4 Wege, um die Sozialwissenschaften zu verstehen

· 25. Januar 2019

Die Sozialwissenschaften versuchen, menschliches Verhalten aus ganz besonderen Perspektiven zu verstehen. Und wenn du das Verhalten des Menschen studieren möchtest, musst du dich zunächst fragen, ob der Mensch selbst in der Lage ist, sein Verhalten zu interpretieren und ob er die soziale Realität begreifen kann. Die Antwort, die du darauf geben wirst, bestimmt, wie du das Verhalten des Menschen studieren wirst. Dies ist die ontologische Annahme.

Die zweite Frage, die bestimmt, wie du menschliches Verhalten analysieren kannst, ist epistemologischer Natur. Hier geht es um die Beziehung zwischen dem Forscher und dem zu untersuchenden Objekt, und es kann entweder davon ausgegangen werden, dass der Forscher und das Subjekt voneinander getrennte Elemente oder eben gleich seien.

Die Antwort auf diese Fragen können dir also helfen, deinen sozialwissenschaftlichen Fokus zu bestimmen. Aber es gibt noch weitere Unterschiede zwischen den einzelnen sozialwissenschaftlichen Ansätzen. Wir sprechen hier über die Methodik. Zwar können unterschiedliche Ansätze auf verschiedene Methoden zurückgreifen, es gibt jedoch solche, die in bestimmten Disziplinen üblich sind.

Basierend auf diesen Unterscheidungen (Ontologie, Epistemiologie oder Erkenntnistheorie, Methodik) ergeben sich mindestens vier Ansätze zur Untersuchung des sozialen Verhaltens. Diese vier verschiedenen sozialwissenschaftlichen Ansätze sind Positivismus, Postpositivismus, Interpretationismus und Humanismus. Wir werden sie im Folgenden näher vorstellen.

Der positivistische Ansatz in den Sozialwissenschaften

Der erste Ansatz, über den wir sprechen wollen, ist der Positivismus. Dieser geht davon aus, dass die soziale Realität objektiv sei. Mit anderen Worten, Interaktionen zwischen Menschen gehorchen bestimmten Naturgesetzen, die leicht zu verstehen seien. Der positivistische Sozialwissenschaftler nimmt weiterhin an, dass der Forscher und das Subjekt voneinander getrennte Elemente seien. Folglich verwendet er induktive Verfahren zur Sammlung von Daten.

Vier Menschen halten Puzzelteile aneinander.

Die Beobachtung von Verhaltensweisen in sozialen Gruppen hilft uns, jene Naturgesetze zu erkennen, die unsere soziale Realität bestimmen. Indem wir diese Verhaltensweisen untersuchen, können wir die Gründe für unser Handeln ausmachen.

Positivisten verwenden die empirische Methode. Sie streben danach, die Realität durch Erfahrung vollständig zu verstehen. Die Methoden, die sie verwenden, stammen aus den Naturwissenschaften. Aus diesen Experimenten erhalten die Forscher Daten und sie verwenden statistische Analysen, um mathematische Modelle zu erstellen. Diese Modelle erklären das zu untersuchende Verhalten.

Der postpositivistische Ansatz in den Sozialwissenschaften

Es regte sich Kritik am positivistischen Ansatz. Man erkannte, dass menschliches Verhalten nicht allein den Naturgesetzen unterliegt. Diese Erkenntnis führte zu einem anderen Ansatz, der Postpositivismus genannt wird.

Dieser Ansatz geht zwar immer noch davon aus, dass die Realität objektiv sei, berücksichtigt jedoch auch, dass sie eben nicht so leicht zu verstehen ist. Infolgedessen werden Forscher und Probanden nicht mehr als separate Elemente betrachtet. Stattdessen glauben Postpositivisten, dass der Forscher Einfluss auf den Forschungsprozess nehmen könne.

Dieser Ansatz basiert auf der Verwendung von deduktiven Methoden, die mit allgemein akzeptierten Tatsachen beginnen, welche auf Einzelfälle heruntergebrochen werden, um ihre Gültigkeit zu prüfen. Die postpositivistischen Methoden sind immer noch empirisch, aber man schreibt dem Kontext eine größere Bedeutung zu. Hier finden wir Experimente, statistische Analysen und quantitative Auswertungen.

Der interpretative Ansatz in den Sozialwissenschaften

Der Interpretationismus geht davon aus, dass die soziale Realität sowohl objektiv als auch subjektiv sei. Dieses neue Konzept der Subjektivität impliziert, dass die Realität ein menschliches Konstrukt sei. Das bedeutet, dass Menschen ihre eigene soziale Realität erschaffen. Nach diesem Ansatz können wir die soziale Realität und das Verhalten verstehen, auch wenn unsere Interpretation derselben subjektiv bleibe.

Menschen, die Fragezeichen vor ihre Gesichter halten

Interpretationisten verwenden eine auf dem Kontext basierende Methodik. Sie legen viel Wert auf die Bedeutung, welche die Menschen selbst ihren Handlungen zuordnen. Um diese herauszufinden, verwenden die Forscher vor allem Text- und Sprachanalyse.

Der humanistische Ansatz in den Sozialwissenschaften

Der humanistische Ansatz geht wiederum ins andere Extrem. Er schlägt vor, dass die Wirklichkeit völlig subjektiv sei. Folglich können wir die soziale Realität nicht verstehen. In Anbetracht dessen, dass wir sie niemals verstehen werden, können wir nur hoffen, dass wir uns zumindest einfühlen können. Wir können nur insofern verstehen, wie andere Menschen die Welt sehen, als dass sie sich von unserem eigenen Verständnis unterscheidet.

Humanisten interessieren sich für Werte, Bedeutungen und Ziele. Um diese Informationen zu erhalten, verwenden Forscher eine empathische Interaktion: Sie fühlen sich in die Probanden ein, um Informationen darüber zu erhalten, wie diese ihre soziale Realität verstehen.

Wie du siehst, bieten die Sozialwissenschaften unterschiedliche Möglichkeiten, unser Verhalten zu verstehen. Es gibt verschiedene Ansätze, um sie zu studieren. Auf den ersten Blick scheinen sie sich gegenseitig auszuschließen. Allerdings können die Ansätze auch kombiniert werden. Einige Ansätze sind für das Verständnis bestimmter Verhaltensweisen zudem nützlicher als andere.

Das menschliche Verhalten ist sehr kompliziert und lässt sich sicher nicht in eine einzige Schublade stecken. Ein umfassendes Studium unter Verwendung verschiedener Ansätzen kann dem angehenden Wissenschaftler daher helfen, ein besseres Verständnis zu erlangen.