontaktsportarten ausüben. Das Ziel dabei ist es, dass aus ihnen künftig starke Männer mit einer rauen Schale ohne jegliches Anzeichen von Schwäche werden, die Frauen beschützen können.

Entscheidende Faktoren: der soziale Einfluss und traditionelle Werte

Die Kommunikationsmedien spielen bei dieser frühen Segregation eine wichtige Rolle. In vielen Serien und Filmen spielen der muskelbepackte Polizist, der Mann als Kopf der Familie und Beschützer oder starker Superheld noch immer die Hauptrolle. Und auch wenn das weibliche Analogon vor einiger Zeit, und nur zurückhaltend, eingeführt wurde, gibt es trotzdem nur wenige Filme, in denen eine Frau, die einen Mann rettet, die Hauptrolle spielt.

Im Allgemeinen vertritt ein gewalttätiger Mensch sehr konservative Werte und ist in einem Umfeld aus chauvinistischen Stereotypen aufgewachsen. Deshalb hat er sie von klein auf verinnerlicht, sodass sie für ihn im Erwachsenenalter wie ein Idealbild sind, dem jeder folgen sollte.

Weinende Frau

Psychologisches Profil eines gewalttätigen Menschens

Aus den beiden oben genannten Faktoren kann man schlussfolgern, dass in den allermeisten Fällen Frauen die Opfer sind, und die Täter Männer. Diese Statistik wird von Zahlen gestützt.

Nachfolgend möchten wir die Haupteigenschaften eines gewalttätigen Menschens aufzeigen.

Kognitive Verzerrungen: eine starre Denkweise

Menschen, die andere misshandeln, haben oft verzerrte Denkweisen über die Rollenverteilung der Geschlechter. Sie sind der Meinung, dass ihnen das andere Geschlecht unterlegen sei, und rechtfertigen damit, dass sie Gewalt anwenden. Dabei handelt es sich um Menschen, die voller Vorurteile sind, die sie auf eine gewalttätige Weise reagieren lassen.

Ihre intolerante Art macht sie tyrannisch, stur, hartnäckig und antidemokratisch. Ihre starre Denkweise ist dafür verantwortlich, dass ihre persönlichen Kriterien immer und unter allen Umständen vorrangig sind. Sie lassen keinen Platz für Kritik, Selbstkritik und andere Sichtweisen, die entgegengesetzt zu ihrer eigenen sind. Konfrontationen lösen sie mit Gewalt.

Ihre Unfähigkeit, Probleme zu lösen

Ihre kognitive Unflexibilität macht es ihnen unmöglich, zu lernen, Probleme zu lösen oder überhaupt erst nach Lösungen zu suchen. Das kann der Tatsache geschuldet sein, dass sie eine polare und dichotome Denkweise an den Tag legen. Das heißt, sie positionieren sich an einem der beiden Extreme: Etwas ist gut oder schlecht. Es gibt nichts dazwischen, kein Mittelmaß.

Es ist offensichtlich, dass es bei ihnen nur schwarz oder weiß gibt, denn sie sind gemäß dieser Kriterien aufgewachsen. Häufig sind sie Kinder von Menschen mit einem sehr strikten und strengen Erziehungsstil.

Ein geringes Selbstwertgefühl

Ihre Kindheit hat darüber entschieden, wie sie sich emotional entwickelten. Deswegen umfasst das psychologische Profil eines gewalttätigen Menschens ein geringes Selbstwertgefühl. Dieses geringe Wertgefühl und die fehlende Liebe für sich selbst kann der Grund und die Folge von Gewalttaten sein. Selbstverständlich ist das in keinem der beiden Fälle eine Entschuldigung.

Das Problem dabei ist, dass sich der Betroffene seiner fehlenden Eigenliebe nicht bewusst ist. Und anstatt seine Selbstwahrnehmung zu trainieren, entschließt er sich, in sämtlichen Bereichen seines Lebens eine passiv-aggressive Haltung einzunehmen.

Kommunikationsschwierigkeiten

Dieser passive Widerstand im Umgang mit Menschen zeigt, welche Schwierigkeiten sie damit haben, effektiv mit anderen zu kommunizieren. In der Tat ist das fehlende Durchsetzungsvermögen eines der charakteristischen Merkmale des psychologischen Profils eines gewalttätigen Menschens.

Mithilfe von Groll, Sturheit oder Nachlässigkeit wollen sie sich gegen autoritäres Verhalten und Regeln aufbäumen. Eine Person, die andere misshandelt, ist normalerweise wenig durchsetzungsfähig, kann sich nicht auf direkte oder deutliche Weise ausdrücken.

Emotionale Abhängigkeit

Dadurch, dass andere Menschen in sozialen Beziehungen beansprucht werden, sehen sie sich zunehmender sozialer Isolierung gegenüber. Da kaum freundschaftliche Beziehungen vorhanden sind, konzentriert sich ihre Aufmerksamkeit ausschließlich auf ihren Partner.

Mit der Zeit wird ihre Liebesbeziehung für sie deshalb zur Besessenheit. Es entsteht eine emotionale Abhängigkeit, weil der Partner als einzige Stütze und Quelle von Intimität angesehen wird. Es wird immer mehr und mehr vom Partner gefordert und die Beziehung wird toxisch.

Schloss in Herzform

Kontrollzwang

Wenn sich solch eine Unterwerfung des Partners entwickelt, haben gewalttätige Menschen das Bedürfnis und fühlen sich dazu verpflichtet, alles, was ihr Partner tut oder fühlt, zu kontrollieren: seine Arbeit, seine familiären Beziehungen, seinen Freundeskreis, seine Vorlieben, etc. Daraus resultieren ein extremer Kontrollwahn und eine krankhafte Eifersucht.

Frustration

Sehr häufig ist es der Fall, das gewalttätige Menschen all ihre Wut und ihren Zorn aufgrund von Frustration am Arbeitsplatz zu Hause entladen. Sie treten dort extrem gereizt auf und ihnen fehlt es an Impulskontrolle. Diese Form von Gewalt ist die sogenannte Ausdrucksgewalt.

Ihre Unfähigkeit, sich selbst zu kontrollieren und empathisch zu sein

Das psychologische Profil eines gewalttätigen Menschen zeichnet sich durch eine fehlende emotionale Kontrolle seitens der Aggressoren aus. Was Zuneigung anbelangt, sind sie Analphabeten. Sie haben große Probleme damit, auszudrücken, was sie fühlen, sie können sich keine Gedanken um ihr inneres Ich machen und empfinden keinerlei Empathie. Deshalb verspüren sie überhaupt keine Reue wegen dem, was sie ihrem Opfer angetan haben.

Meister der Manipulation

Normalerweise wickeln sie ihr Opfer um den Finger, indem sie es verführen. Das sind manipulative Personen, die Lügen und falsche Versprechungen machen und die dazu in der Lage sind, jegliche Rolle einzunehmen, um an ihr Ziel zu kommen.

Auch wenn jeder Fall ein Fall für sich ist, umfasst das psychologische Profil eines gewalttätigen Menschens meist mehrere dieser Eigenschaften. Wenn wir sie beobachten, stellen wir fest, dass sie egoistische, chauvinistische und manipulative Personen sind, für die der psychische Missbrauch die gebräuchlichste Art und Weise ist, sich mit anderen Menschen zu verbinden.