Yacouba Sawadogo, der Mann, der die Sahara besiegt hat

Manchmal erinnern die erstaunlichen Handlungen einiger Menschen an die Geschichte von David und Goliath. Einer dieser Menschen ist Yacouba Sawadogo, ein Mann, der gegen die Sahara antrat und dank seiner Beharrlichkeit und seines Vertrauens in die alte Weisheit tatsächlich als Sieger hervorging.
Yacouba Sawadogo, der Mann, der die Sahara besiegt hat

Letzte Aktualisierung: 18. April 2021

Yacouba Sawadogo benötigte weder einen Universitätsabschluss noch die Nachrichten, um zu wissen, dass sich das Klima verändert. Er lebt in Burkina Faso, einem Land, das an die Sahara grenzt, und er beobachtete, dass es jedes Jahr immer weniger regnete. Er bemerkte auch, dass der Mangel an Regen die Ernte beeinträchtigte.

Dieser brillante Mann lebt in der Sahelzone. Dies ist die Region zwischen der Sahara und der sudanesischen Savanne, einem Gebiet mit einem instabilen Klima, welches manchmal dramatische Hungersnöte verursacht. Eine besonders schlimme Hungersnot ereignete sich zwischen den Jahren 1968 und 1974. Gegen Ende dieser Periode initiierte Yacouba Sawadogo seine Bewegung.

Aber die Weltgemeinschaft erkannte Yacouba Sawadogo erst viel später an. Denn er gewann erst im Jahr 2018 den Right Livelihood Award (manchmal auch als „alternativer Nobelpreis“ bezeichnet) für seinen Kampf um die Gestaltung einer besseren Welt. So wurde schließlich bekannt, welche beharrliche, unermüdliche und wundervolle Arbeit er für sein Volk und die Erde geleistet hatte.

Yacouba Sawadogo - Sahara

Yacouba Sawadogo und die Sahara

Jeder kennt die Sahara-Wüste. Sie ist seit Tausenden von Jahren der Stoff, aus dem Legenden gemacht sind. Was viele Menschen jedoch nicht wissen, ist, dass die Bewohner am nördlichen und südlichen Rand der Wüste es geschafft haben, einen Weg zu finden, dort zu leben und Gemeinschaften zu gründen, die ständig gegen die mächtige Wüste ankämpfen.

Im 20. Jahrhundert wuchs die Bevölkerung in Afrika und eine Welle ausländischer Unternehmen (meist Bergbau- und Förderunternehmen) kam an die afrikanischen Küsten, was in der Folge die natürlichen Zyklen des Ökosystems veränderte. Die größten unmittelbaren Auswirkungen hatte dies auf die Länder in der Sahelzone, einschließlich Burkina Faso, wo Yacouba Sawadogo herkommt.

In den späten 1960er Jahren breitete sich die Wüste auch zunehmend in Burkina Faso aus. Der Sand griff auf fruchtbares Land über und Hunger wurde zu einem allgegenwärtigen Problem. Die meisten Menschen, die dort lebten, beschlossen zu fliehen, weil sie glaubten, der Kampf gegen die Wüste sei verloren. Doch Sawadogo hatte eine andere Strategie. Er beschloss zu bleiben und sich gegen die Wüste zur Wehr zu setzen.

Yacouba Sawadogo schöpfte aus alter Weisheit

Wenn ein Gebiet von Wüstenbildung bedroht ist, besteht die Lösung in der Regel in einer umfassenden Studie mit einer speziellen Diagnose, gefolgt von der Anwendung ausgefeilter, groß angelegter Strategien zur Umkehrung des Prozesses. In Burkina Faso gab es jedoch keine Spezialisten, hochkarätigen Studien oder Millionen von Dollars, um in ein derartiges Projekt investieren zu können.

Zum Glück für seine Gemeinde (und den Planeten) ließ sich Yacouba Sawadogo nicht davon abhalten, es dennoch zu versuchen. Daher begannen er und ein Freund, Mathiew Ouédraogo, damit, ihre eigenen Forschungen durchzuführen. Sie beschlossen, auf die Weisheit ihrer Vorfahren zurückzugreifen, um Lösungen für diese moderne Krise zu finden. In dieser Region bauen die Menschen schon seit vielen Jahren Getreide an. Folglich lieferte das traditionelle Wissen zahlreiche Methoden zur Bekämpfung der Wüstenbildung.

Die beiden Träumer beschlossen, zwei alte Techniken anzuwenden, um den Boden wiederherzustellen. Die erste heißt Cordons Pierreux (auf Deutsch: Kordeln aus Stein) und besteht darin, auf den Feldern Linien aus faustgroßen Steinen zu bilden, die helfen, Regenwasser aufzufangen und es dort lange genug zu halten, damit es ausreichend Zeit hat, in den Boden zu sickern.

Die erfolgreiche Technik

Die zweite Methode war eine andere traditionelle landwirtschaftliche Technik, die Zaï genannt wird. Dabei werden neben gepflanzten Samen Löcher gegraben, um die Pflanzen mit Feuchtigkeit zu versorgen. Sawadogo entwickelte mehrere Innovationen für die traditionelle Technik, von denen eine darin bestand, größere Löcher zu graben.

Außerdem hatte er die Idee, die Löcher mit organischen Stoffen wie Mist, Blättern, kleinen Stöcken und Gemüseresten zu füllen. Er mag es damals noch nicht realisiert haben, aber diese Entscheidung war wahrscheinlich der Grund, warum das Projekt letztendlich erfolgreich war.

Eine unerwartete Folge des Einbringens organischer Materie in die Löcher war, dass dies Termiten anzog. Die Tunnel, die die Termiten auf den Feldern gegraben hatten, trugen tatsächlich dazu bei, den Boden weiter aufzulockern und ihn für Pflanzen fruchtbarer zu machen. Mit anderen Worten, die Termiten waren das fehlende Puzzleteil. Dank der Termiten wurde der Boden weicher und hielt mehr Feuchtigkeit zurück. So begannen die Pflanzen zu wachsen.

Yacouba Sawadogo - Feld

Yacouba Sawadogo und sein Sieg über die Wüste

Allerdings mussten mehr als 40 Jahre vergehen, bevor der Rest der Welt von Sawadogos unglaublichem Kampf um die Wiederherstellung des Lebens in der Wüste erfuhr. Bis heute hat er mehr als drei Millionen Hektar Land zurückgewonnen und zuvor karges Land in fruchtbaren Boden verwandelt.

Trotz seiner erstaunlichen Leistungen war Sawadogo aber nicht zufrieden. Als er feststellte, dass die traditionellen Methoden funktionierten, begann er, sie jedem beizubringen, der sie lernen wollte. Er ist jahrelang mit seinem Motorrad von Dorf zu Dorf gereist. Wohin er auch geht, er bringt den dortigen Gemeinden seine lebenswichtigen Strategien bei.

Yacouba Sawadogos Erbe in seiner Gemeinde ist von unschätzbarem Wert. Wir können viele wichtige Lektionen aus seiner Geschichte lernen. Er lehrt uns, niemals aufzugeben, egal wie schwierig die Dinge auch erscheinen mögen. Er ist auch ein perfektes Beispiel dafür, dass One-Size-Fits-All-Lösungen normalerweise nicht die besten sind und dass gesunder Menschenverstand und Vertrauen dich sehr weit bringen können.

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  • Puig, J. (2019). Sensibilidad por el medio ambiente y cristianismo. Scientia et Fides, 7(1), 73-96.