Amimie oder die Unfähigkeit, sich mit Mimik und Gesten auszudrücken

Amimie ist die Unfähigkeit, Emotionen mit dem Gesicht auszudrücken. Viele Parkinson-Patienten leiden daran, auch der Schauspieler Michael J. Fox.
Amimie oder die Unfähigkeit, sich mit Mimik und Gesten auszudrücken

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 13. Mai 2022

Die Amimie beschreibt ein motorisches Problem, das Betroffene daran hindert, Emotionen und Gesten mit dem Gesicht auszudrücken. Häufig sind davon Parkinson-Patienten betroffen. In diesem Fall spricht man auch von Maskengesicht.

Auch bei katatoner Schizophrenie oder schweren Depressionen kann es zu Amimie kommen. Betroffene werden oft falsch interpretiert, als unhöflich, unsensibel oder kalt abgestempelt. In Wahrheit handelt es sich jedoch um eine Gesichtsmuskelstörung, die noch nicht ausreichend erforscht ist.

Betroffene Parkinson-Patienten empfinden beispielsweise Freude, Traurigkeit, Verwunderung oder Ekel, können diese Emotionen jedoch nicht mit ihrem Gesicht ausdrücken. Ihre Stimme spiegelt ihre Befindlichkeit wider, doch ihr Gesicht ist wie versteinert.

Mann mit Amimie
Menschen mit Parkinson zeigen haben oft Probleme mit ihren Augenbewegungen.

Wissenswertes über Amimie

Die Gesichtsstarre, die diese Störung auslöst, hat für Betroffene Konsequenzen, die ihre Lebensqualität stark einschränken. Es ist nicht einfach, mit einer Person zu sprechen, der das Mienenspiel fehlt, die nicht richtig lachen kann, keine Überraschung oder keinen Ärger mit ihrem Gesicht ausdrücken kann und immer starr scheint.

Ein bekanntes Beispiel ist Michael J. Fox, dem im Alter von 29 Jahren die Diagnose Morbus Parkinson erhielt. Gerade für einen Schauspieler ist dies dramatisch, denn er kann durch die Amimie keine Emotionen mehr ausdrücken. Wir empfehlen zu diesem Thema  sein Buch “No Time Like the Future: An Optimist Considers Mortality“.

Menschen mit katatoner Schizophrenie oder einer schweren Depression nehmen die Auswirkungen dieser Störung allerdings nicht bewusst wahr, sie haben größere Probleme mit ihrem psychischen Leid.

Die Symptome von Amimie

Bei Parkinson entwickelt sich die Gesichtsstarre allmählich und wird von der Verlangsamung der Bewegungsabläufe (Bradykinese) begleitet. Ein einfaches Lächeln oder das Bewegen der Augenbrauen ist mit der Zeit nicht mehr möglich. Bei Hypomimie, der schwersten Form der Gesichtsstarre, kommt es auch zu Schluckstörungen und Kommunikationsproblemen.

In schweren Parkinson-Stadien fällt es Betroffenen auch schwer, die Gefühle anderer durch ihre Mimik zu erkennen. Dies könnte auf den kognitiven Abbau zurückzuführen sein, der häufig mit dieser neurodegenerativen Störung des Nervensystems einhergeht.

Mögliche Ursachen

Die genauen Ursachen für diese Störung sind nicht ausreichend erforscht. Untersuchungen der neurologischen Abteilung des Hospital Universitario Quirón (Madrid) legen eine Hypothese nahe: Bei Parkinson entsteht die Amimie durch das allmähliche Absterben der Substantia nigra im Gehirn. Diese Neuronen sind für die Produktion von Dopamin verantwortlich, einem Neurotransmitter, der an Bewegungsabläufen beteiligt ist.

Wissenswertes über Amimie
Es ist wichtig, sowohl Parkinson-Patienten als auch ihren Familien psychologische Unterstützung anzubieten.

Wie wird Amimie behandelt?

Amimie tritt immer im Zusammenhang mit anderen Krankheiten auf. 70 % der Betroffenen leiden an Morbus Parkinson. Daher ist eine multidisziplinäre Therapie nötig. Die medikamentöse Behandlung mit Levodopa kann Symptome wie Gesichtsstarre und Zittern reduzieren. Zusätzlich sind Physiotherapie, Logopädie und Ergotherapie wichtig.

Auch psychologische Unterstützung ist grundlegend, sowohl für die Patienten selbst als auch für ihre Angehörigen. Kommunikationsschwierigkeiten dieser Art führen in vielen Fällen zu Depressionen. Die Person verliert die Fähigkeit, effektiv mit ihren Angehörigen zu interagieren, was zu sozialer Isolation führen kann.

Psychologische Unterstützung ist genauso wichtig wie eine pharmakologische Behandlung und eine  Beschäftigungstherapie. Denn wenn wir unsere Gefühle nicht ausdrücken können, verlieren wir einen Teil dessen, was uns menschlich macht.

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  • Gunnery, S. D., Habermann, B., Saint-Hilaire, M., Thomas, C. A., & Tickle-Degnen, L. (2016). The Relationship between the Experience of Hypomimia and Social Wellbeing in People with Parkinson’s Disease and their Care Partners. Journal of Parkinson’s disease6(3), 625–630. https://doi.org/10.3233/JPD-160782
  • Ricciardi L, Baggio P, Ricciardi D, Morabito B, Pomponi M, Bentivoglio AR, Bernabei R, Maestri R, Frazzitta G, Volpe D. Rehabilitation of hypomimia in Parkinson’s disease: a feasibility study of two different approaches. Neurol Sci. 2016 Mar;37(3):431-6. doi: 10.1007/s10072-015-2421-9. Epub 2015 Nov 21. PMID: 26590993.