Sensibilität ist ein Zeichen der Stärke, nicht der Schwäche

· 9. Mai 2016

Sensibilität, die durch unsere Art, uns zu verhalten, zu verstehen und zu kommunizieren, zum Ausdruck kommt, ist kein Zeichen der Schwäche, sondern der Stärke. Diese Aussage besagt das Gegenteil dessen, was wohl im Denken vieler Menschen vorhanden ist, die meinen, dass Gefühle uns nur schwach aussehen lassen.

Emotionen, Gefühle und Empfindungen sind viele Male im Verlauf unserer Menschheitsgeschichte bestraft worden, weshalb es nicht verwunderlich ist, dass in unserer Gesellschaft davon ausgegangen wird, dass Gefühle uns weniger leistungsfähig, weniger stark machen und unser Vermögen reduzieren, richtige Entscheidungen zu treffen und so auf unserem Lebensweg fortzuschreiten.

Glücklicherweise beginnt sich das zu ändern und wir räumen unserer emotionalen Seite mehr und mehr Wichtigkeit ein, wie etwa der Fähigkeit, mit Sensibilität zu kommunizieren und mit unserer sozialen Umgebung mit mehr Sensibilität in Verbindung zu stehen.

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Intimität, Authentizität und Sensibilität in der Kommunikation

Sensible Kommunikation bedarf der Aufrichtigkeit. Es kann jedoch passieren, dass wir durch Aufrichtigkeit, indem wir das sagen, was wir denken, die anderen Personen verletzen. Deshalb sollten wir nicht nur ehrlich sein, sondern wir müssen  gleichzeitig auch lernen, in einer Weise zu kommunizieren, mit der man den geringst möglichen Schaden anrichtet.

Was ist der Schlüssel zu sensibler Kommunikation? Ein Gefühl auszudrücken, nicht ein Urteil zu fällen. Über andere zu urteilen impliziert, jegliche Art der Sensibilität und Aufrichtigkeit innerhalb der Kommunikation zu zerstören. Das heißt, anstatt zu jemandem zu sagen dass er  „ein Lügner“  sei, sollten wir danach fragen, was das bedeutet.

Man sollte also, anstatt über jemanden zu urteilen, über die Gefühle reden, die durch das Verhalten dieser Person in uns verursacht werden. Man kann zum Beispiel sagen: „Es bringt mich auf die Palme, wenn du dieses machst“,  oder, „ich ärgere mich sehr darüber, wenn du jenes machst.“  Dabei bleiben wir stets höflich und betonen, welche Gefühle eine bestimmte Situation in uns auslöst.

Aussagen, die nichts als Urteile fällen, mangelt es an Sensibilität und sie haben nur eine einzige Funktion: Die besteht darin, das „Ich“ zu beschützen.

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Es gibt keine Verletzlichkeit in unseren Gefühlen, Emotionen und Empfindungen

Viele Menschen kommunizieren mit Urteilen aus Angst davor, sich sensibel zu zeigen, da Gefühle ihrem Verständnis nach ein Zeichen der Schwäche sind. Wie wir hier gerade zeigen, liegt jedoch der Realität jedoch nichts ferner: Denn während Urteile und Meinungen nichts anderes als bloße Mutmaßungen sind, gibt es bei Gefühlen keinerlei Spekulation.

In dem Moment, in dem wir in unseren engeren Beziehungen mehr Sensibilität zeigen, können wir davon ausgehen, dass andere unsere Gefühle nicht ausnutzen werden, und wir wiederum unsere Gefühle dazu nutzen, um eine effektive Kommunikation voranzutreiben.

Ohne Zweifel neigen wir in weniger engen und gefestigten Beziehungen eher zu einer Haltung, die sich in Urteilen und Distanziertheit ausdrückt, als wäre dies erfolgreicher als sensibel und dadurch verletzlich zu wirken. Wir meinen, dass wir so gut herüberkommen und das der Verstand nach Insensibilität verlangt, um so objektiver zu wirken.

Als Konsequenz daraus kommunizieren wir nicht klar und aufrichtig, sondern verfallen der Versuchung, alles schnell und einfach zu machen. Gleichzeitig fürchten wir, dass andere diesen Teil von uns entdecken werden, den wir für minderwertig halten, der uns jedoch, ganz im Gegenteil, aus unserem Herzen heraus weise sein lässt.

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Uns sensibel zeigen und anderen deutlich machen, dass wir nicht aus Stein gemacht sind, bedeutet, uns als sicher, offen, entspannt, enthusiastisch zu zeigen, voller Lernwillen, Verständnis und Weisheit.

Es ist schwierig, mit Sensibilität zu sprechen, aber es ist einen Versuch wert. Es erscheint uns vielmehr sehr nützlich, in einer kompetitiven Gesellschaft groß zu werden und das zu verlernen, was uns stark macht, da dies als Schwäche wahrgenommen wird.

Wie wir bereits wissen, erreichen wir nur eine stufenweise Steigerung der Spannung, wenn wir stets nur kritisieren, andere lächerlich machen oder das ignorieren, was uns stört. Dies führt dann wiederum zu schwer lösbaren Konflikten. Deshalb kann das, was uns andauernd von der Gesellschaft eingetrichtert wird und uns sagt, bloß keine Sensibilität zu zeigen, vielleicht in einigen Umständen nützlich sein, aber nicht in der Regel der Fälle.

Anzugreifen, anstatt Gefühle und Empfindungen zu zeigen, ist ein Fehler, den wir sehr teuer bezahlen müssen. Mit diesem Wissen sollte uns klar geworden sein, dass die Sensibilität eine Gabe ist, die es verdient, vermehrt zu werden, denn aus dem Herzen heraus zu leben, ist das, was uns zu etwas Besonderem und Authentischem macht.

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