Wovon hängt das psychische Wohlbefinden älterer Menschen wirklich ab?

· 3. Juni 2018

In den letzten Jahrzehnten wurden im Gesundheitswesen und den dazu gehörigen Wissenschaften unzählige Fortschritte erzielt. Wissenschaftler erforschen Erkrankungen und entdecken immer neue Therapiemöglichkeiten, um diese zu heilen. Wir haben zwar noch viel zu tun, aber die durchschnittliche Lebenserwartung ist bereits deutlich gestiegen und beträgt nun mehr als 80 Jahre.

Jedoch haben wir inmitten des Fortschritts etwas sehr Wichtiges vergessen, nämlich das psychische Wohlbefinden von älteren Menschen. Wenn man bedenkt, dass wir länger leben, wäre es dann nicht gut, diese gewonnene Zeit auch nutzen zu können? Lies weiter, um zu lernen, wie wir die geistige Gesundheit im fortgeschrittenen Lebensalter steigern können.

„Das Altern ist noch immer der einzige Weg, den wir kennen, um länger zu leben.“

Charles Augustin Sainte-Beuve

Die Rolle der Selbstakzeptanz und der Autonomie für das Wohlbefinden älterer Menschen

Ein grundlegender Faktor für das psychische Wohlbefinden älterer Menschen ist die Selbstakzeptanz. Doch was bedeutet sie genau? Selbstakzeptanz ist das Wissen und die Annahme unserer positiven und negativen Eigenschaften. Es ist wichtig, dass wir uns selbst gegenüber eine positive Einstellung haben. Wenn wir uns selbst in einem positiven Licht anschauen, bedeutet das, dass wir eine bessere geistige Gesundheit erreichen können.

Ältere Menschen mit geringer Selbstakzeptanz neigen dazu, unglücklich mit sich und den Umständen zu sein. Sie wollen anders sein, als sie es gerade sind. Ebenso sehen sie ihre Vergangenheit in einem negativen Licht und grübeln darüber, was hätte sein können. Doch diejenigen, die sich so akzeptieren, wie sie sind, nehmen ihre Vergangenheit an und konzentrieren sich auf die Gegenwart.

Auge einer älteren Person

Ebenso spielt die Autonomie für die Gesundheit und das Glück älterer Erwachsener eine wichtige Rolle. Wenn wir von Autonomie sprechen, meinen wir damit die Fähigkeit, nach den eigenen Werten zu handeln. Mit Autonomie können Senioren dem gesellschaftlichen Druck widerstehen. Zudem sind sie weniger von den Entscheidungen Dritter abhängig.

„Wir sollen nicht den jungen Menschen als glücklich betrachten, sondern eher den alten Menschen, dessen Leben glücklich verlaufen ist.“

Epikur

Auf die Zukunft blicken

Es sind unsere Ziele, die unserem Leben einen Sinn geben. Wenn wir ein gewisses Alter erreichen, suchen wir nach diesem gewissen Etwas, das unserem Leben eine Bedeutung geben kann. Etwas, das uns als Motivation dient, um voranzukommen. Ebenso hilft es uns dabei, den Verpflichtungen des Lebens nachzukommen und die schweren Zeiten zu bewältigen, denen wir uns alle ab und zu stellen müssen.

Wenn wir über den Lebenszweck sprechen, gibt es einen weiteren Faktor, der das psychische Wohlbefinden älterer Menschen beeinflusst. Dieser ist das persönliche Wachstum, und das ist nicht gegen Ende des zweiten Lebensjahrzehnts abgeschlossen. Es umfasst die Offenheit für neue Erfahrungen und die Entwicklung der Persönlichkeitsmerkmale. Das heißt, es ist die Fähigkeit, sich weiterzuentwickeln. Wir tun das, indem wir uns selbst herausfordern und uns immer wieder neue Ziele setzen.

In diesem Wunsch nach Wachstum denken wir über die Zukunft nach. Zusätzlich motiviert er uns dazu, uns neue Fähigkeiten anzueignen. Genau genommen ist er die Motivation, um zu lernen – ganz unabhängig vom Alter.

„Wenn man mir sagt, dass ich zu alt wäre, um etwas zu tun, versuche ich es sofort.“

Pablo Picasso

Älterer Herr, der mit dem Smartphone ein Foto macht

Beziehungen und das Gefühl, die Kontrolle über unser Leben zu haben

Zu guter Letzt gibt es zwei weitere Faktoren, die für das psychische Wohlbefinden älterer Menschen eine Rolle spielen. Beide stehen im Zusammenhang mit der Umwelt der Person. Der erste Faktor sind positive Beziehungen zu anderen und der zweite die Kontrolle über die Umstände, unter denen wir leben.

In dieser Lebensphase sind stabile, bereichernde und intime Beziehungen für gute soziale Unterstützung und all dem Guten, das soziale Kontakte mit sich bringen, entscheidend. Genau genommen neigen Menschen dazu, empathischer zu sein, wenn sie mehr Unterstützung erhalten. Ebenso sorgen sie sich um das Wohlbefinden anderer und sind eher bereit, Dritten zu vertrauen. Diese wiederum sind ihnen gegenüber eher warmherzig und offen.

Letztendlich müssen ältere Menschen eine gewisse Kontrolle über ihre Umwelt aufrechterhalten. Es ist wichtig, dass sie die Kontrolle darüber haben, wie sich ihr Leben gestaltet. Menschen, die das Gefühl haben, dass sie einen positiven Einfluss auf ihre Umwelt haben, werden selbstsicherer und glücklicher sein als diejenigen, die von äußeren Einflüssen abhängig sind.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Nick Karvounis, Fabrizio Verrecchia und Roya Ann Miller