3 Fehlschlüsse, die uns ohne unser Wissen zurückhalten

· 24. Juni 2017

Fehlschlüsse werden als Feststellungen oder Vorstellungen definiert, die wahr erscheinen, es aber in Wirklichkeit nicht sind. Manchmal ziehen wir diese selbst, aber in einigen Fällen handelt es sich um kollektive Überzeugungen, die jeder als selbstverständlich hinnimmt. Es ist nicht einfach, Fehlschlüsse zu erkennen, da es sich nicht um absurde oder banale Annahmen handelt. Sie folgen einer Logik, auch wenn diese nicht richtig ist.

Ein gutes Beispiel für einen Fehlschluss ist die Entstehung eines Vorurteils. Nehmen wir an, jemand wurde beim Lügen erwischt. Wenn er zu einem späteren Zeitpunkt etwas behauptet, sagt eine andere Person, dass sie ihm nicht glauben könne, weil er ein Lügner sei. Anders gesagt wird eine allgemeine Schlussfolgerung aus einer einzelnen Situation gezogen und ohne zu differenzieren angewandt. Die Tatsache aus der Vergangenheit ist zwar wahr, aber die Argumentation ist falsch.

„Eine Meinung, die nicht auf Wissen basiert und mit den Fehlschlüssen einer anderen Person argumentiert, ist der erste Schritt Richtung Einsamkeit.“

Zu Fehlschlüssen kommt es nicht nur in Bezug auf andere Menschen – wir ziehen sie auch, um sie auf uns selbst anzuwenden. Dieses fehlerhafte Denken wirkt sich negativ auf unser Wohlbefinden aus. Drei der häufigsten Fehlschlüsse, die uns davon abhalten, unser Bestes zu geben, lauten wie folgt:

1. Kontrollillusionen

Es gibt zwei grobe Fehlschlüsse bezüglich der Kontrolle, die wir zu Situationen und anderen Personen ziehen. Die erste könnte als „Illusion der Hilflosigkeit“ bezeichnet werden. Sie bezieht sich auf all die Beispiele, die wir heranziehen, um die Behauptung zu stützen, dass wir angesichts einer Situation überhaupt nichts tun könnten, obwohl diese Behauptung keineswegs wahr ist. Das liefert uns eine Rechtfertigung dafür, tatenlos zu bleiben, da wir annehmen, dass alles außerhalb unserer Kontrolle liegt. Diese Art von Fehlschluss taucht immer dann auf, wenn wir sagen „Ich kann nicht“  und diese Unfähigkeit einer Quelle zuschreiben, die sich außerhalb unserer selbst befindet. Zum Beispiel: „Ich konnte nichts sagen, weil diese Person wütend geworden wäre.“

Bei der anderen Kontrollillusion handelt es sich um das genaue Gegenteil: Man denkt, dass alles und jeder von einem abhänge. Dass man für alles und jeden verantwortlich sei. In diesem Fall versucht man, auch nicht das kleinste Detail zu verpassen, mischt sich in alles ein, und ist stets bemüht, alles unter Kontrolle zu behalten. Und weil man das natürlich nicht schaffen kann, macht man sich Vorwürfe.

2. Gerechtigskeitsillusionen

„Gerechtigkeit“ ist einer der unpräzisesten Begriffe überhaupt. Was richtig ist oder nicht, hängt von der jeweiligen Kultur, ja fast von der Einzelperson ab. Es gibt nur sehr wenige Situationen, in denen wir so etwas wie „universale Gerechtigkeit“ anwenden können. Es gibt immer weitere Dinge zu bedenken, die diesen Begriff etwas differenzierter erscheinen lassen.

Allerdings gibt es Menschen, die es als ihre Aufgabe sehen, zu entscheiden, was richtig oder falsch ist. Das Problem dabei ist, dass sie nur ihre eigene Perspektive, ihre eigenen Bedürfnisse und ihre eigenen Ängste und Sehnsüchte sehen, aber nicht die anderer Menschen. Deshalb reiten sie immer wieder darauf herum, dass alles, was ihnen zustößt, ungerecht sei.

Sie sind der Meinung, dass jeder mit der Goldwaage abwiegen sollte, was ihm zusteht und ihm dies natürlich auch anbieten sollte. Diese unrealistische Vorstellung quält ihn letztendlich nur, da niemand permanent die Belohnungen und Bestrafungen für die Personen um sich herum abwägt. Nicht alles gute Verhalten auf der Welt wird belohnt und auch nicht jedes schlechte bestraft.

3. Veränderungsillusionen

Veränderungsillusionen führen zu dem Glauben, dass sich alles um uns verändern muss, damit wir glücklich sein können. Wenn wir uns in unserem Job nicht wohlfühlen, sollen sich die Arbeitsbedingungen ändern. Wenn wir kein Geld haben, sollte sich das Wirtschaftssystem ändern. Wenn unsere sozialen Beziehungen nicht die besten sind, sollten sich die anderen verändern und rücksichtsvoller oder verständnisvoller werden oder sich auf irgendeine Art anders verhalten.

Mit diesem Fehlschluss betrachten wir es in keinem Moment als unsere Aufgabe, uns selbst zu verändern. Und nehmen auch nicht an, dass es unsere fehlende Anpassungsfähigkeit sein könnte, die unsere Arbeit in einen unangenehmen Ort verwandelt, mit dem wir schlecht umgehen können. Oder dass der Grund dafür, dass wir nicht genug Geld haben, in unserem schlechten Umgang mit unseren Finanzen liegen könnte. Oder dass wir, wären wir geselliger, freundlicher und verständnisvoller, das Gleiche von anderen zurückbekommen könnten.

Jemand sagte einmal: „Es ist einfacher, Schlappen anzuziehen, als die ganze Welt mit Teppich auszulegen.“  Für Menschen, die der Veränderungsillusion unterliegen, ist jedoch das genaue Gegenteil der Fall: die Welt soll sich an sie anpassen und nicht sie sich an die Welt.