5 wichtige Dinge, die uns die Krankheit Depression lehrt

10. Juni 2016 en Psychologie 47 Geteilt

Eine Depression kann als solche von einem auf den anderen Moment, vollkommen unerwartet und ohne Vorwarnung auftreten. Einige Symptome können allerdings erste Anzeichen auf eine Depression sein, und das sogar schon eine ganze Zeit lang, bevor die Krankheit ausbricht. Der Unterschied zwischen einer tendenziellen Depression und der tatsächlichen Betroffenheit von dieser Krankheit ist damit gleichzustellen, sich am Abgrund eines tiefen Lochs zu befinden und dann tatsächlich in dieses zu fallen. Sie kann nach einem sehr freudigen Moment oder direkt zu dem Zeitpunkt auftauchen, an dem man dachte, einen Erfolg erzielt zu haben.

Der Blick eines Kindes, einen Sonnenuntergang zu betrachten oder andere scheinbar schöne und tröstende, sogar unwesentliche Situationen des Alltags können das Gefühl von Angst auslösen, welches eine Krise einleitet. Unser Leben beispielsweise Revue passieren zu lassen oder uns ein bestimmtes Ereignis während unseres Daseins noch einmal ins Gedächtnis zu rufen, das ungelöste Angelegenheiten enthält, ist der Beginn eines inneren Sturms, den es bis zu diesem Moment noch nicht zu geben schien.

„Die Stärksten kämpfen vielleicht eine Stunde. Diejenigen, die noch stärker sind, kämpfen ein paar Jahre. Doch die stärksten der Stärksten kämpfen ihr ganzes Leben lang – sie sind die unabdingbaren Kämpfer.“

Bertolt Brecht

Frau verdeckt ihr Gesicht

Von der Depression und ihrer Lehre, sich nicht zu viele Sorgen zu machen

Sich nicht zu viele Sorgen im Vorfeld zu machen bedeutet, dass wir uns nicht vorzeitig über etwas sorgen sollten, das uns Angst bereitet, ohne gegenüber Situationen und eigenen Existenzproblemen desinteressiert oder apathisch zu reagieren. Die Sorge um die Zukunft und die Tatsache darüber, dass wir gegen die Unsicherheit und Ereignisse des Lebens nichts tun und diese nicht beeinflussen können, führt häufig dazu, dass wir uns in einem Teufelskreis der Angst wiederfinden, was zu einer schwerwiegenden Depression führen kann.

Die eigene Existenz kann immer wieder mal durch verwirrende und schwierige Zeiten erschüttert werden. Aus diesem Grund ist es notwendig, sich nicht so sehr von den Lebensumständen abhängig zu machen; von dem, was geschehen kann oder nicht.

Das Wichtigste ist es, unser persönliches Wachstum jeden Tag zu fördern, denn dadurch bekommen wir die Fähigkeit, noch so schwierige Situationen zu meistern und uns nicht in einem Labyrinth voller Zweifel und Fehler zu verirren, oder schlimmer noch, uns das Leben selbst noch schwerer zu machen.

Von der Lehre, zu wissen, wer man ist

Unsere Charakterzüge und Lebensbedingungen achtsam und objektiv zu betrachten gibt uns die großartige Möglichkeit, zu erfahren, wer wir sind. Denn wenn wir uns selbst nicht kennen, sind wir wie ein Blatt im Wind –  ohne Ziel, ohne Urteilsvermögen und ohne Entscheidungsmacht. Unsere Stärken und Schwächen zu erkunden hilft uns dabei, zu hinterfragen, auf welchem Terrain wir uns bewegen können und auf welchem nicht.

Frau in einem Gewand der Natur

Wenn uns die Depression zum Beispiel dazu verleitet, Alkohol zu trinken, ist das Schlimmste, das wir tun können, in eine Bar zu gehen und ein alkoholhaltiges Getränk zu bestellen. Wir neigen dazu, die Umstände dafür verantwortlich zu machen, dass wir einen Rückfall erleiden und stellen uns dadurch selbst Fallen. Wir sollten vorsichtig sein, mutig sein – wofür es allerdings auch wieder Mut braucht – und unsere Schwächen zulassen. Das ist der erste Schritt in die richtige Richtung, damit sich Geschichten, die kein gutes Ende nahmen, nicht wiederholen.

Unsere Existenz wird begleitet von Prozessen: Einige sind länger als andere und hängen vom Schwierigkeitsgrad der Situation ab. Wer sich demnach vor Prozessen drückt, verliert nicht nur die fabelhafte Möglichkeit, neue Erfahrungen zu sammeln und selbstständiger zu sein, sondern bürdet sich damit einen nicht enden wollenden Prozess auf.

Das „Glück“ kann der Grund für eine Depression sein

Wir müssen verstehen, dass das Leben aus Freude und Traurigkeit, Erfolgen und Niederlagen besteht und das große Glück von einer Enttäuschung überschattet werden kann. Denn diese Glückseligkeit kann das größte Sophisma unseres Daseins darstellen. Außerdem ist das Glück nicht gleichgestellt mit dem wahrhaftigen Wohlbefinden. Das Problem besteht darin, dass wir manchmal Euphorie und Glück miteinander verwechseln. Ersteres bedeutet Begeisterung, letzteres Frieden.

Wir können in der Tat davon überzeugt sein, dass wir alles haben: beruflichen und sogar sozialen Erfolg, und dadurch aber in eine tiefe Depression fallen. Manchmal ist das Gefühl, alles zu haben, sogar der Hauptgrund für eine Krise, weil es beispielsweise Kraft, um nicht zu sagen viel Kraft, kostet, einen sozialen Status  zu erhalten. Der Preis, den wir für unser soziales Wohlbefinden zahlen, ist sehr hoch und das kostet manchmal sogar selbiges.

Es ist einen Versuch wert

So kam es also dazu und eine tiefe Depression kam zum Vorschein. Dieser können wir möglicherweise genau dann entkommen, wenn wir auf professionelle Hilfe und auf die Hilfe unseres sozialen Umfeldes setzen. Natürlich kommt das nicht von heute auf morgen. Es wird sehr anstrengend für uns sein, doch das Ziel ist es auf jeden Fall wert. Wir selbst und unsere Heilung sind mehr als genug Gründe dafür.

Depression

Dieser Heilungsprozesse braucht im Allgemeinen sehr viel Zeit und ist schwierig. Die Heilung wird nur langsam vorangehen und an einigen Tagen kann es uns sogar so vorkommen, als würde es 100 Jahre dauern. Wir müssen geduldig sein und verstehen, dass die großen Schwierigkeiten des Lebens eine Engelsgeduld von uns abverlangen.

In diesen Situationen ist es notwendig, die ein oder anderen Gewohnheiten zu ändern, um dieser Dunkelheit zu entfliehen. Wir können bei einer Depression Sport treiben und uns Aktivitäten suchen, die uns helfen. Auch das sind wichtige Schritte des Heilungsprozesses.

Seine Erfahrungswerte und Sichtweisen mit anderen Menschen zu teilen, die ähnliche Krankheiten durchleben mussten, kann für uns ebenfalls eine große Stütze darstellen. Außerdem sollten wir Situationen dringend vermeiden, die uns erst in die Depression stürzten, weil wir dadurch in vielen oder fast allen Fällen einen großen Schritt auf unserem Weg hin zur Heilung machen.

Keine übereilten Entscheidungen, und schon gar nicht in wichtigen Angelegenheiten

In riskanten Situationen oder Krisenmomenten ist es besser, in sich zu gehen und keine übereilten Entscheidungen zu treffen oder etwas zu tun, das unsere Existenz schlimmstenfalls gefährden kann. Ein schlechter Tag geht auch irgendwann einmal vorbei und am nächsten Tag strahlt die Sonne wieder für uns.

Was vielleicht seltsam erscheinen mag, allerdings der Wahrheit entspricht, ist, dass auch wieder Ruhe und unerwartete Gelassenheit in unser Leben einkehrt, wenn sich ein Gefühl von Solidarität und Verständnis in Bezug auf den Menschen breitmacht. Der eigene Schmerz kann durch die Angst der Akzeptanz fremden Schmerzes kanalisiert werden. Sobald wir uns gebraucht und geschätzt fühlen, entdecken wir eine ganz neue und schöne Seite an uns.

Das Leid und die Ungerechtigkeit in der Welt können ein weiterer sehr wertvoller Ansporn für uns sein, um uns verstärkt auf unsere Ziele und darüber hinaus auf bedeutendere Ziele zu konzentrieren. Sie können den Weg für unsere persönliche Verwirklichung ebnen und eine Art und Weise für uns sein, unsere Wunden heilen zu lassen, die unserer Mitmenschen zu verstehen und auch ihnen bei ihrem Heilungsprozess unter die Arme zu greifen.

Sich aufloesender Koerper einer Frau

All das zu verstehen und zu erreichen ist keine einfache Aufgabe und es verlangt so einiges von uns ab, um uns auf diesen komplexen und steinigen Weg zu begeben. Doch es ist auf jeden Fall einen Versuch wert – für andere und natürlich für uns selbst. Wir haben nur ein Leben und wir müssen alles in unserer Macht Stehende tun, damit wir unserem Leben einen Sinn geben und nicht nur ums nackte Überleben kämpfen.

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