Zeichnen und Malen: Kreativität fördert die psychische Gesundheit

Malen ist ein sehr unterhaltsames Hobby, doch nicht nur das: Diese kreative Beschäftigung fördert die psychische Gesundheit und kommt auch bei psychotherapeutischen Interventionen zum Einsatz.
Zeichnen und Malen: Kreativität fördert die psychische Gesundheit

Letzte Aktualisierung: 15. Juni 2022

Es ist oft nicht einfach, Gefühle und Gedanken in Worte zu fassen. Malen ist in diesem Fall ein hilfreiches Instrument, um zur Ruhe zu kommen und gleichzeitig die Innenwelt auf intuitive, unbewusste und kreative Weise zu erkunden. Beim therapeutischen Malen oder Zeichnen geht es nicht um das Ergebnis, sondern um den Prozess, der die Verarbeitung von Erlebnissen und Erfahrungen erleichtert.

Viele Menschen haben die Tendenz, negative Gefühle oder traumatische Erlebnisse zu verdrängen. Sie finden keine Möglichkeit, sie auszudrücken und die Wirklichkeit zu begreifen. Malen hilft vielen bei der Bewusstwerdung und der Kontaktaufnahme mit ihrem Selbst und ihrer Umwelt. Wir laden dich ein, die Kraft des Malens und des Zeichnens selbst zu entdecken, denn Kreativität fördert die psychische Gesundheit.

Farben und Formen setzen Gefühle und Gedanken frei, die du nicht in Worte fassen kannst.

Zeichnen und Malen: Vorteile für die psychische Gesundheit

Zentangles

Seit einigen Jahren können wir den Trend der Zentangles beobachten. Es handelt sich um wiederkehrende Muster und Strukturen auf weißem Papier. Diese einfache Übung ist für jeden zugänglich, es ist nicht nötig, malen oder zeichnen zu können und du brauchst auch keine speziellen Utensilien oder Materialien.

Der Vorteil dieser Methode ist, dass sie sehr entspannend wirkt und die Konzentration auf das Hier und Jetzt fördert. Während du zeichnest, kannst du dir eine geführte Meditation anhören oder dich einfach auf jeden Strich, den du machst, konzentrieren.

Du traust dich nicht oder hast zu wenig Disziplin, um dich alleine dieser wunderbaren Beschäftigung zu widmen? Dann suche dir eine Zeichenlehrerin oder einen Zeichenlehrer, um dir helfen zu lassen.

Malen ist gesund

Mandalas

Ähnlich beruhigende und konzentrationsfördernde Eigenschaften haben Mandalas, die es in allen Formen und mit verschiedensten Mustern gibt. Das Wort “Mandala” bedeutet im Sanskrit “Kreis”. In der indischen und tibetanischen Kultur dienen die kreisrunden und farbenfrohen Bilder, die sich konzentrisch anordnen, der Meditation. Sie sollen das Bewusstsein fördern und ein Spiegelbild der Seele darstellen.

Beim Malen von Mandalas ist Konzentration wichtig, um ein ganzheitliches Bild zu erreichen, das Einheit und Vielseitigkeit in Farben, Formen und Symbolen widerspiegelt. Es handelt sich um eine Technik, um die Innenwelt zu erkunden und Zugang zur Psyche zu erhalten. Mandalas wirken befreiend, beruhigend und entspannend.

Die perfekte Geometrie von Mandalas symbolisiert Harmonie. Die runde Form und die konzentrische Anordnung fördern die Konzentration und bieten einen Einstieg in die Meditation.

Mandalas malen

Kunsttherapie: Malen fördert die emotionale Heilung

Eine Kunsttherapie kann Menschen mit psychischen Störungen helfen. Sie kommt oft in Kombination mit anderen Therapieformen zum Einsatz. Diese Methodik ist insbesondere dann sehr vorteilhaft, wenn es sich um Kinder oder Personen handelt, die nicht sprechen können oder das Sprechen verweigern. Sie kommt auch bei Menschen mit Demenz vermehrt zur Anwendung, auch in der Prävention.

Zeichnen und Malen sowie andere künstlerische Tätigkeiten ermöglichen den Zugang zur Innenwelt, das gemalte Bild bringt Gefühle, Emotionen und das Unbewusste zum Ausdruck.

Carl G. Jung verwendete die künstlerische Gestaltung, um unbewusste Prozesse freizusetzen und zu verstehen. 

In einer empirischen Feldstudie konnten die Forscherinnen Naphausen und Neuert feststellen, dass eine kunsttherapeutische Intervention bei Menschen mit Depressionen signifikante Verbesserungen erzielen kann.

Eine Auswertung von über 900 Studien, die das WHO-Regionalbüro für Europa durchführte, kam zu der Erkenntnis, dass Kunst im Allgemeinen bei psychischen Krankheiten signifikante Vorteile hat. Dieser Bericht berücksichtigt darstellende Künste, visuelle Künste, Literatur, Kultur und Online-Künste. Er weist auch darauf hin, dass Kunst auf individueller, kommunaler und nationaler Ebene gefördert werden sollte. 

Dieses Thema muss zwar tiefgehender erforscht werden, doch die Praxis zeigt, dass Kunst bei vielen psychischen Problemen erfolgreiche Fortschritte erzielen kann.

Wann und wie kommt die Maltherapie zum Einsatz?

Die Maltherapie hilft bei traumatischen Erlebnissen, Ängsten, psychischen Störungen oder emotionalen Blockaden, Gefühle auszudrücken und zu akzeptieren. Die Bilder machen innere Konflikte sichtbar und helfen den betroffenen Menschen, sie zu verarbeiten und besser damit umzugehen.

Häufig werden damit Angststörungen, Essstörungen und Depressionen begleitend behandelt. In den einzelnen Sitzungen kommen tiefenpsychologische und verhaltenstherapeutische Techniken zum Einsatz, um durch das Zeichnen oder Malen Probleme zu erkennen und Lösungen zu finden. Die Patienten verändern ihre Bilder, verwenden neue Farben oder Formen und schaffen so eine neue Vision, die ihnen in ihrer eigenen Realität weiterhilft. 

Die Therapeutin oder der Therapeut spricht mit den Patienten über das gemalte Bild und die Gefühle und Gedanken, die während des kreativen Prozesses zum Vorschein kommen. Die Fachkräfte haben dadurch die Möglichkeit, neue Perspektiven zu öffnen und die Patienten in ihrem Bewusstwerdungsprozess zu unterstützen.

Zeichnen und Malen ermöglichen kreative Prozesse, die nicht nur im Alltag zum Abbau von Stress und Spannungen oder zur Meditation sehr hilfreich sind. Professionelle Interventionen können bei psychischen Störungen signifikante Veränderungen erreichen. Außerdem dürfen wir nicht vergessen, dass das Malen auch in der Prävention gegen psychisches Leid hilfreich ist. 

Unsere Empfehlung lautet deshalb: Mache dir das Zeichnen und Malen zum Hobby! Du kannst einen Kurs besuchen oder einfach deiner Fantasie freien Lauf lassen. Vergiss nicht, dass der Prozess und nicht das Ergebnis entscheidend ist. Falls du dich in einer schwierigen Situation befindest, die du alleine nicht bewältigen kannst, solltest du unbedingt professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen.

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