10 Zitate von Wilhelm Wundt, dem Vater der Psychologie

· 9. Juni 2018

Wilhelm Wundt gilt als einer der wichtigsten und renommiertesten Psychologen aller Zeiten und wird daher manchmal als „Vater der Psychologie“ bezeichnen. Aber Wundt war mehr als Psychologe; er war auch Arzt und Philosoph. Er stammte aus einer protestantischen Familie. Als Professor an den Universitäten in Zürich und Leipzig betreute er über 200 Promovenden. Er veröffentlichte über 500 Werke. Hervorzuheben sind die Grundzüge der physiologischen Psychologie  (1874) und die 10-bändige Kulturpsychologie der Völker  (1900-1920).

Wir fassen seine Ideen in diesem Artikel zusammen und präsentieren zehn Zitate von Wilhelm Wundt.

Wilhelm Wundt

Wilhelm Wundt: Verschmelzung von Psychologie und Physiologie

Mit 23 Jahren promovierte er in Medizin und erhielt für seine Leistung ein Summa cum laude. Zwei Jahre später wurde ihm nach dem Studium bei dem Physiologen Johannes Müller ein zweiter Doktortitel verliehen. Wilhelm Wundt war ein Pionier am Übergang von Philosophie und Physiologie, der in die Psychologie führte. Er erforschte die Grenzen zwischen dem Physischen und dem Geistigen und nutzte Methoden, mit denen er beide Disziplinen studieren konnte.

„Die Einstellung der physiologischen Psychologie zu Empfindungen und Gefühlen, betrachtet als psychische Elemente, ist natürlich die Haltung der Psychologie im Allgemeinen.“

Die Physiologie lieferte Informationen über das, was wir durch unsere Sinne wahrnehmen konnten. Auf der anderen Seite diente die Psychologie dazu, in uns selbst zu schauen. Sein Konzept dieser beiden Disziplinen war der Beginn der physiologischen Psychologie.

„Die Aufgabe der physiologischen Psychologie bleibt dieselbe in der Analyse von Ideen, die sie in der Untersuchung von Empfindungen erfüllte: als Vermittler zwischen den benachbarten Wissenschaften der Physiologie und Psychologie zu fungieren.“

Ein Studienobjekt: das Bewusstsein

Er versuchte, die philosophischen Fragen, die damals die Psychologie dominierten, umzuformulieren. Es ging ihm darum, die Überzeugung zu widerlegen, nach der die Psychologie eine Welt der Ideen sei, wie es Descartes und Locke sagten. Stattdessen sollte sie als eine harte Wissenschaft betrachtet werden.

„Psychologie studiert den Verstand und die Gesetze, die ihn regieren.“

Hier klärte Wilhelm Wundt auf, wo er die Grenzen und das Hauptziel seines Studiums sah. Er wollte die Struktur des Geistes erfassen und an messbaren Parametern festmachen.

„Unser Verstand ist glücklicherweise so ausgerüstet, dass er uns die wichtigsten Grundlagen für unsere Gedanken liefert, obwohl wir von dieser Kreation nichts ahnen. Ihre Folgen bleiben unbewusst.“

Seine strukturalistische oder introspektive Psychologie konzentrierte sich auf den Ausdruck des Bewusstseins. Nach Wilhelm Wundt sei die experimentelle Selbstbeobachtung der beste Weg, um zu sehen, was in unserer Psyche vor sich gehe.

„Die Unterscheidungsmerkmale des Geistes sind von einer subjektiven Art; wir kennen sie nur aus dem Inhalt unseres eigenen Bewusstseins.“

Gehirn als Labyrinth

Ideen in Bewegung

Wilhelm Wundt verstand den Geist als eine dynamische, kreative und mächtige Kraft. Er glaubte nicht, dass wir ihn jemals verstehen könnten, nur indem wir seine Teile identifizierten. Er sagte:

„Eine Idee ist nicht mehr als ein Gefühl, eine Emotion oder ein Wille. Es gibt nur sich verändernde und vergängliche Ideen; es gibt keine permanenten Ideen, die wiederkehrten und wieder verschwänden.“

Stattdessen müssen wir versuchen, ihn zu begreifen, indem wir uns ansehen, wie er sich bewegt.

„Wir sprechen von Tugend, Ehre, Vernunft, aber unser Gedanke übersetzt keines dieser Konzepte in eine Substanz.“

Ethnische oder Volkspsychologie

Wilhelm Wundt erkannte, dass ein rein natürlicher Fokus in der Psychologie nicht ausreichte. Deshalb ging er davon aus, dass seine physiologische Psychologie (individuell, analytisch und experimentell) einer Ergänzung bedurfte. Diese Ergänzung fand er in der Volkspsychologie, auch bekannt als ethnische Psychologie oder Ethnologie. Die Volkspsychologie untersucht die Produkte des kollektiven Lebens (Sprache, Sitten, Mythen, etc.). Diese zeigen an, welch höhere Operationen in unserem Kopf stattfinden.

„Die Ergebnisse der Volkspsychologie sind gleichzeitig unsere wichtigste Informationsquelle bezüglich der allgemeinen Psychologie der komplexen mentalen Prozesse.“

William Wundt war also der Meinung, dass die experimentelle Psychologie nur an der Oberfläche unseres Geistes kratze. Die Volkspsychologie hingegen dringe viel tiefer vor. Er sah Volksgeschichten als eine Möglichkeit, die menschliche Psychologie und unsere verschiedenen Kulturen zu verstehen. Er fasste das so zusammen:

„Auf der anderen Seite muss die Volkspsychologie immer der individuellen Psychologie zu Hilfe kommen, wenn die Entwicklung der komplexen mentalen Prozesse in Frage gestellt wird.“

Heißluftballons fliegen Richtung Sonne

Der Vorläufer der wissenschaftlichen Psychologie

Wilhelm Wundts größte Errungenschaft war der Aufbau des ersten experimentellen psychologischen Labors, das ab 1879 in Leipzig zu finden war. In genau diesem Labor begann die Psychologie, sich als akademische Disziplin zu etablieren. Das bedeutete auch vermehrte soziale und institutionelle Unterstützung für diejenigen, die hier und anderswo an psychologischen Konzepten arbeiteten. Es war ein Meilenstein in der Geschichte der Psychologie.

Und dennoch lag Wilhelm Wundt falsch, als er die Bedeutung anderer psychologischer Zweige einschätzte. Am Ende sind sie genauso wichtig wie die, die er inspiriert hat. Und heute sind sie Teil einer Wissenschaft, die mit ihm ihren Ausgang nahm.

„Kinderpsychologie und Tierpsychologie sind von relativ geringer Bedeutung, verglichen mit den Wissenschaften, die sich mit den physiologischen Problemen der Ontogenese und Phylogenie befassen.“

Es gibt nicht viele Menschen, die für die Psychologie von so großer Bedeutung sind wie Wilhelm Wundt. Der deutsche Forscher legte den Grundstein für die wissenschaftliche Psychologie, und er war einer der ersten, der sich mit der Untersuchung mentaler Prozesse auf praktischer, evidenzbasierter Weise auseinandersetzte.