Woher kommt die Gewalt einer aggressiven Person?

· 25. Februar 2019

Aggressionen haben viele Verletzungen und Todesfälle zur Folge. Daher ist es wichtig, zu untersuchen, wie sich Aggressionen entwickeln. Um zu verstehen, wie sich Gewalt in einer Beziehung und in anderen Bereichen des Lebens manifestiert, muss man wissen, wie sich die Persönlichkeit einer aggressiven Person formt. Auch müssen wir begreifen, wie sie ihre Beziehungen erlebt.

Forschungsergebnisse zeigen, dass Opfer oder Zeugen von Gewalt in der Zukunft nicht zwangsläufig gewalttätig werden. Andere Studien belegen jedoch, dass viele aggressive Menschen in der Vergangenheit familiäre Gewalt erlebt haben. Was macht eine aggressive Person also zu einer aggressiven Person?

Die Persönlichkeit eines Menschen mit Neigung zur Aggression entwickelt sich in der Kindheit und Jugend

Emotionale Bindung ist die Art und Weise, wie wir uns mit unserer Umwelt und den Menschen in ihr verbinden, insbesondere mit Vertrauenspersonen. Schon in jungen Jahren aktiviert sich unser Bindungssystem und verteidigt wichtige Kontakte gegen Bedrohungen. Wenn wir also mit Angst konfrontiert werden, suchen wir nach dem Gefühl der Sicherheit, das uns unsere Vertrauenspersonen, beispielsweise Eltern, bieten. Und wir verteidigen sie, wenn es nötig ist.

Andererseits kann sich diese Energie manchmal in Aggressionen verwandeln. Gewalt erfüllt in diesem Fall den Zweck, die Aufmerksamkeit der Vertrauensperson auf uns zu ziehen, damit sie uns helfen kann, bzw. jene helfende Hand zu schützen.

Kleines Mädchen hat Angst vor seinem alkoholisiertem Vater.

Es scheint, dass insbesondere aggressive Personen zu einer unsicheren Anhänglichkeit neigen, die die ihre Bindungen zu Vertrauenspersonen charakterisiert. Wenn diese Art von unsicherer Bindung mit Gewalt, Erniedrigung und Distanziertheit verbunden wird, kann dies zu Persönlichkeitsstörungen und gewalttätigem Verhalten führen.

Nach Dutton (2003) führen diese Faktoren zu einer „diffusen Identität“. In diesen Fällen leiten Gewalt und emotionale Distanzierung einen Teufelskreis ein, der Beziehungen schlussendlich zerstört.

Welchen Hintergrund haben aggressive Personen?

Wie wir nun wissen, helfen unsere Erfahrungen mit Vertrauenspersonen dabei, unsere Persönlichkeiten zu formen. Dutton zufolge gebe es viele Präzedenzfälle im Bezug auf die familiäre Vorgeschichte von aggressiven Menschen und die psychologischen und physischen Episoden, die diese erzeugen:

  • Ablehnung und Demütigung: geringes Selbstwertgefühl, Groll, Schuldzuweisungen an äußere Faktoren, fehlende emotionale Regulierung und unter anderem die Tendenz, gewalttätig zu sein und andere emotional zu misshandeln
  • Unsichere Bindung: starke Eifersucht, Wut und Kontrollzwang; Gewalt ist in intimen Beziehungen von zentraler Bedeutung und die Integrität des Egos hängt von diesen Beziehungen ab, weshalb Kontrolle und Verfolgung priorisiert werden
  • Opfer und/oder Zeuge von körperlichem Missbrauch: Erinnerungen an Gewaltschemata, geringes Einfühlungsvermögen für Opfer von Gewalt, Mangel an Problemlösestrategien

Die Angst der aggressiven Person vor dem Verlassenwerden provoziert somit das Bedürfnis, das Opfer zu kontrollieren, um die eigenen Defizite zu kompensieren.

Die Rolle von Werten, wenn es zu Gewalt kommt

Ein junger Mensch mit unsicherer Bindung entwickelt ein Wertesystem, das rechtfertigt, wie er die Welt sieht, wie er in Beziehungen zu Partnern auftritt. Diese Werte werden durch Familie, Freunde, Schule, Filme usw. vermittelt. Zu den wichtigsten Vorstellungen, die mit häuslicher Gewalt zusammenhängen, gehören:

  • Männliche Überlegenheit: der Superman-Mythos, der Mann als Ernährer, Toleranz gegenüber Promiskuität, Beziehungskontrolle und das Recht, häusliche Leistungen vom Partner zu verlangen
  • Art und Weise, Gewalt zu verstehen : schlechte Stimmung als unabänderbare Ursache von Gewalt, Männer wären von Natur aus eifersüchtig, die Zerstörung von Objekten wäre keine Aggression, und manchmal gäbe es gar keine Alternativen
  • So sehen sie Frauen: Frauen wären manipulativ und verstünden Männer als Geldquellen, Feministinnen hassten Männer, und Frauen würden gern dominiert
Ein Mann sitzt in einem dunkeln Zimmer.

Warum aggressive Menschen auf Gewalt zurückgreifen

Nach Holma et al. (2006) erklärt folgender Zyklus, wie sich Aggressionen entwickeln:

  • Gewalt hängt mit der Unfähigkeit des aggressiven Menschen, schwierige Situationen zu bewältigen, zusammen.
  • Die Angreifer glauben, dass sie in die Enge getrieben werden.
  • Ihr Partner verärgert sie.
  • Sie verlieren vorübergehend die Kontrolle.
  • Sie nutzen ihre traumatische Vergangenheit oder ihren Stress, um sich zu rechtfertigen.
  • Sie glauben, dass Gewalt etwas Natürliches wäre.

Es ist wichtig, zu verstehen, dass es nicht darum geht, einen Kampf gegen aggressive Personen zu gewinnen. Es geht darum, das Beste für dich zu tun, und Gewalt ist niemals der beste Weg. Wenn ein Opfer, das Gewalt erfährt, Hilfe sucht, versuchen Fachleute, sein Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen zu stärken, damit wieder die Kontrolle über sein Leben übernehmen kann.