"Dirty Dozen": Kognitive Verzerrungen bei Essstörungen

Der Ausdruck "Dirty Dozen" bezieht sich auf verschiedene kognitive Verzerrungen, die häufig bei Essstörungen vorkommen.
"Dirty Dozen": Kognitive Verzerrungen bei Essstörungen

Letzte Aktualisierung: 25. April 2022

Kognitive Verzerrungen stellen bei Essstörungen ein ernstes Problem dar. Nach dem kognitiven Modell wirken sich diese dysfunktionalen oder irrationalen Gedanken darauf aus, wie Patienten ihr körperliches Erscheinungsbild empfinden. Das Problem ist also nicht der Körper, sondern die Gedanken und Gefühle, die sich vom Körperbild ableiten.

In diesem Zusammenhang greift Thomas Cash die von Aaron Beck und Albert Ellis vorgeschlagenen kognitiven Verzerrungen auf und überarbeitet sie, indem er eine Reihe von kognitiven Fehlern in Bezug auf das Aussehen analysiert Diese verzerrten Gedanken werden “Dirty Dozy” genannt. Erfahre heute mehr über dieses Thema.

“Dirty Dozen”: Kognitive Verzerrungen bei Essstörungen

Essstörungen werden von irrationalen und hartnäckigen Gedanken über Essen, Gewicht und Körperbild begleitet. Die kognitiven Verzerrungen, die sich auf das äußere Erscheinungsbild beziehen, sind auch als “Dirty Dozen” bekannt. Wir schauen uns nachfolgend die zwölf Verzerrungen etwas genauer an.

"Dirty Dozen": Kognitive Verzerrungen bei Essstörungen
“Dirty Dozen” ist die Bezeichnung für kognitive Verzerrungen, die eine Fehlinterpretation des Körperbildes verursachen.

1. Die Schöne oder das Biest

Das dichotome Denken der Betroffenen bewegt sich zwischen zwei Polen: Schönheit und Hässlichkeit. Sie gehen davon aus, dass sie hässlich sind, wenn sie nicht schön sind. Außerhalb dieser Bipolarität gibt es keine Möglichkeiten. Das bedeutet alles oder nichts, schwarz oder weiß, es gibt keine Schattierungen: Entweder bin ich attraktiv, oder hässlich, entweder dick oder dünn.

Was tun?

  • Sei kognitiv flexibel. Diese Fähigkeit wird dir helfen, Verständnis und Empathie für dich selbst zu entwickeln. Flexibilität hilft dir, mit Problemen tolerant und anpassungsfähig umzugehen.
  • Denke daran, dass nicht alles schwarz und weiß ist. Benutze eine Skala von 1 bis 10, um dein Körperbild zu bewerten. Außerdem solltest du nicht das Gesamtbild, sondern die einzelnen Körperbereiche betrachten. Es gibt sicher Bereiche, die du magst. Überlege dir, was du alles mit deinem Körper machen kannst, um dir bewusst zu werden, dass es sich um ein technisches Wunderwerk handelt.
  • Wir empfehlen dir folgendes Verhaltensexperiment: Geh auf die Straße und beobachte die verschiedenen Schattierungen, die du an den Körpern anderer Menschen erkennst. Es gibt nicht nur Schwarz und Weiß, sondern viele Farben dazwischen.

2. Kognitive Verzerrungen: das unrealistische Ideal

Diese Verzerrung entsteht, da wir das eigene Aussehen häufig mit einem idealen Standardmodell vergleichen. Dadurch nimmst du dich als unvollkommen wahr, da du nicht diesem Modell entsprichst und glaubst, nicht schön zu sein. Soziale Netzwerke und andere Medien fördern dieses unrealistische Ideal.

Was tun?

  • Vergleiche dich nicht mit dem Social-Media-Profil anderer Menschen. Am besten hältst du dich von bestimmten Netzwerken oder zumindest von jenen Profilen fern, die unrealistische Modelle präsentieren.
  • Suche dir ein neues Vorbild, aber konzentriere dich nicht auf sein Äußeres, sondern auf die Tugenden, die du von dieser Person lernen kannst.

3. Unfairer Vergleich

Zu dieser Verzerrung kommt es, wenn du deine körperlichen Merkmale mit jener Person vergleichst, die dein Idealbild darstellt. Typische Kommentare dafür sind “Ich möchte so dünn sein wie X” oder “Ich hätte gerne eine Muskulatur wie Y”. Diese Vergleiche sind erfolgen immer mit einem Ideal, das “besser” ist, nie mit einer Person, die von der Natur weniger gut ausgestattet wurde (Abwärtsvergleich).

Was tun?

  • Beobachte, wann und wo du dich mit anderen vergleichst und versuche, dich in diesen Situationen auf andere Aspekte zu konzentrieren.
  • Versuche, dich nicht zu vergleichen, aber wenn du es tust, dann sei zumindest fair zu dir selbst oder achte darauf, dass es ein Abwärtsvergleich ist, um dich selbst nicht zu bestrafen.

4. Kognitive Verzerrungen: Das Vergrößerungsglas

Viele richten die gesamte Aufmerksamkeit auf die negativen Eigenschaften oder Unvollkommenheiten des eigenen Körpers, sie übertreiben diese “Fehler” oder erfinden sie sogar. Zum Beispiel: “Ich habe hässliche Beine” oder “Alle schauen nur auf meine Nase”. Sie sehen nur das Negative und machen es noch schlimmer.

Was tun?

  • Nimm dir etwas Zeit, um dich auf angenehme Aspekte deiner selbst zu konzentrieren. Mach eine Liste und visualisiere deine Stärken mit geschlossenen Augen. Erweitere das angenehme Gefühl und übertrage es auch auf jene Körperbereiche, mit denen du nicht zufrieden bist.
  • Lenke deine Aufmerksamkeit auf andere Dinge, nicht ständig nur auf die Dinge, die du nicht an dir magst. Führe Aktivitäten durch, bei denen du dich auf Positives konzentrieren musst.

5. Der blinde Geist

Dieses dysfunktionale Denkmuster basiert darauf, die positiven Teile des Körperbildes zu minimieren oder zu ignorieren. Zum Beispiel: “Du sagst mir, dass ich hübsch bin, weil du meine Freundin bist.

Was tun?

  • Akzeptiere positive Kommentare, die andere über dich machen und schätze sie.
  • Kümmere dich um die Teile von dir, die du magst und die du vernachlässigt hast, weil du dich auf die Teile konzentriert hast, die du nicht magst.

6. Mentale Fehlinterpretation

Die betroffene Person glaubt, dass andere sie so sehen, wie sie sich selbst wahrnimmt. Sie glaubt, die Handlungen und Gedanken anderer in Bezug auf ihr eigenes Körperbild interpretieren zu können. Zum Beispiel: “Ich habe keinen Partner, weil ich dick bin” oder “Ich bin mir sicher, dass die anderen mich hässlich finden“.

Was tun?

  • Denke daran, dass du nur deine eigene Wahrnehmung projizierst, diese jedoch nicht mit der anderer Menschen übereinstimmt.
  • Vergiss nicht, dass andere nicht in deinem Körper leben und andere Prioritäten haben.

7. Kognitive Verzerrungen: Ausstrahlende Hässlichkeit

Die Unzufriedenheit mit einem Körperbereich breitet sich auch auf andere aus, so wie ein Stein, der immer größere Wellen schlagt, wenn du ihn ins Wasser wirfst. Zum Beispiel: “Mit diesen Armen sehe ich furchtbar aus“, “Was für eine hässliche Nase ich habe und erst mein Gesicht… und das Doppelkinn”.

Was tun?

  • Verbringe nicht so viel Zeit damit, in den Spiegel zu schauen.
  • Konzentriere dich auf die Teile von dir, die du magst und halte die Schockwelle der Unzufriedenheit davon ab, sie zu erreichen.

8. Das Spiel der Schuldigen

Diese Verzerrung tritt auf, wenn ein negatives Ereignis auf eine körperliche Erscheinung zurückgeführt wird, mit der du nicht zufrieden bist. Ein Beispiel: Eine Person nimmt an, nicht zu einer Party eingeladen zu werden, weil sie übergewichtig ist. Sie zieht eine willkürliche Schlussfolgerung, ohne jede Grundlage dafür zu haben.

Was tun?

  • Wenn du solche Schlüsse ziehst, frage dich: Welche anderen Gründe gibt es, um zu erklären, was passiert ist, liegt es an mir, war es meine Verantwortung?
  • Distanziere dich von deinen Gedanken und prüfe sie kritisch. Glaube nicht alles, was man dir sagt.

9. Unglück vorhersagen

Manche Menschen sagen ihr eigenes Unglück voraus, nur weil sie mit ihrem Körperbild nicht zufrieden sind. Ein Beispiel: “Sie möchte sich sicher nicht mit mir treffen, da ich hässlich bin.” Am Ende handelt es sich um eine selbsterfüllende Prophezeiung.

Was tun?

  • Überprüfe, was du tun kannst, um die Dinge zu verbessern.
  • Visualisiere das Ereignis auf eine positive Weise.
  • Vermeide es, pessimistische Prophezeiungen zu machen.

10. Die begrenzte Schönheit

Betroffene glauben, dass ihnen ihr Aussehen Grenzen setzt. Zum Beispiel: “Das Hemd wird mir erst passen, wenn ich schlankere Arme habe.” Diese Denkweise ist sehr einschränkend und macht das Körperbild zu einem Hindernis, das Leben zu genießen.

Was tun?

  • Frag dich: Auf welche Weise schränke ich mich selbst ein?
  • Lasse dein Leben nicht von deinem Aussehen begrenzen. Wenn du dich in einem Badeanzug nicht wohlfühlst, zieh einen anderen an, aber hör nicht auf, Sonne, Meer und Strand zu genießen, weil du das Gefühl hast, nicht den perfekten Bikini tragen zu können.

11. Die absolute Wahrheit

Es geht darum, eine Überzeugung in eine absolute Wahrheit zu verwandeln. Ein Beispiel: “Weil ich mich hässlich fühle, muss ich hässlich sein.” Betroffene gehen davon aus, dass ihr Denken ein echtes Abbild der Realität ist und nicht nur eine Hypothese.

Was tun?

  • Erkenne, dass du die Welt aus einer bestimmten Perspektive siehst, die nicht real sein muss.
  • Analysiere die Kommentare anderer Leute, die nicht mit deiner Wahrnehmung übereinstimmen.
"Dirty Dozen": Kognitive Verzerrungen bei Essstörungen
Die eigenen Überzeugungen müssen nicht der Wahrheit entsprechen.

12. Der Schlechte-Laune-Reflex

In diesem Fall werden Sorgen oder schlechte Laune, die durch irgendein Ereignis ausgelöst werden, auf den eigenen Körper übertragen. Ein stressiger Tag bei der Arbeit oder in der Schule wird am Ende auf das Aussehen zurückgeführt. Die Person denkt, dass sie mit einem anderen Körper nicht mit diesen negativen Ereignissen konfrontiert wäre.

Was tun?

  • Wenn du gestresst bist, mache eine Aktivität, die dir hilft, dich zu entspannen; wenn du wütend bist, höre auf deine Gefühle und akzeptiere sie. Führe deine Gefühle unter keinen Umständen auf deinen Körper zurück.

Das “Dirty Dozen” umfasst eine Reihe von Verzerrungen, die die Art und Weise beeinflussen, wie Menschen mit Essstörungen die Realität, sich selbst und ihren Körper wahrnehmen. Sie sind wie ein Filter, der auf lange Sicht die eigenen Annahmen und irrationalen Überzeugungen bestätigt.

Kennst du diese Situation? Lässt du dich auch von deinen Verzerrungen leiten? Wenn dies der Fall ist, solltest du unbedingt psychologische Hilfe in Anspruch nehmen.

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  • Villalobos, J. A. L., & del Valle López, P. Trastornos de la imagen corporal en alteraciones del comportamiento alimentario.