3 Möglichkeiten zur Kontrolle deiner Vorurteile

28. Januar 2019

Wir alle haben Vorurteile. Vorurteile sind positive oder negative Einstellungen gegenüber Mitgliedern bestimmter Gruppen. Wir nutzen Vorurteile, um Personen zu bewerten und zu kategorisieren, die wir gar nicht kennen. Wenn du zum Beispiel auf einen „Zigeuner“ triffst – oder auf jemanden, den du dafür hältst – und glaubst, dass alle „Zigeuner“ gut Gitarre spielen könnten, wird deine Interaktion mit dieser Person von deiner vorherigen Überzeugung bestimmt, dass sie ein guter Musiker wäre. Vorurteile tragen dazu bei, die Statushierarchie zwischen verschiedenen Gruppen aufrechtzuerhalten. Zum Glück gibt es verschiedene Möglichkeiten, unsere Vorurteile zu identifizieren und bei Bedarf abzubauen.

Experten glauben, dass Vorurteile drei verschiedene Komponenten beinhalten:

  • Stereotype sind die kognitive Komponente. Sie repräsentieren das mentale Bild, das du von einer Gruppe hast.
  • Eine andere Komponente ist die emotionale. Diese umfasst die Gefühle, die du in Bezug auf eine Gruppe von Menschen erlebst.
  • Die letzte Komponente ist das Verhalten und wird durch Diskriminierung dargestellt. Dies meint besonders das negative Verhalten, welches du gegenüber der Gruppe zeigst, gegenüber der du voreingenommen bist.

Wie wir bereits gesagt haben, sind Vorurteile Einstellungen gegenüber Personengruppen oder einzelnen Mitgliedern einer Gruppe. Die Sozialpsychologie hat verschiedene Möglichkeiten entwickelt, um Vorurteile zu erkennen und zu kontrollieren. Diese Methoden basieren auf den Theorien der Kategorisierung und der sozialen Identität.

Kontrolle deiner Vorurteile durch Umkategorisierung

Als Menschen neigen wir dazu, andere Menschen bestimmten Kategorien zuzuordnen. Wir teilen sie ein und stecken sie in bestimmte Schubladen. Kategorisierung bedeutet, dass wir diejenigen bevorzugen, die wir in unsere eigenen Kategorien aufnehmen. Gegenüber jenen Menschen der anderen Kategorien sind wir hingegen voreingenommen. Wenn du also deine Vorurteile kontrollieren möchtest, musst du die Grenzen dieser Kategorien flexibler gestalten. Es gibt drei Möglichkeiten, dies zu tun:

  • Dekategorisierung: Diese umfasst das Betrachten von Mitgliedern anderer Kategorien als Individuen und nicht nur als Teil einer Gruppe. Auf diese Weise kannst du deine Vorurteile kontrollieren oder reduzieren. Anstatt jemanden als „Mitglied“ eines anderen Landes zu sehen, betrachte ihn als unabhängige Person. Das ist eine Möglichkeit, eine positivere Einstellung gegenüber jemandem zu entwickeln.
  • Kreuzkategorisierung: Bei dieser Technik werden die Gemeinsamkeiten konkurrierender Gruppen hervorgehoben. Wenn du dich selbst auf die Kategorien konzentrierst, die du mit anderen teilst, stellst du eine Verbindung her. Sie üben vielleicht eine andere Religion als du aus, aber ihr teilt ein Geschlecht, eine Nationalität, seid Fan derselben Band oder mögt Schokoladeneis.
  • Neukategorisierung: Diese umfasst das Erstellen einer neuen Kategorie, die die Mitglieder verschiedener „alter“ Kategorien umfasst. Zum Beispiel sind wir nicht spanisch und französisch, wir sind europäisch.

Unsere Schatten sind gleich.

Ich bin, wer ich bin, und du bist, wer du bist. Bauen wir eine Welt auf, in der ich ich sein kann und du du sein kannst, und weder du noch ich versuchen, andere Menschen so zu machen, wie wir sind.

Abbau von Vorurteilen durch Gruppenidentität

Diese letzte Methode, die Neukategorisierung, ist diejenige, welche die Forscher am meisten untersucht haben. Wenn wir kategorisieren, bilden wir Identitäten. Wenn du dich zum Beispiel als Frau verstehst, wirst du die Identität einer Frau annehmen. Um eine Neukategorisierung zu fördern, müssen wir daher inklusivere Identitäten schaffen. Identitäten, die sowohl deine eigene Identität als auch die Identitäten anderer umfassen.

Wenn du dich beispielsweise als Frau kategorisierst und sich jemand anderes als Mann versteht, neigt ein Dritter womöglich dazu, diesen zu bevorzugen, da er derselben Gruppe wie jener Dritte angehört. So entstehen leicht Vorurteile gegen die Mitglieder deiner Gruppe, in unserem Beispiel der der Frauen.

Eine gemeinsame Identität zu haben fördert jedoch das auf gegenseitige Hilfe und Kooperation basierende Verhalten im Umgang miteinander. Je mehr Personen die eigene Identität ausmachen, desto stärker ist die Gruppe insgesamt. Betrachten wir noch einmal das vorherige Beispiel: Auf der einen Seite gehen die ursprünglichen Identitäten nicht verloren. Du wirst immer noch eine Frau und beispielsweise Europäerin sein. Person zwei und drei werden immer noch Männer sein. Doch auch sie werden Europäer sein. Wir haben also eine doppelte Identität.

Obwohl es möglicherweise eine andere Gruppe mit vielen weiteren Identitäten gibt, können auch Mitglieder sie unserer Gruppen sein. In der Praxis besteht das Problem darin, dass nicht alle soziale Identitäten gleichzeitig aktiviert werden. Die momentan wichtigste ist die jeweils aktivierte Identität. Dann verstehen wir uns beispielsweise nur als Frau und übersehen die Gemeinsamkeiten, die wir mit anderen haben. Daran können wir aber arbeiten.

In einer Gruppe haben alle ihre Hände in die Mitte gelegt und bilden so einen Kreis.

Vorurteile durch Kontakt reduzieren

Die Hypothese, dass der persönliche Kontakt Vorurteile abbaue, hängt eng mit den zuvor genannten Kategorisierungsstrategien zusammen. Diese Theorie besagt, dass es möglich sei, Vorurteile abzubauen, indem der Kontakt zwischen Mitgliedern verschiedener sozialer Gruppen verstärkt werde. Dasselbe gilt, wenn Mitglieder deiner Gruppe enge Beziehungen zu Mitgliedern anderer Gruppen aufbauen.

Die Kontakthypothese scheint jedoch nur unter bestimmten Bedingungen zutreffend zu sein. Diese Umstände begünstigen den Kontakt zwischen Mitgliedern verschiedener sozialer Gruppen. Die Bedingungen sind folgende:

  • Es muss eine soziale und institutionelle des Kontakts erfolgen.
  • Der Kontakt muss langanhaltend sein. Es muss genügend Zeit sein, damit die Beziehungen zwischen den Gruppenmitgliedern sich signifikant entwickeln.
  • Die Personen, die miteinander in Kontakt stehen, müssen einen ähnlichen Status haben. Der Zustand beider Gruppen sollte gleich sein.
  • Die beteiligten Gruppen müssen gemeinsame Ziele haben. Diese gemeinsamen Interessen schaffen kooperative Beziehungen.

Insgesamt gibt es viele Möglichkeiten, Vorurteile abzubauen. Es scheint, dass die Schaffung einer Kategorie, die nur aus „Menschen“ besteht, der perfekte Weg sei, um Vorurteile gänzlich abzubauen.

Dennoch erschwert eine Tatsache die Durchführbarkeit dieser Option, nämlich, dass es für Menschen schwierig ist, andere als Menschen zu identifizieren. Vielleicht würde ein gemeinsamer Feind von einem anderen Planeten uns als Menschen oder „Erdenmenschen“ identifizieren lassen und unsere Vorurteile endgültig spalten! Aber vielleicht schaffen wir es ja auch allein, wenn jeder ein bisschen dazu beiträgt?