Alexithymie – oder die Unfähigkeit, seine Gefühle auszudrücken

· 27. Oktober 2018

Der französische Maler Pierre Bonnard galt als besonders schüchtern und zurückhaltend. Umso interessanter wirkt es, dass folgender Satz von ihm stammt: „Zeichne deine Freude und zeige sie ganz offen.“  Er drückte damit aus, dass man keinen einzigen Tag verbringen sollte, ohne seine Emotionen und Gefühle zu offenbaren. 

Sicherlich ist es für eine zurückhaltende Person nicht gerade einfach, ihre Gefühle offen auszudrücken. Wenn aber ein so schüchterner Mensch wie Pierre Bonnard in der Lage ist, seine innersten Gedanken mit enormer Sensibilität auszudrücken, sollte jeder sich trauen, die Worte „ich liebe dich“  auszusprechen.

Für das Wohlbefinden eines Menschen ist es notwendig, dass er Gefühle zulässt und seine eigenen auch ausdrückt. Es hat etwas Befreiendes, wenn man seine tiefsten Gedanken und Bedürfnisse ausspricht.

„Verschwende niemals die Gelegenheit, deine Liebe auszudrücken.“

H. Jackson Brown

Alexithymie: Personen, die ihre Gefühle nicht ausdrücken können

Personen, die ihre Gefühle nicht ausdrücken können, fördern damit nicht gerade ihre Gesundheit. Dabei handelt es sich um ein Persönlichkeitsmerkmal, das in der Psychologie auch Alexithymie genannt wird.

Alexithymie verursacht häufige Traurigkeit

Die von Alexithymie betroffenen Menschen können ihre Emotionen nicht identifizieren. Außerdem sind sie nicht in der Lage, diese körperlich oder verbal auszudrücken. Wenn man seine Gefühle nicht in Worte fasst, kann dies allerdings zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen. Tatsächlich gibt es Alexithymie-Patienten, die an einer Depression leiden, sozial isoliert und schlichtweg nicht in der Lage sind, ihre Gefühle und Emotionen nach außen zu tragen. Stattdessen stauen diese sich immer weiter an und erschweren den Alltag jener Menschen, die dieses Persönlichkeitsmerkmal aufweisen.

Alexithymie kann darüber hinaus körperliche Probleme bedingen, die auf die belastete Psyche zurückzuführen sind. Beispielsweise können Betroffene an Magenschmerzen, Bluthochdruck oder sogar einem Reizdarm leiden. Auf sozialer Ebene hat Alexithymie gar noch schlimmere Folgen. Wenn man unfähig ist, seine Gefühle auszudrücken, wirkt sich dies negativ auf die sozialen Beziehungen aus.

Weinen ist manchmal der Ausdruck dessen, was nicht in Worte gefasst werden kann.

Ein Beispiel für einen extremen Fall von Alexithymie wird in der Fernsehserie Dexter  dargestellt, die vor einigen Jahren in mehreren Ländern recht erfolgreich war. Der Protagonist der Serie, Dexter, zeigte psychopathische Verhaltensweisen. Dabei war er einfach nicht in der Lage, seine Gefühle zu erkennen und auszudrücken. Es war eine echte Qual für ihn, die Worte „ich liebe dich“  auszusprechen.

Offensichtlich ist dies ein fiktiver Extremfall. Er kann jedoch als Anhaltspunkt dienen, sich selbst genau zu beobachten und nach ähnlichen Symptomen zu suchen. Vielleicht kann man auf diese Weise erkennen, ob man eventuell selbst an Alexithymie leidet.

Die Unfähigkeit, seine Gefühle zu zeigen, ist ein tief verwurzeltes Problem in der Gesellschaft

Schätzungen zufolge leiden weltweit Millionen Menschen an Alexithymie. Es handelt sich also offensichtlich um ein Problem, von dem wahrscheinlich auch einige Menschen aus dem eigenen Umfeld betroffen sind. Um erkennen zu können, ob eine Person an Alexithymie leidet, muss man ihre Fähigkeit zur Empathie beobachten und beurteilen, inwieweit sie ihre Gefühle ausdrücken kann.

Alexithymie führt zu Verunsicherung

Es ist offensichtlich, dass es etwas Wunderschönes ist, wenn man seine Emotionen und Gefühle ausdrücken kann. Auf diese Weise zeigt man seinen Liebsten, was man für sie empfindet. Dadurch fördert man nicht nur seine persönlichen Beziehungen, sondern auch die eigene mentale und körperliche Gesundheit. Wenn man also vermutet, dass man selbst an Alexithymie leidet, sollte man dieser Vermutung mit professioneller Hilfe nachgehen.