Mein erster Besuch beim Psychologen

· 13. Dezember 2017

Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals zu einem Psychologen gehen müsste. Hinzu kommt, dass ich mich nie richtig mit der Arbeit von Psychologen beschäftigt habe, oder nie darüber nachgedacht habe, was Therapie für mich tun könnte. Doch eines Tages hat sich alles verändert. Ich bekam das Gefühl, dass etwas in mir nicht stimmte, und ich konnte nicht erklären, warum.

Ich fühlte mich weniger motiviert. Und ich hatte nicht mehr dieselbe Freude an den Dingen, die ich einmal genossen habe. Es fiel mir immer schwerer, aus dem Bett und aus dem Haus zu kommen, obwohl ich mich jedes Mal besser fühlte, sobald ich raus war. Ich hatte das Gefühl, dass ich es wollte, aber nicht konnte. Es war ein merkwürdiges Gefühl, und es ließ mich darüber nachdenken, ob vielleicht etwas mit meiner geistigen Gesundheit nicht stimme.

Die Zeit verging und nichts schien sich zu verändern oder zu verbessern. Schließlich fasste ich allen Mut zusammen, um zu einem Psychologen zu gehen. Ich wusste nicht, was ich zu erwarten und zu sagen hatte, oder wie ich beginnen sollte, wenn ich in seinem Büro ankam. Ich war sehr nervös und zurückhaltend. Jetzt, wo ich auf die Ergebnisse zurückblicke, kann ich sagen, dass es sich definitiv gelohnt hat. Es war auch anders, als ich es erwartet hatte.

„Jeder spricht ohne Zögern vom Verstand, doch sie sind perplex, wenn du sie bittest, es zu definieren“

B. F. Skinner

Therapeut mit Patient

Ein Psychologe wird dir nicht sagen, was du hören möchtest, er wird dir die Wahrheit sagen, selbst wenn sie wehtut

Als ich das erste Mal zu meinem Psychologen ging, fing er an mich zu fragen, warum ich mich dazu entschieden habe, nach Hilfe zu suchen. Es erschrak mich, dass ich es nicht erklären konnte. Wie ich bereits erwähnt habe, fühlte ich mich einfach schlecht. Ich konnte keine Gründe oder Worte für mein Unwohlsein finden. Und entgegen dem, was ich erwartet hatte, war mit ihm zu reden eigentlich sehr einfach.

Er war in der Lage mir dabei zu helfen, mein Problem in Worte zu fassen. Außerdem ließ er mich weder alleine oder hilflos fühlen, noch sagte er mir nur das, was ich hören wollte. Er brachte mir einfach bei zu analysieren was nicht gut lief und daran zu arbeiten. Und er half mir dabei, mir meiner Fehler, aber auch meines Potentials bewusst zu sein.

„Deine Lebensweise ist nicht so sehr von dem, was dir das Leben bringt, als von der Einstellung, die du zum Leben bringst bestimmt; nicht so sehr von dem, was dir zustößt, als von der Art und Weise, wie dein Verstand auf das, was passiert, sieht.“

Khalil Gibran

Aber wir haben nicht nur geredet. Von Anfang an haben wir vereinbart, dass wir ein gemeinsames Ziel haben. Damit wollten wir mir dabei helfen, mich über meine Gefühle des Unwohlseins hinaus zu bewegen, die mich dazu veranlasst haben, einen Termin zu vereinbaren. Dies ist der vielleicht schwierigste Teil der Therapie. Du bist kein passives Wesen, das eine magische Lösung für deine Probleme erhält. Stattdessen erkennst du, dass sich deine Probleme verändern, dass sie wachsen, oder verschwinden können. Alles hängt davon ab, wie du sie wahrnimmst, und was du gegen sie direkt oder indirekt unternimmst.

Das ist wenn du erkennst, dass es keine magischen Zaubersprüche gibt. Veränderung ist schwer. Manchmal ist es schwieriger, sich zu verändern, als unter dem Problem zu leiden, welches dich zum Psychologen gebracht hat. Während des Prozesses könnte sich deine Vorstellung von dem, wer du bist, verändern, und das kann beängstigend sein. Doch das Ziel ist nicht, sich kurzfristig gut zu fühlen. Du arbeitest an einer Veränderung, die dich langfristig gut fühlen lässt.

„Die Aufgabe der Psychologie ist es, uns eine komplett andere Vorstellung von den Dingen zu geben, die wir am besten kennen.“

Paul Valery

Therapeut, der seinen Patient beruhigt

Ein guter Psychologe wird dir dabei helfen, dich von der Schuld zu befreien. Er wird dich aber auch dazu bringen, die Verantwortung für deine Gefühle zu übernehmen

Sobald du die Therapie begonnen und Veränderungen umgesetzt hast, läuft der Prozess nicht ganz ohne Hürden ab. Seit ich mir nun meiner Probleme bewusst war, habe ich oft versucht sie zu etikettieren. Diese Etiketten stimmten nicht immer mit dem überein, was mir mein Psychologe gesagt hatte.

Dies ließ mich ihm weniger vertrauen, weil ich glaubte dass mich keiner besser kennt, als ich selbst. Später verstand ich es, und habe das Wissen der mentalen Quellen und Zahnräder, so wie mein Psychologe sie sieht, schätzen gelernt. Es war etwas ganz einfaches, doch zuerst sah ich es nicht. Wie sich herausgestellt hat, können wir alle Meister des Selbsbetrugs sein.

Der Selbstbetrug führt uns dazu, zu grausam oder zu gut uns selbst zu sein. Er macht es für uns unmöglich, unsere eigene Realität klar zu sehen. So oft, dass wir uns in der Schuld dafür wälzen, wie wir uns fühlen oder wer wir sind. Und das einfach weil es uns nicht gut geht.

Doch die Therapie ist wie ein Spiegel. Er zeigt dich so, dass du dich genau so siehst, wie du bist, und nicht wie du es dir wünschst, oder wie du dir die Schuld fürs Dasein geben willst. Während meiner ersten Sitzung mit dem Psychologen half er mir, mich von der Schuld zu befreien, die ich aufgrund meiner nicht erreichten Ziele hatte. Mein Schuldgefühl, dass ich nicht meine gesamte Energie genutzt habe, um meine Ziele zu erreichen. In diesem Sinne half er mir dabei, dass ich die Verantwortung für die Gefühle übernahm, die aus der Schuld entsprungen sind.

Für all diese Gründe hat sich mein erster Besuch beim Psychologen gelohnt. Nun bin ich stärker, ich habe mehr Ressourcen, und meine Sicht, wie ich die Welt verstehe, ist ausgeglichener. Nun weiß ich, dass ich nicht perfekt bin. Tatsächlich habe ich eine gewisse Zuneigung für die Fehler entwickelt, die mir vorher so viel Frustration verursacht haben. Ich kann mich dem Leben stellen, und ich kann scheitern. All das macht mich nicht schwach. Es verstärkt meine Motivation, weiter zu wachsen.

Ich habe definitiv noch Ängste, doch sie schleichen sich nicht mehr in meine Gedanken und legen mich lahm. Meine Ängste kontrollieren mich nicht, weil ich die Unterstützung habe, um die Knoten zu lösen, die mich einst als Gefangene festhielten.