Aggressive Kommunikation in Beziehungen

Aussagen wie "Hier bin ich der Boss" oder "Du bist unfähig, ich mache es selbst" sind typisch für einen verletzenden, manipulativen und aggressiven Kommunikationsstil. Erfahre mehr zu diesem Thema.
Aggressive Kommunikation in Beziehungen
Valeria Sabater

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Valeria Sabater.

Letzte Aktualisierung: 08. November 2022

Aggressive Kommunikation ist keine Seltenheit. Die Auswirkungen sind immer verletzend und erniedrigend: Diese Art der Kommunikation zerstört das psychologische Gleichgewicht und schließlich auch die Beziehung.

Der existenzialistische Psychologe und Psychotherapeut Rollo May weist darauf hin, dass Kommunikation Verständnis, Vertrautheit und Wertschätzung beinhaltet. Ein gesunder Austausch und die respektvolle Verständigung sind in allen Lebensbereichen wesentlich, in einer Beziehung bilden sie jedoch eine der wichtigsten Säulen.

Nicht jeder ist darin geübt oder geschickt. Die richtige Botschaft einfühlsam, respektvoll und ehrlich zu kommunizieren, ist manchmal schwierig, doch für die Beziehung grundlegend. Leider kommt es im Alltag immer wieder zu aggressiven Momenten, die jedes Gespräch zerstören und sich sehr negativ auf das gemeinsame Leben auswirken.

Aggressive Kommunikation in Beziehungen

Wie äußert sich aggressive Kommunikation?

Aggressive Kommunikation spiegelt eine egozentrische Haltung wider, welche die Gedanken, Gefühle und Rechte der anderen Person nicht respektiert. Nur die eigene Meinung zählt, nicht die des Gesprächspartners. Die aggressive Person versucht, den eigenen Standpunkt mit verbaler oder nonverbaler Gewalt durchzusetzen.

Menschen mit diesem Verhaltensmuster sind an folgenden Merkmalen zu erkennen:

  • Sie sind auf ihre eigenen Bedürfnisse fixiert.
  • Ihre Absicht ist es, ihre Wünsche, Ziele und Standpunkte durchzusetzen. Nachgeben ist für diese Personen keine Option.
  • Meistens ist dieses Persönlichkeitsprofil streitlustig und schreckt nicht davor zurück, andere zu verletzen, zu erniedrigen oder zu demütigen.
  • Es handelt sich um explosive, unberechenbare Personen.
  • Reagieren diese Menschen mit nonverbalen Aggressionen, bestehen diese häufig aus Gesten und Bedrohungen, die jedoch auch ernstere Ausmaße annehmen können.

Aggressive Kommunikation in der Beziehung: Beispiele

Viele ertragen missbräuchliche Beziehungen, in denen aggressive Kommunikation eine Konstante ist. Die Opfer fühlen sich hilflos, verwirrt und haben oft Angst. Die Reaktionen des Partners sind unvorhersehbar und stark verletzend. Die angegriffene Person verliert allmählich ihr Selbstwertgefühl und normalisiert die missbräuchlichen Situationen. Wir zeigen anschließend zum besseren Verständnis einige charakteristische Beispiele auf:

1. Du bist nutzlos, ich mache es lieber selbst

Dieser Satz degradiert die andere Person. Auf diese Weise übernimmt die aggressive Person die Macht, indem sie die andere Person herabsetzt und Verachtung zeigt. Die erniedrigenden Aussagen erfolgen oft in einem liebevollen oder scherzhaften Tonfall, der harmlos erscheinen kann. Anmerkungen wie “Oh Schatz, ich weiß nicht, was du ohne mich machen würdest” werden mit falscher Freundlichkeit getarnt, sind jedoch manipulativ und kontrollierend.

2. Du machst das immer so

Verallgemeinerungen sind ebenfalls eine manipulative Strategie, die das Selbstwertgefühl zerstört. “Du machst das immer falsch”, “Du tust das nie” oder “Du bist immer so” sind schädliche Botschaften, die sich im Unterbewusstsein verankern. Daniel Goleman weist in seinem Buch “Emotionale Intelligenz” auf die Gefahr dieser Aussagen hin. Diese Verallgemeinerungen sind ein Angriff auf die Person und ihr Selbstbild.

3. Du bist an allem schuld

Unter den Beispielen für aggressive Kommunikation darf die Schuldzuweisung nicht fehlen. Die aggressive Person überträgt ihren Frust und ihre Probleme auf ihren Partner, sie übernimmt selbst keine Verantwortung für ihr Verhalten.

4. Du redest nur Unsinn

Eines der Ziele jeder aggressiven und manipulativen Person ist es, die andere Person emotional und psychologisch zu vernichten. Es ist wichtig, dies zu erkennen, denn der Wunsch, andere herabzusetzen, um ihr Selbstwertgefühl schmälern, kann sich verschiedener Mechanismen, Mittel, Ausdrücke, Phrasen und raffinierter Kommentare bedienen.

Studien wie die an der Loyola University Chicago zeigen, dass aggressive Kommunikation und diese Form der Herabsetzung bei beiden Geschlechtern gleichermaßen vorkommen.

5. Du verhältst dich wie … – der ewige Vergleich

Der Vergleich ist ein weiteres klassisches Beispiel für aggressive Kommunikation in einer Beziehung. Oft werden diese Vergleiche mit den Eltern oder einem ehemaligen Partner zur Normalität, da sie sich immer wieder wiederholen. “Du verhältst dich genau wie deine Mutter”, “Alle Frauen sind gleich, meine Ex war auch so”… Kommt dir das bekannt vor?

aggressive Kommunikation in der Beziehung

6. Du tickst nicht richtig

Auch dieser Kommentar ist ein Klassiker im Repertoire der manipulativen Kommunikation. Der Täter lässt sein Opfer glauben, dass es psychische Probleme hat, dass seine Sorgen nicht normal sind und es die Kontrolle verliert. Diese missbräuchliche Strategie ist eine häufige Realität.

7. Du tust, was ich sage

Aggressive Kommunikation ist auch an Aussagen wie “Hier bin ich der Boss” zu erkennen. Der Partner erwartet, dass sein Standpunkt akzeptiert wird, er hat die Kontrolle und bestimmt, was passiert. Die Wünsche oder Bedürfnisse seines Opfers spielen keine Rolle.

Dies sind nur einige Strategien, die in der aggressiven Kommunikation immer wieder zu beobachten sind. Sie zu erkennen, ist entscheidend, um Grenzen zu setzen und die nötigen Maßnahmen zu treffen. Liebe erfordert eine einfühlsame, respektvolle und konstruktive Kommunikation. Wenn dies nicht möglich ist, kann eine Trennung die einzig mögliche Lösung sein.

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