7 unsichtbare Formen von Machismus

5. August 2017 en Emotionen 222 Geteilt

Oft ist es nicht einfach, Machismus zu erkennen. Häufig versteckt er sich in Verhaltensweisen, die normal erscheinen. Unsere Kultur nährt ihn, was dazu führt, dass er tagtäglich in geringen Dosen konsumiert wird. Diese geringen Dosen bewirken aber, dass ein Weltbild am Leben erhalten wird, dass Frauen eine fragwürdige Rolle zuspricht.

Nichts im Leben ist vor dem Machismus gefeit. Er ist eine so subtile Verhaltensweise, dass er sich reproduziert, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Frauen sehen sich jeden Tag mit Andeutungen und Diskriminierungen konfrontiert, die von anderen meist unbemerkt bleiben. Damit gehen jedoch verletzende Angriffe auf das weibliche Geschlecht einher.

„Wieso zahlen sie ihnen weniger?“
„Das ist  doch offensichtlich“, sagte der Bäckermeister, „weil sie Frauen sind.“

Juan Gómez-Jurado

Auch wenn Frauen heutzutage Rechte haben, die sie früher nicht hatten, ist es noch ein weiter Weg zur Gleichberechtigung. Zum Beispiel erhalten Frauen nach wie vor weniger Lohn für gleiche Arbeit. Außerdem müssen sie oftmals besonders herausragende Leistungen aufweisen, um befördert zu werden.

Die Straße ist ein weiterer Ort, an dem der Kampf der Geschlechter regelmäßig entfacht. Es gibt Städte auf dieser Welt, in denen der öffentliche Nahverkehr für die exklusive Nutzung durch Frauen zur Verfügung gestellt werden sollte, um sie zu schützen. Im 21. Jahrhundert ist dies mehr als besorgniserregend.

Es gibt viele Arten von Machismus, die uns täglich und überall begegnen. Im Folgenden werden wir ein paar von ihnen vorstellen.

1. „Du brauchst einen Freund“

Dieser Satz bezieht sich auf deinen Gemütszustand. Wenn du traurig bist, spielt der wirkliche Grund dafür keine Rolle. Die Annahme ist, dass Frauen traurig sind, wenn sie keinen Mann an ihrer Seite haben. Wenn du also besorgt, angespannt oder gestresst bist, wird häufig diagnostiziert, dass es ein Mann an deiner Seite sei, was dir fehle.

Dieser Satz enthält eine sehr provokative These:

  • Sie stellt die Frau als unvollständig dar. Daraus folgt, dass sie auf das männliche Geschlecht angewiesen sei, das sie vervollständigen könne.
  • Sie beruht auf der Vorstellung, dass die Frau das „schwache Geschlecht“ sei, und nur in Gesellschaft eines Mannes glücklich sein könne.

2. „Du musst gut aussehen, wer würde sich sonst für dich interessieren?“

Du musst dich immer herausputzen, einen ansehnlichen Körper haben und gut aussehen. Wenn du dies nicht tust, bist du zur Unsichtbarkeit verdammt, oder in anderen Worten, zur Nichtexistenz. Diese Aussagen beruhen auf der Annahme, dass äußerliche Attraktivität die einzige Eigenschaft sei, die die Frau zu gesellschaftlicher Teilnahme berechtige.

Das Problem mit dieser Art von Aussage ist, dass mit ihr eine unbemerkte Bedrohung einhergeht. Sie beschränkt die Rolle der Frau auf die Verführung. Dadurch untergräbt sie ihr Selbstbewusstsein und ihre Selbstliebe. Außerdem bekräftigt sie die Vorstellung, dass die Frau nur zum Vergnügen des Mannes existiere.

Die Rolle der Frau wird auf die Verführung beschränkt.

3. „Wenn du heiratest…“

In manchen Kulturen hören Frauen diesen Satz ständig von ihren Eltern, vor allem von der Mutter. „Wenn du heiratest…“  wird dabei verwendet, als ob die Ehe das größte Ziel im Leben einer Frau wäre. Darin versteckt sich die Überzeugung, dass alles im Leben der Frau auf die Hochzeit ausgerichtet sein sollte und darauf, einem Mann eine gute Frau zu sein.

Eigentlich haben Frauen sich mittlerweile in der Wissenschaft, in der Politik und in der Kultur wichtige Positionen erkämpft. Trotzdem hören wir von Verwandten diesen Satz nicht selten. Andere Frauen können ruhig die Karriereleiter erklimmen, aber die eigene Tochter oder die Schwester sollte doch besser vorsorgen und sich einen Mann suchen.

4. „Du musst weiblicher sein“

Die Zuteilung der Geschlechterrollen ist kulturell bedingt. Es gibt kein Gesetz, das vorschreiben würde, dass ein Mann nicht sensibel oder eine Frau nicht grob sein könne. Vielleicht wurden diese Assoziationen einst gemacht, um zu verhindern, dass die Frau gegen den Mann rebelliert.

„Du musst weiblicher sein“  ist eine Warnung an die Frau, dass ihre Umgangsweisen sanfter werden müssten. Gleichzeitig ist es ein Hinweis, dass sie ihre Rolle nicht infrage stellen dürfe, dass sie sich ihrer zugeteilten Rolle anpassen müsse. Zudem definiert es Verhaltensweisen, die für den Mann nicht angemessen seien.

5. Pfiffe auf der Straße

Nein, Frauen fühlen sich nicht geehrt, wenn sie auf der Straße Pfiffen und Kommentaren ausgesetzt sind. Es fühlt sich nicht nur unschön an, sondern kann auch eine unmittelbare Gefahr für Frauen bedeuten. Viele Männer glauben, dass sie ein Recht auf solche Kommentare haben, solange diese nicht beleidigend sind. Wenige sehen ein, dass es sich dabei um ungerechtfertigte Aggressionen handelt.

Sie sagen zu dir, du würdest aussehen wie ein Engel, dass du wunderschön seist. Möglicherweise tragen sie dir ein Gedicht vor. Aber es handelt sich dabei um Missbrauch, den du nicht hinnehmen darfst. Frauen, die sich dagegen wehren, werden „Feminazis“ oder „verbittert“ genannt.

6. „Sei keine Schlampe, sei nicht so einfach zu haben“

In unserem Kulturkreis ist es okay, gut auszusehen, nett zu sein und gelegentlich zu flirten. Aber man sollte es nicht übertreiben. Man darf nicht zu viel von sich zeigen und nicht wie eine Schlampe wirken. Man soll sich begehren lassen, aber darf gleichzeitig nicht zu einfach zu haben zu sein.

Zurückhaltung ist geboten, hier und da eine Andeutung, mehr aber auch nicht. Alles weitere ist Aufgabe des Mannes. Er ist dafür zuständig, dich zu erobern, und du dafür, ihn nach einer Weile zu akzeptieren. Du darfst nicht selbst die Initiative ergreifen. Wenn du es trotzdem tust, wirst du als Frau uninteressant. Ein flüchtiger Blickkontakt und immer gut auszusehen garantiert dir, dass du interessant bleibst…

Mit solchen Aussagen wird die Vorstellung von der Frau als Beute gestärkt. Die Frau wird zur Beute für den Mann. Die Frau ist die Beute, der sich der Mann annähert. Eine Frau, die die Initiative ergreift oder selbstbestimmt ihre Sexualität auslebt, ist eine Bedrohung.

7. „Mach dir nichts vor, die Liebe ist ein romantischer Traum“

Der Machismus propagiert, dass es keine Liebe gäbe. Nur in Märchen. Du bist keine Prinzessin, sondern eine einfache Sterbliche, die irreale Träume verfolgt. Männer können nicht romantisch sein. Die weibliche Vorstellung von Liebe ist naiv.

Sie versichern dir, dass die Wirklichkeit anders aussähe. Du müsstest dich mit dem zufrieden geben, was du hast. Wenn du dein Leben lang auf deinen Prinzen wartest, würdest du für immer allein bleiben. Du solltest dich an den ersten Mann klammern, den du triffst, und ihn nie wieder gehen lassen. Irgendeinen Mann zu haben sei besser, als gar keinen zu haben.

All diese Formen von Mikromachismus sind schädlich. Sie schaden nicht nur den Frauen, sondern auch den Männern. Diese Zwangsjacken passen niemandem. Jeder Mensch ist einzigartig und viele fühlen sich durch die ihnen zugeteilten Geschlechterrollen eingeschränkt. Es ist Zeit, dass wir offener werden, den alltäglichen Machismus erkennen und ihn für immer beseitigen.

Auch interessant