Die Verschwendung der Zeit ist genauso wichtig wie ihre Verwendung

27. November 2019
Manchmal gewinnt Zeitverschwendung an Leben, weil Zeit, über das hinaus, woran wir bisher geglaubt haben, nicht von entscheidender Bedeutung ist. Es ist also ein Synonym für Wohlbefinden und Glück, uns nichts tun zu lassen und uns darauf zu beschränken, nur zu sein, zu fühlen und zu genießen.

Zeitverschwendung ist ein relatives Konzept, das wir aus einer anderen Perspektive betrachten sollten. Zum Beispiel als wertvoller Schlüssel für unser Wohlbefinden. Lass uns darüber nachdenken.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir davon überzeugt sind, dass Zeit Geld ist und dass wir jede Sekunde unseres Lebens optimal nutzen müssen.

Dies führt uns zweifellos zu dem bereits bekannten und wiederkehrenden Labyrinth von Stress- und Angststörungen, die sich aus der Selbstvernachlässigung ergeben. Zeit ist also nicht Geld, Gold oder Silber. Zeit ist viel wertvoller, weil Zeit Leben ist.

Die richtige Zeiteinteilung

Zu wissen, wie wir damit umgehen sollen, und uns von Zeit zu Zeit zu erlauben, absolut nichts zu tun, führt zu Seelenfrieden. Es fällt uns jedoch oft schwer, weil wir viele Stunden unseres Lebens im Modus „Produktivität“ verbracht haben. Unser Verstand lernte, auf der Couch zu liegen und sich auszuruhen als reine Zeitverschwendung zu interpretieren.

Im Gegensatz dazu gibt es im Zeitmanagement „Experten“ wie Dr. Alex Soojung-Kim Pang, der für seine Arbeit als Berater im Silicon Valley bekannt ist. Er erklärt in seinem Buch „Rest: Why You Get More Done When You Work Less“ (zu deutsch etwa: Ausruhen: Warum Sie mehr tun, wenn Sie weniger arbeiten“, dass es Zeit ist, unseren Lebensstil zu ändern. Wir müssen verstehen, dass manchmal das Verschwenden von Zeit eigentlich ein Gewinn ist, da es uns ermöglicht, neue Kraft zu tanken und Frieden zu finden.

Ein Mann, der nichts tut.

Zeitverschwendung bringt einen Gewinn fürs Leben

Max Weber, ein bekannter Philosoph, Wirtschaftswissenschaftler und Soziologe des 20. Jahrhunderts, glaubte, dass die Menschen mit dem Beginn der industriellen Revolution eine fast religiöse Beziehung zu ihrer Arbeitstätigkeit hatten. Arbeiten war nicht länger nur eine Möglichkeit, Geld zu verdienen, um zu überleben. Stattdessen war und ist es eine Lebenseinstellung.

Für viele Menschen besteht der Lebenssinn in ihrer Arbeit. Aktivität ist für sie gleich Produktivität. Obwohl dies teilweise zutreffend sein mag, neigen wir dazu, es die meiste Zeit auf das Äußerste zu treiben, so dass manche Menschen nicht in der Lage sind, sich einfach einmal zu entspannen.

Zu glauben, Untätigkeit sei gleichbedeutend mit Zeitverschwendung, führt zu psychischer Erschöpfung. Eine interessante Studie von Dr. Leonard Reinecke an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz zeigt zum Beispiel, dass viele Menschen weniger an sich denken, wenn sie fernsehen, weil sie sich wegen ihrer Inaktivität schuldig fühlen und dies als Zeitverschwendung betrachten.

Eine Szene aus Alice im Wunderland.

Sei nicht wie das weiße Kaninchen

„Ach je! Ach je! Ich werde zu spät kommen!“ Dies sagte der weiße Hase in Alice im Wunderland. Dieser liebenswerte Charakter symbolisiert das überfüllte Leben, das viele Menschen führen. Gib es doch zu, wir denken immer, dass es etwas zu tun gibt und wir sind immer damit beschäftigt, auf die Uhr zu schauen.

Wir ernähren uns ständig von solchen Verhaltensweisen, die zum Abgrund von Angstzuständen und anstrengenden psychischen Zuständen führen.

Die Kultur der Produktivität und Perfektion lässt uns schuldig fühlen, auch dann, wenn wir nur einen Teil unserer Zeit dem Nichtstun gewidmet haben. Manchmal quält uns unser Verstand mit Gedanken über all die Dinge, die wir angeblich tun sollten.

Gib dir Zeit, gönn dir Zeitverschwendung

Zeitverschwendung nimmt einem manchmal nicht wirklich etwas weg. Das Gegenteil ist oft der Fall. Denke darüber nach, es ist an der Zeit, nicht mehr daran zu glauben, dass du in jeder Minute deines Lebens produktiv sein musst. Dies ist der ideale Moment, um wieder ein Kind zu sein. Sich langweilen lassen, um sich endlich frei, entspannt und sogar verspielt zu fühlen.

Du solltest mehrere Stunden am Tag nichts tun, da dies Kreativität und Reflexion fördert. In der Tat müssen wir verstehen, dass besseres Arbeiten nicht unbedingt mehr bedeutet. Tatsächlich ist es viel produktiver, weniger Stunden zu arbeiten, und unsere Lebensqualität wird sich verbessern.

Zum Schluss solltest du lernen, dir selbst dieses außergewöhnliche Geschenk zu machen. Gib dir die nötige Zeit und die Gelegenheit, dich einfach darauf zu beschränken, mit deinen fünf Sinnen zu sein, zu existieren und das Leben in vollen Zügen zu genießen.

  •  Soojung-Kim Pan, Alex (2017) Descansa, produce más trabajando menos. Madrid: LID