Zyklothymia: Symptome, Ursachen und Behandlung

18. Juli 2018 en Psychologie 0 Geteilt
Zyklothymia - Eine Frau hält sich ein Foto einer lachenden Frau ins Gesicht. In der anderen Hand hält sie das Foto einer Frau, die traurig ist.

Das Hauptmerkmal der zyklothymischen Störung ist ein chronisch schwankender Gemütszustand. Wir alle kennen jemanden, der drastische Stimmungsschwankungen zeigt, bei dem die Stimmung in wenigen Tagen von Traurigkeit zur Freude umschlägt und umgekehrt. Genau diese Leute leiden wahrscheinlich unter Zyklothymia.

Die Stimmung einer Person mit Zyklothymia schwankt zwischen den Zuständen überbordenden Glücks und der Depression. Das heißt, es lässt sich kurzfristig ein deutlicher Stimmungswandel beobachten, den die meisten Menschen als „nicht normal“ ansehen würden.

Es ist allerdings wichtig, Zyklothymia von einer bipolaren Störung zu unterscheiden. Bipolare Störungen sind ernster, weil ihre Symptome schwerer sind. Bei der Zyklothymia erlebt der Patient keine Episoden, die die Kriterien für eine schwere depressive, manische oder hypomanische Episode erfüllen.

Eine Frau schaut in die Kamera und lächelt, aber ihr Spiegelbild zeigt sie nachdenklich.

Kriterien für Zyklothymia

Nach dem Diagnostischen und Statistische Manual Psychischer Störungen in seiner fünften Edition lauten die Diagnosekriterien für die Zyklothymia wie folgt:

A. Mehrere Perioden von hypomanischen und depressiven Symptomen, die über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren nicht die Kriterien für eine schwere depressive Episode erfüllen.
Hinweis: Bei Kindern und Jugendlichen beträgt die Dauer dieser Episoden mindestens ein Jahr.

B. Während eines Zeitraums von zwei oder mehr Jahren (ein Jahr für Kinder oder Jugendliche) hat die betroffene Person in mehr als der Hälfte der Zeit und über mehr als zwei Monate ununterbrochen Symptome gezeigt.

C. Während der ersten zwei Jahre treten keine schweren depressiven Episoden bzw. manische oder gemischte Episoden auf.
Hinweis: Nach den ersten zwei Jahren der Störung kann es zu manischen oder gemischten Episoden kommen, die Zyklothymia-Symptome überlagern. In diesem Fall sind sowohl die Zyklothymia als auch die Bipolar-I-Störung zu diagnostizieren. Oder die Person könnte an depressiven Episoden leiden, was zur Diagnose von Zyklothymia und Bipolar-II-Störung führt.

D. Die Symptome des Kriteriums A werden nicht durch das Vorhandensein einer schizoaffektiven Störung bedingt. Sie überlagern auch nicht Schizophrenie, eine schizophreniforme Störung, eine wahnhafte Störung oder eine unspezifische psychotische Störung.

E. Symptome sind nicht auf die direkten Wirkungen von Substanzen wie Medikamenten oder Drogen oder einer physischen Krankheit, z. B. eine Hyperthyreose, zurückzuführen.

F. Symptome verursachen klinisch signifikante Beschwerden oder Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Lebensbereichen.

Eine Maske, die ein lächelndes und trauriges Gesicht zeigt, liegt auf dem Boden.

Diagnostische Merkmale

Wie wir zu Beginn gesagt haben, ist ein Merkmal der Zyklothymia eine chronische Schwankung des Gemütszustandes. Sie beinhaltet zahlreiche Perioden von hypomanischen Symptomen als auch Perioden von depressiven Symptomen, die sich klar voneinander abgrenzen. Hypomanie bedeutet soviel wie erhabene Stimmung, die zwar nicht die Intensität einer Manie erreicht, allerdings Reizbarkeit und leichte zwanghafte Einstellungen verursachen kann.

Die Hypomanie bleibt daher oft unbemerkt: Der Patient fühlt sich stabil und nicht immer führt die Hypomanie zu einer wesentlichen Beeinträchtigung seiner Leistung auf der Arbeit, in der Familie oder im sozialen Umfeld. Auch die Diagnosestellung kann kompliziert werden, da es neben dem Patienten auch dem Psychologen passieren kann, dass er die Hypomanie mit einem Gefühl des Glücks oder leichter Hyperaktivität verwechselt. Manie hingegen wird als Gegenpunkt zur Depression definiert. Der manische Patient ist deutlich euphorisch und erhaben.

In der Zyklothymia sind depressive Symptome in Anzahl, Schwere und Dauer zu gering, um die Kriterien einer schweren depressiven Episode zu erfüllen. Zyklothymia wird nur diagnostiziert, wenn die Kriterien einer depressiven Episode nicht erfüllt sind. Dies ist sehr wichtig, denn es unterscheidet diese Erkrankung von der bipolaren Störung.

Ein Mann sitzt im Dunkeln und raucht.

Entwicklung und Verlauf der Zyklothymia

Zyklothymia beginnt gewöhnlich in der Adoleszenz oder im frühen Erwachsenenalter. Manche Wissenschaftler halten die Störung für eine temperamentbedingte Entwicklung, andere für eine Form der bipolaren Störung. Der Beginn der Erkrankung ist gewöhnlich graduell und der Verlauf ist chronisch. Es besteht ein Risiko von bis zu 50 %, dass ein Patient mit Zyklothymia später eine bipolare Störung entwickelt.

Wenn hypomanische oder depressive Symptome im späten Erwachsenenalter auftreten und daher eine Diagnose von Zyklothymia unwahrscheinlich erscheint, müssen zunächst eine primär bipolare Störung und verwandte Erkrankungen, die auf anderen Gegebenheiten und körperlichen Leiden basieren, in Betracht gezogen werden.

Zusammenfassend kann man die Zyklothymia als jüngeren Bruder der bipolaren Störung auffassen, der – wie alle Geschwister – dem älteren zwar ähnlich sieht, aber doch seine Eigenheiten hat.

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