5 Unwahrheiten über Psychotherapien

· 23. Februar 2019

Es kursieren viele Unwahrheiten über Psychotherapien, aber auch Halbwahrheiten oder sinnlose Mythen. Es gibt Menschen, die nicht ganz verstehen, dass die ganze Konstellation von Erfahrungen, die wir „Geist“ nennen, im Gehirn liegt. Und dass das Gehirn ein komplexes Organ ist, das unter Umständen unzureichend funktionieren kann, entweder aus organischen Gründen oder weil es zu Verzerrungen in mentalen Prozessen kommt.

Es ist völlig normal, dass der Geist nicht immer hundertprozentig arbeitet, so wie es normal ist, dass wir alle einmal Fieber haben oder dass wir Karies bekommen. Allerdings ist im Gegensatz zu anderen Behandlungen die des Geistes abstrakter. Das Gehirn ist nicht nur ein Organ, sondern ein beeindruckender Produzent immaterieller Erfahrungen, und deshalb werden einige seiner Prozesse nicht mit einer Pille oder einer Injektion, sondern mit anderen Methoden behandelt. Eine von ihnen ist die Psychotherapie.

„Die große Entdeckung meiner Generation ist, dass Menschen ihr Leben verändern können, indem sie ihre geistige Haltung ändern.“

William James

Es gibt viele Unwahrheiten über Psychotherapien, weil es Leute gibt, die sie zwar verunglimpfen, diese Prozesse selbst aber entweder gar nicht oder nur flüchtig durchlaufen haben. Es gibt auch Karikaturen und Klischees, die sich verbreitet haben und Vorurteile gegen diese Art der Behandlung hervorrufen. Welche sind die unfundierten Missverständnisse, an die trotz allem viele glauben? Hier sind fünf von ihnen.

1. Sie dienen dazu, jemanden zum Reden zu haben

Manchmal hören wir Aussagen wie „Der beste Psychologe ist Gott“  oder „Ich gehe nicht zu einem Psychologen, weil ich Freunde habe“.  Diese Sprüche bringen uns zu einer der großen Unwahrheiten über Psychotherapien: dass sie gleichbedeutend mit einer alltäglichen Unterhaltung wären.

Obwohl das Wort das grundlegende Werkzeug in fast allen Psychotherapien ist, hat der im Rahmen einer Behandlung etablierte Dialog andere Motivationen, Absichten und Wirkungen als das alltägliche Gespräch. Der Psychologe stellt sicher, dass dies der Fall ist.

Einzeltherapie

2. Sie nützen nur, wenn du in einer Krise steckst

Es ist wahr, dass die Leute meist dann einen Psychologen aufsuchen, wenn sie eine Krise durchmachen. Meistens ist der unmittelbare Auslöser ein Verlust, sei es durch den Zusammenbruch einer Beziehung, eine Entlassung oder den Tod eines geliebten Menschen. Dann ist es, wenn der Mensch merkt, dass er Hilfe braucht.

Psychotherapie ist offensichtlich ein Faktor, der hilft, diese Art von Situationen zu verarbeiten und zu elaborieren. Allerdings müssen wir nicht unbedingt eine Krise durchmachen, um von einem Psychologen behandelt zu werden. Mit seiner Hilfe lassen sich alle Arten von Situationen bewältigen, die nicht unbedingt kritisch sein müssen.

3. Die Einzigen, die helfen, sind die berühmten Therapeuten

Eine weitere der Unwahrheiten über Psychotherapien ist, dass es eines hochqualifizierten und spezialisierten Fachmannes bedürfte, wenn wir eine gute Betreuung erhalten wollen. Das ist nicht wahr. Das, was eine Psychotherapie wesentlich voranbringt, ist das Engagement des Patienten.

Natürlich ist es wichtig, dafür zu sorgen, dass der Psychologe, der uns behandelt, qualifiziert ist. Wenn wir gute Referenzen über ihn haben, können wir zudem auch eine bessere Einstellung zur Behandlung entwickeln. Ebenso ist die Bezahlung der Therapie eine Möglichkeit, uns zu verpflichten. Aber Titel und Spezialisierungen sind nicht alles – auch die Chemie muss stimmen.

Psychologe und Patient

4. Sie tun das Gleiche, was ein guter Freund tun könnte

Unsere guten Freunde haben sicherlich immer die Bereitschaft und das Interesse, uns zu helfen, wenn sie uns in einer schwierigen Lage sehen. Es ist sehr wertvoll, dass sie uns zuhören und uns manchmal auch ihre Ansichten zu den Problemen mitteilen, die wir mit ihnen diskutieren.

Allerdings ist das Gefühl von Wärme und Kameradschaft, das sie vermitteln können, eine Sache, aber eine völlig andere die Fähigkeit, ein emotionales oder geistiges Problem zu erkennen und uns zu helfen. Dazu bedarf es einer geschulten Person, die nicht persönlich mit uns in Beziehung steht.

5. Sie ist ein notwendiges Opfer – eine der großen Unwahrheiten über Psychotherapien

Eines dieser Klischees über Psychotherapien weist darauf hin, dass es sich um einen äußerst ernsten Prozess handelt, bei dem der Klient analysiert und befragt würde. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Der eigentliche Protagonist dieser Behandlungen ist der Patient.

Therapeut macht sich Notizen

Tatsächlich wären viele darüber überrascht, wie interessant und aufschlussreich diese Art der Bearbeitung sein kann. Wenn wir dazu bereit sind, uns zu verbessern, wird sie zu einem echten Laboratorium des Fortschritts. Mehr über uns selbst zu erfahren, mit Hilfe eines Profis, ist faszinierend.

Es ist bekannt, dass, so wie die Leute nur ungern zum Zahnarzt gehen, sie sich auch nur ungern in Therapie begeben. Es ist jedoch wichtig, zu verstehen, dass dies eine praktikable Alternative ist, wenn wir Hilfe brauchen oder das Gefühl haben, dass unser Leben nicht so verläuft, wie wir es uns wünschen.

  • Labrador, F. J., Echeburúa, E., & Becoña, E. (2000). Guía para la elección de tratamientos psicológicos efectivos. Madrid: Dykinson.