Virginia Satirs „Fünf Freiheiten“ für ein gestärktes Selbstwertgefühl

· 16. September 2018

Virginia Satirs Fünf Freiheiten  führen uns zu einem wichtigen Aspekt in unserem Leben: Uns zu lieben ist für die meisten von uns ein noch unerledigter Punkt auf unserer To-Do-Liste. Uns selbst zu schätzen und uns liebevoll zu behandeln sollte in unserer Routine keine Nebensache sein, sondern Vorrang haben. Uns selbst Priorität zu geben ist unerlässlich, wenn wir sowohl emotionales als auch soziales Wohlbefinden erreichen wollen.

Nur wenn wir respektvoll und würdevoll mit uns umgehen, können wir unser volles Potenzial entfalten und darüber hinaus gesunde und starke Bindungen zu anderen aufbauen. Selbsterkenntnis ist der Schlüssel zu einer tiefgehenden Verbindung mit anderen. Wie finden wir diesen Schlüssel? Was können wir tun, um uns selbst zu lieben?

Virginia Satirs fünf Freiheiten, die sie in einem gleichnamigen Artikel definiert hat, werden uns dabei helfen. Dabei handelt es sich um eine Reihe kraftvoller Aussagen, die sie entwickelt hat, um einen Prozess der persönlichen Entwicklung einzuleiten, der darauf abzielt, das Selbstwertgefühl zu stärken. Schauen wir uns das mal genauer an.

„Sieh in jeder Schwierigkeit eine Möglichkeit, um etwas Neues zu erschaffen, in dem du mithilfe einer kreativen Reaktionsweise lernst und wächst.“

Virginia Satir

Fünf Freiheiten von Virginia Satir

Die Freiheit, zu sein

„Die Freiheit zu sehen und zu hören, was im Moment wirklich da ist, – anstatt das, was sein sollte, gewesen ist oder erst sein wird.“

Die erste von Virginia Satirs fünf Freiheiten bezieht sich darauf, wie wichtig es ist, authentisch zu sein und in der Gegenwart zu leben, anstatt ständig an die Vergangenheit, Zukunft oder sogar Idealisierungen und äußere Projektionen zu denken.

Glückliche Frau auf einem sonnigen Feld

Unser Verstand kann uns auf viele Pfade führen: Einige davon werden uns durch Schuldgefühle zusetzen und unsere Zeit vergeuden, andere wiederum werden fiktive Realitäten erschaffen, die uns erstaunen werden, weil sie uns zeigen, was wir wollen. Es liegt an uns, in welche Richtung wir schauen und welchen Weg wir einschlagen wollen.

Der Schlüssel ist, eine tiefe Verbindung zu uns selbst herzustellen. Wenn wir das tun, werden die Geister der Vergangenheit verschwinden, ebenso wie zukünftige Ängste und Ideale. Nur dann können wir unsere Aufmerksamkeit auf die Gegenwart richten, um zu fließen und wir selbst zu sein, frei von Filtern, Masken und Ablenkungen.

Die Freiheit, zu sagen, was man denkt und fühlt

„Die Freiheit, das auszusprechen, was ich wirklich fühle und denke, – und nicht das, was von mir erwartet wird.“

In den meisten Fällen befürchten wir, dass unsere Worte und Gedanken nicht angemessen seien, dass wir nicht die Bestätigung anderer erhalten oder dass wir sie schlichtweg verletzen. Aus diesem Grund drücken wir letztendlich viel weniger als die Hälfte dessen aus, was wir fühlen und denken.

So setzen wir uns Masken auf, anstatt authentische Beziehungen aufzubauen, bauen instabile Bindungen und eine falsche Bescheidenheit auf. Das ist ein doppelter Verrat, erstens an uns selbst, weil wir unser wahres Ich zurückweisen, und zweitens an anderen, weil wir verheimlichen, wer wir wirklich sind. Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass wir uns auch dafür entscheiden können, nichts zu sagen, solange das eine persönliche Entscheidung ist und uns nicht von außen auferlegt wird, oder weil wir nicht einfach sagen wollen, was andere von uns erwarten.

Es ist nichts falsch daran, unsere Gefühle und Überzeugungen auszudrücken, solange wir das mit Respekt und emotionaler Verantwortung tun. Uns so zu verhalten, ist der beste Weg, wenn wir wollen, dass andere uns kennenlernen und akzeptieren, wer wir sind, und wenn wir tiefgründige Bindungen zu ihnen erschaffen wollen.

Die Freiheit, zu fühlen

„Die Freiheit, zu meinen Gefühlen zu stehen, – und nicht etwas anderes vorzutäuschen.“

Die dritte von Virginia Satirs fünf Freiheiten kann uns viel Kraft kosten, da uns niemand beigebracht hat, wie wir herausfinden, was wir fühlen. Zunächst müssen wir bedenken, dass jede unserer Emotionen wertvoll ist; wir dürfen sie nicht unterdrücken oder blockieren, sonst wird uns die Chance der wunderbaren Kunst des gegenseitigen Kennenlernens entgehen.

Sobald wir verstanden haben, dass wir frei sind, jedes Gefühl zu verspüren und zu erleben, das in uns aufkommt, ist es wichtig, uns selbst darin zu trainieren, die Sprache unserer Gefühle zu verstehen. Denn manchmal verbirgt sich Traurigkeit hinter Angst oder Wut. Wichtig ist, unseren Gefühlen zuzuhören, uns darauf zu konzentrieren, wie wir uns fühlen, um jedes einzelne von ihnen kennenzulernen, um im Nachhinein mit ihnen umgehen zu können.

Die emotionale Welt, die jeder von uns in sich trägt, ist wie eine Landkarte, die uns nicht nur hilft, uns zu verstehen, sondern auch andere. Denn wenn wir nicht wissen, wie andere sich fühlen, werden wir kaum dazu in der Lage sein, angemessen auf unsere Gefühle in einer Beziehung zu reagieren und umgekehrt.

Auf eine Fensterscheibe gemaltes Herz

Die Freiheit, um etwas zu bitten

„Die Freiheit, um das zu bitten, was ich brauche, – anstatt immer erst auf Erlaubnis zu warten.“

Wir können nicht einfach darauf warten, bis Chancen und Menschen an unsere Tür klopfen. Wir können uns auch nicht mit allem zufriedengeben, was passiert oder nicht. Wir können frei wählen und um etwas bitten.

Menschen mit einem geringen Selbstwertgefühl handeln erst, wenn ihnen die Erlaubnis dazu erteilt wird. Dafür ist ihre Unsicherheit verantwortlich. Es ist gerade so, als ob sie nicht selbst entscheiden könnten, weil ihnen jemand dieses Recht vorenthalten hätte. Und auch wenn dich jemand in deiner Kindheit so fühlen ließ, ist es nie zu spät, endlich aufzuwachen und deine Stimme für dich selbst zu erheben, um dich sichtbar zu machen.

Sobald wir wissen, wer wir sind, was wir fühlen und wie wir das ausdrücken können, ist der nächste große Schritt, das zum Ausdruck zu bringen, was wir wollen, um danach zu streben und auch mal Risiken einzugehen.

Die Freiheit, Risiken einzugehen

„Die Freiheit, in eigener Verantwortung Risiken einzugehen, – anstatt immer nur auf Nummer sicher zu gehen und nichts Neues zu wagen.“

Die letzte von Virginia Satirs fünf Freiheiten hat genau damit zu tun: Risiken eingehen, aus unserer Komfortzone herauskommen, die uns manchmal als Zufluchtsort dient, obwohl sie nicht gerade nützlich für uns ist.

Wenn wir wachsen wollen, wenn wir vorankommen wollen, besteht die einzige Option darin, zu handeln und natürlich die Verantwortung für die Folgen unseres Handelns zu übernehmen. Nur so können wir das Geschehene annehmen und daraus lernen. Solange wir dieses Gefühl von Sicherheit nicht aufgeben, ist es uns unmöglich, uns besser kennenzulernen.

Wie wir sehen können, sind die Fünf Freiheiten  von Virginia Satir eine Lobeshymne auf das Selbstwertgefühl. Eine Reihe von Affirmationen, die uns dazu einladen, darüber nachzudenken, wie sehr wir uns selbst schätzen und wie authentisch wir im Umgang mit anderen sind.