Alte Gewohnheiten halten sich: Warum man immer wieder über dieselben Steine stolpert

4. März 2016 en Psychologie 17 Geteilt

Wir alle haben bestimmte Gewohnheiten, die eher schädlich für uns sind. Man könnte behaupten: „Der Mensch ist das einzige Geschöpf, das zweimal über denselben Stein stolpert.”  Aber was passiert, wenn wir diesen einen Stein zu mögen beginnen?

„Ich mache immer dieselben Fehler.” – „Warum muss mir so etwas ständig passieren?” – „Ich sage mir ständig, dass dieses Mal das letzte Mal sein wird, aber oft kann ich der Versuchung einfach nicht widerstehen.” – Sicherlich haben wir schon alle diese oder ähnliche Dinge in bestimmten Situationen unseres Lebens gesagt.

Der Mensch ist nun einmal ein Gewohnheitstier. Vielleicht ist dir das Stolpern über bestimmte Steine im Leben so sehr zu einer Gewohnheit geworden, dass du dich aus diesem Grund dazu entschieden hast, diese Steine aufzusammeln und sie ständig überall hin mitzunehmen, egal wo du hingehst.

Wenn du dir aber schon geschworen hast, nicht wieder zu lügen, warum tust du es dann trotzdem noch? Wenn du dir selbst versprochen hast, nach einem Streit nicht wieder mit deinem Ex zusammenzukommen, warum bist du dann doch wieder zu ihm zurückgekehrt, als er dich zum x-ten Mal am Telefon um Vergebung gebeten hat? Wenn dein guter Vorsatz für das neue Jahr war, mit dem Rauchen aufzuhören, warum bist du dann wenige Tage später letztlich doch wieder in das Geschäft gegangen und hast dir eine Packung Zigaretten gekauft?

„Ich war mir dessen nicht bewusst.” – „Dieses Mal meine ich es wirklich ernst!” – „Ich habe die Sache voll und ganz unter Kontrolle.” – Das sind einige der häufigsten Einwände zur Rechtfertigung unserer schädlichen schlechten Gewohnheiten. Wir mögen es einfach nicht, unsere Komfortzone zu verlassen, denn wir fühlen uns darin sicher, selbst wenn wir dabei unglücklich sind und wir möchten gern die Vorzüge ihrer Stabilität genießen. Also flüchten wir uns in den Schatten dieses Steines, der uns immer und immer wieder ins Straucheln bringt.

Vielleicht können wir uns vorstellen, dass wir uns in einer riesigen Höhle befinden mit all den Begrenzungen und dem Mangel an Freiheit, der damit zusammenhängt, aber diese Höhle gibt uns nun einmal die Stabilität, nach der wir so sehr suchen.

Solange wir uns darin befinden, sind wir uns darüber nicht im Klaren, dass wir vieles verpassen. Es ist immer der gleiche Trott: morgens aufstehen, frühstücken, zur Arbeit gehen, nach Hause kommen, fernsehen, ein Bad oder eine Dusche nehmen, schlafen gehen… es ist im Grunde für jedermann immer das Gleiche. Aber es kommt dieser Punkt, wo wir aufstehen und sagen müssen: „Jetzt ist genug!“

Das Leben wird zur Abfolge von immer gleich ablaufenden Momenten – und wir bemerken das noch nicht einmal. Unsere Alarmanlage geht erst dann los, wenn uns etwas wehtut oder wenn wir uns wegen irgendetwas beunruhigt fühlen. Dann fragen wir uns: „Ist mir das nicht schon mal passiert?“  Es ist fast so, als wären wir ein Magnet, der immer wieder die gleichen Dinge anzieht. Wenn das immer gute Dinge wären, dann hätten wir damit natürlich auch kein Problem. Aber meistens ist das leider nicht der Fall.

Sicherlich hast du schon mehr als einmal solch eine Situation erlebt, in der du mit derselben Person, derselben Aufgabe, demselben Gedanken oder demselben Job Probleme hattest. Warum passiert so etwas? Eine Erklärung der Psychologie hat mit dem zu tun, was wir in unserer Kindheit gelernt haben.

In unserer Kindheit haben wir gelernt, wie man Dinge tut, indem wir jemand anderes imitiert haben. Wir haben unsere Eltern beobachtet, wie sie sich ihre Zähne putzten und wir haben ihre Bewegungen nachgeahmt. Wir haben unsere älteren Geschwister beobachtet, um zu lernen, wie man ein Fahrrad fährt. Wir haben unseren Lehrer dabei beobachtet, wie er Buchstaben an die Tafel geschrieben hat. Und so haben wir wahrscheinlich auch gelernt, wie man unliebsam mit Menschen umgeht, schreit oder weint, wenn man etwas haben will, wie man sich über alles Mögliche streitet usw.

Jede Interaktion, ob mit jemandem, der uns nahesteht oder der uns fremd ist, hat uns zu dem Menschen gemacht, der wir heute als Erwachsener sind. Wir verinnerlichen in uns also bestimmte Anweisungen, wie man Dinge tun muss, ohne sie zu hinterfragen oder auch nur darüber nachzudenken.

Deshalb gibt es zwei wichtige Aspekte, die dafür sorgen, dass wir an diesem Stein festhalten. Zum einen ist da die Angst, unsere Komfortzone verlassen zu müssen. Zum anderen ist da die Gewohnheit, Dinge einfach aus Routine zu tun, weil wir es so als Kind gelernt haben.

Um diese Gewohnheiten aufzugeben, müssen wir uns zuallererst darüber klar werden, dass unser Leben nicht von einer Art Käfig oder Höhle definiert werden muss. Dann können wir verstehen, dass es da noch Tausende andere Wege gibt, wie man ein und dieselbe Sache angehen kann, die wahrscheinlich auch noch bessere Resultate liefern, als diejenigen, die wir bisher erreicht haben.

Wenn man immer wieder dieselbe Sache auf die gleiche Art und Weise tut, wird man kein neues Resultat erzielen. Manchmal muss man einfach seine Herangehensweise ändern!

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