Ein gelassener Geist: Flexibel sein, um glücklich zu sein

· 23. November 2018

Wenn du lernst, flexibel zu sein, kannst du die Einstellung auswählen, die am besten zu deinen Interessen passt. Denn die wahre Kraft des Menschen nährt sich an mentaler Flexibilität und nicht an jenen Haltungen, die keinerlei Sensibilität für das Geschehene aufweisen. Schließlich ist Glück Bewegung und kehrt ein in einen Geist, der weiß, wie er zu sich selbst findet, der die eigenen Emotionen akzeptiert, der verbindet, der sich um seine Einstellung kümmert und klare Ziele hat.

Wenn wir von mentaler Flexibilität sprechen, stellt sich so mancher Leser vielleicht einen Bambuswald vor. Viele Bambusstäbe, die sich inmitten eines Sturms oder Zyklons jedem Wind- und Wasserstoß beugen und später wieder in die gleiche Position zurückkehren. Die Metapher ist als solche ziemlich anschaulich. Aber die wahre Magie des Bambus liegt nicht in seiner Flexibilität, sondern in seiner Widerstandskraft.

„Das Gehirn besitzt viel mehr Möglichkeiten und Energie, als wir denken. Warum bemühen wir uns also nicht, sie zu stärken, anstatt sie ruhen zu lassen?“

Jenny Moix

Unsere Gesundheit hängt demnach nicht nur von dem ab, was wir tun, sondern auch von dem, was wir denken, zusätzlich zu anderen Faktoren, wie z. B. der Genetik, auf die wir heute allerdings nicht eingehen werden. Manchmal nehmen wir nicht wahr, wie prekär unser emotionales und psychisches Gleichgewicht ist. Somit ist unser Geist vielleicht nicht der entspannendste Ort zum Leben. Zu viele Ängste, Obsessionen, Sorgen und negative Dialoge tummeln sich dort.

Die katalanische Psychologin Jenny Moix erklärt in einem ihrer Bücher, dass wir uns bewusst sein sollten, dass das wahre Glück nicht nur auf dem Weg zu finden sei, auf dem wir laufen. Ein Großteil unseres Wohlfühlpotenzials liege in der Gesundheit unserer mentalen Prozesse.

Wenn wir diesem Ansatz folgen, können wir sagen, dass wir nur dann eine widerstandsfähigere Haltung angesichts jeder Herausforderung und jedes Unglücks entwickeln werden, wenn wir lernen können, flexibler zu sein.

Frau in einem lila Kleid vor lilafarbenem Hintergrund

Flexibel sein, um weniger negative Gefühle zu verspüren

Wer mit einer starren und unflexiblen mentalen Haltung durch seinen Alltag geht, wird unweigerlich an jedem Hindernis Halt machen. Auf diese Weise ist ein Geist, der seine automatischen Gedanken nicht anpassen, relativieren oder kontrollieren kann, nicht gesund und noch weniger glücklich.

Viele wissenschaftliche Studien belegen eine Realität: Mental flexible Menschen neigen dazu, mehr Lebensqualität zu haben. Durch ihre Einstellung können sie ihre Gefühle wesentlich besser kontrollieren, kreativer mit Schwierigkeiten umgehen und können sich darüber hinaus an viel positiveren und bereichernderen sozialen Beziehungen erfreuen.

Flexibler zu sein macht uns außerdem resistenter. Diese Fähigkeit stattet uns mit Werkzeugen aus, um uns anzupassen und angesichts unerwarteter oder neuer Ereignisse zu reagieren.

Was verrät uns Jenny Moix diesbezüglich noch?

Jenny Moix ist Autorin und Professorin für Psychologie an der Autonomen Universität Barcelona (Spanien). Sie ist darüber hinaus Mitglied der Forschungsgruppe für Stress und Gesundheit. Ihre Arbeit konzentriert sich hauptsächlich auf das Gebiet der chronischen Schmerzen, des Bewusstseins und der Achtsamkeit bzw. Mindfulness.

  • In ihrem Buch Mi mente sin mí (Mein Geist ohne mich, noch nicht auf Deutsch verfügbar) spricht sie vor allem über eine Aufgabe auf unserer To-Do-Liste: Wir sollten die Anatomie und das Verhalten unseres Geistes etwas besser verstehen. In diesem Buch lehrt uns Jenny Moix, uns aufmerksam zu beobachten, um Abstand zu nehmen, um zu sehen, welche Geräusche sich in unserem Geist tummeln, welche Gefühle und Gedanken, dort ein- und ausgehen, was sie wollen, welche katastrophale Sorgen unser Oberstübchen überschwemmen.
  • Wenn wir unsere Aufmerksamkeit schulen und lernen, flexibel zu sein, werden wir in der Lage sein, tiefer liegende Aspekte zu beleuchten. Nur so können wir das Steuer an uns reißen und Verantwortung für unser Leiden übernehmen.

Unsere geistige Flexibilität trainieren, um glücklicher zu sein

Flexibel sein, um glücklich zu sein – das sollte zweifellos eines unserer täglichen Mottos sein. Wenn wir jedoch praktisch unser halbes Leben in diesem mentalen Zug voller Sorgen, Ängste, Unsicherheiten oder vererbten festgefahrenen Schemata, die uns so sehr konditionieren, verbringen, ist es sehr schwierig, uns zu motivieren, auszusteigen und an der nächsten Station einen Zug zu nehmen, in dem wir Gewohnheiten, Einstellungen und letztendlich unser Leben infrage stellen müssen.

Wir möchten die Dinge gern anders angehen, relativieren, unsere Flexibilität trainieren, um widerstandsfähiger gegenüber Veränderungen und Widrigkeiten zu sein, aber wie stellen wir das an? Wie man so schön sagt, ist es nicht immer gut, sich nur auf die Ergebnisse zu konzentrieren, auf das, was wir sein oder erreichen wollen. Kurzfristige Ziele werden es uns ermöglichen, dass wir uns öfter belohnen, wenn wir verschiedene Strategien umsetzen:

Uns öffnen

  • Wir sollten unser festgefahrenes Denken der Vergangenheit angehören lassen. Glaubenssätze, wie dass das Gegenteil von Weiß immer Schwarz sein müsste, dass jemand im Leben entweder auf unserer Seite oder gegen uns wäre, behindern uns. Wir sollten jene Schemata verbannen, bei denen es nur zwei Schubladen gibt.
  • Wir sollten es wagen, eine Welt voller Feinheiten zu entdecken, die sich zwischen den beiden Polen befindet. Nach und nach werden wir erkennen, dass wir uns in vielen Dingen geirrt haben, dass die Realität voller Details, Reichtum, Lernprozesse, Erkenntnisse, Sichtweisen etc. ist.

Den gegenwärtigen Moment genießen

  • Unser Verstand liebt es, umherzuwandern, in die Vergangenheit zu flüchten, zu dem, was eines Tages war, was hätte sein können, aber nicht geschehen ist. Er besitzt leider auch die schlechte Angewohnheit, ohne den Gebrauch einer Zeitmaschine in die Zukunft zu reisen, um tausend Katastrophen und tausend Unglücke vorherzusehen.
  • Hier sollten wir die Bremse ziehen, diesem reisenden Geist Grenzen setzen und lernen, ihn zum gegenwärtigen Moment zu führen, zum Hier und Jetzt, wo das wirklich Wichtige passiert.
Löwenzahn auf grünem Hintergrund

Verbinde dich mit dem, was dir wichtig ist

Flexibel sein bedeutet auch, unsere Wurzeln nicht aus den Augen zu verlieren. Es bedeutet, mit unseren Werten verbunden zu sein und mit dem, was wirklich wichtig ist. Auf diese Weise wird es nicht so leicht passieren, dass uns jener Strom von Urteilen und Meinungen anderer, der uns alle umgibt, mitreißt.

Zusammenfassend können wir sagen, dass nur wenige Kompetenzen und Fertigkeiten für uns so vorteilhaft sein können wie die mentale Flexibilität. Dadurch können wir wesentlich besser mit den oft unerwarteten (aber wiederkehrenden) Auf und Abs des Lebens umgehen. Uns die diesbezüglich richtigen Werkzeuge anzueignen kann uns dabei helfen, uns an mehr Lebensqualität zu erfreuen.