Zygmunt Bauman: Wie Facebook und Social Media uns berauben

13. September 2018 en Psychologie 0 Geteilt
Gefahren der sozialen Medien - reale Menschen und deren virtuelle Profile

Zygmunt Bauman war ein polnischer Soziologe, der durch sein Buch Flüchtige Moderne  weltweit Berühmtheit und Anerkennung erlangt hat. Darin prangert er die Tatsache an, dass die Postmoderne den Zusammenbruch der „Solidität“ mit sich gebracht habe. Nichts ist mehr stabil oder von Dauer. Alles ist vorübergehend, vergänglich und veränderbar. Eine seine größten Attacken richtete sich gegen das Phänomen der sozialen Medien.

Zygmunt Bauman hatte es im Leben nicht leicht. Er musste aus seinem eigenen, von den Nazis besetzten, Land fliehen. Schließlich gelang es ihm, sich in Israel niederzulassen, und in den Siebzigern begann er, mit seinen Thesen die Welt zu überraschen. Er hat mehrere Preise gewonnen, darunter den renommierten Prinzessin-von-Asturien-Preis im Jahr 2010.

Zygmunt Bauman erstellte eine scharfe Analyse der modernen Welt. Seine revolutionierenden Gedanken betrafen vor allem das Internet und die sozialen Netzwerke. Er konnte keine Tugend in ihnen erkennen, nichts von Wert. Er ging sogar so weit, dass er sie als moderne Fallen definierte, in die Menschen hineinstolpern und dennoch vollkommen glücklich darüber sind.

Der Soziologe Zygmunt BaumanZygmunt Bauman und Facebook

Hier ist ein überraschendes Zitat von Zygmunt Bauman: „Der Gründer von Facebook, Mark Zuckerberg, hat mit seiner Firma $ 50.000.000.000 verdient, wobei er von unserer Angst vor Einsamkeit profitiert hat. Genau das ist Facebook.“  Allerdings bezieht er sich hierbei nicht nur auf Facebook, sondern auf alle sozialen Medien.

Der Soziologe betonte, dass das Genie Mark Zuckerberg erkannt hatte, wie viele Menschen sich davor fürchten, allein zu sein. In sozialen Medien scheint Einsamkeit jedoch nicht zu existieren. Es gibt immer jemanden, der bereit ist, unsere Gedanken und Äußerungen zu lesen und uns dafür zu loben, indem er uns mit einem unterstützenden „Gefällt mir“ beglückt oder sie sogar teilt.

Die Leute scheinen ziemlich glücklich darüber, ein Teil von völlig belanglosen Gesprächen zu sein – alles im Namen des Lebens „on line“. Unsere Tage verbringen wir nicht mehr in der Gesellschaft anderer Menschen. Unser treuester Partner Tag ein Tag aus ist unser Computer bzw. das Smartphone.

Die Abwesenheit von Dialog und Gemeinschaft

Als Soziologe beschäftigte sich Bauman mit neuen technologischen Abhängigkeiten. Laut ihm sind sie verheerende, praktisch unwiderstehliche Kräfte. Sie erzeugen einen beeindruckenden Sog der „Gemeinschaft“. Nie zuvor gab es etwas Ähnliches. Und Zygmunt Bauman war auch der Ansicht, dass nie so viel Kommunikation getätigt wurde, ohne wirklichen Dialog zu führen oder handfeste Ergebnisse zu erlangen.

Zygmunt Bauman sagte, dass auf Facebook und ähnlichen Plattformen lediglich eine „Filterblase“ entstehe. Die Nutzer hören nur auf das, was sie hören wollen. Soziale Medien sind für ihn wie ein riesiges Spiegelkabinett, in dem wir zwar anderen Menschen begegnen, aber nicht miteinander reden.

Ein Mädchen spielt mit dem Handy.

Das Hinzufügen und Entfernen von Kontakten in sozialen Medien ist viel zu einfach. Im wirklichen Leben ist dies mitnichten so leicht. Hier müssen wir uns der Verantwortung all unserer Handlungen auch stellen. Im Internet hingegen brauchen wir das nicht. Es gibt zwar einen Nachrichtenaustausch, aber keinen Dialog. Es gibt Meinungsverschiedenheiten, aber keine wirklich konstruktive Debatte. Soziale Netzwerke schaffen die Illusion, mit anderen verbunden zu sein, obwohl wir das eigentlich gar nicht sind.

Das Königreich des „öffentlichen Ich“

Soziale Medien laden uns ein, uns selbst zur Schau zu stellen, um zu zeigen, wer wir sind. Natürlich wählen wir nur die vorzeigbarsten Seiten von uns aus, um anderen zu imponieren. Wir bilden Gruppen und Gemeinschaften, die wir nach Belieben verwalten. Wir sind wie kleine Diktatoren im Reich unseres Social-Media-Profils. Wir sind auch diejenigen, die entscheiden, wer da sein darf und wer nicht. Es beeinflusst uns nicht wirklich, wenn wir jemanden „entfreunden“.

Unser Ego steht in den sozialen Medien an erster Stelle. Ohne dass wir es merken, werden wir davon abhängig, wie wir auf Facebook „ankommen“. Wir wollen auf eine bestimmte Art erkannt und wahrgenommen werden. Schnell sind wir frustriert, wenn dies nicht geschieht.

Zygmunt Bauman betrachtete Social Media als Falle. Er glaubte, dass sie einen entscheidenden Einfluss auf das haben, was er die „flüssige Kultur“ nannte. Darin herrschen lediglich prekäre menschliche Beziehungen vor. Eine Liebe ohne Substanz und ohne Verpflichtung. Wellen von Gefühlen und Ideen, die heute noch da und morgen schon vorbei sind. Die sozialen Medien unterhalten Menschen, aber gleichzeitig kontrollieren sie sie immer mehr. Wir sind uns der politischen und wirtschaftlichen Kräfte, die uns in ihrem Griff haben, nicht einmal bewusst.

Facebook und wie es uns zu Sklaven macht.

Für Zygmunt Bauman war die Prognose nicht besonders ermutigend. Trotz so vieler verfügbarer Informationen werden wir immer uninformierter. Wir wissen nicht mehr, was wir glauben sollen. Unsere Kommunikation reduziert sich auf Monologe und basiert nicht auf echter Kommunikation. Es gibt so viel Globalisierung, dass der Individualismus als Gegenreaktion immer aggressiver wird. Alles, was diese „Freiheit“ uns gebracht hat, ist, uns gegenüber denjenigen gefügiger zu machen, die unser Leben kontrollieren wollen.

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