Gewalt in der Beziehung: Die Geschichte eines beliebigen Mädchens

13. Januar 2018 en Psychologie 0 Geteilt
Gewalt in der Beziehung - beliebiges Mädchen

Dies ist die Geschichte eines beliebigen Mädchens. Ein Mädchen ohne Namen, denn es gibt so viele von ihnen. Ein Mädchen, das sich in jemanden verliebt hat, von dem es dachte, dass er der beste Mann der Welt sei. Ein Mann wie aus dem Märchen, ein Prinz. Deshalb entschied sie dich dafür, seine Prinzessin zu werden.

Damit sie das tun konnte, gab sie ihre Freiheit, ihr Recht, Entscheidungen für sich zu treffen, ihr Lächeln, ihre Freunde und ihre Familie auf. Im Austausch für das, wovon sie dachte, dass es Liebe sei, opferte sie ihr ganzes Leben und brachte es auf die Gnade der Flut, welche sich nach der Laune eines selbstsüchtigen Herzens bewegte, das glaubte, dass es alles besitzen konnte, sogar Menschen.

Junge trifft Mädchen

Es war wieder nur ein Tag im Büro. Sie saß an ihrem Schreibtisch und führte ihre Arbeit leise durch, bis ein Kollege zu ihr kam, um sie über die Neuigkeiten im Büro zu informieren. Für gewöhnlich achtete sie auf Dinge wie diese gar nicht. Sie wusste, dass ihre Kollegen ein wenig dramatisch sein konnten und dass der Tratsch und die Gerüchte normalerweise mehr Geschichten als Wahrheiten waren.

Als sie ihn ansah, begriff sie, dass sie falsch lag. Er hatte braunes Haar, haselnussbraune Augen und ein hinreißendes Lächeln. Er war nicht nur irgendein Typ, er war der perfekte Mann. So und nicht anders passierte es einfach, dass dieser perfekte Mann mit demselben Zug wie sie nach Hause fuhr. Und so lernten sie einander kennen.

Mann und Frau

Sich verlieben

Sich zu verlieben ist keine bewusste Handlung. Es ist ein Gefühl, das dich allmählich berauscht. Ein Gefühl, das mit der Hoffnung beginnt, jemanden kennenzulernen, der dir ins Auge fällt, doch der allmählich damit anfängt, dein Herz zu erobern. Die Augen können dich täuschen, doch das Herz fühlt immer authentisch.

Der perfekte Mann mochte sie auch und er scheute sich nicht davor, nach ihrer Nummer zu fragen. Er wartete auf sie, sodass sie gemeinsam den Zug nehmen konnten, in der Angst, dass sie ihn irgendwann auf der Reise brauchen könnte und er nicht da sein würde. Und dann lud er sie auf ein Date ein. Es war sehr romantisch und alles schien wie ein Traum zu sein.

Nach ein paar Tagen begann er, ihr ein paar Minuten, nachdem sie sich verabschiedet hatten, Nachrichten zu schicken, als ob ihre Abwesenheit das Ende der Welt für ihn sei. Sie waren alle süß und voller Liebe. Sie fühlte sich wie das glücklichste Mädchen auf der Welt, denn von allen wählte er sie.

Eifersucht und Isolation

Meine beste Freundin macht sich manchmal Sorgen über die Nachrichten, die er mir schickte. Sie sagte, dass sich hinter seinen Worten eine Angst versteckte, die sie nicht mochte. Ich fand es sehr romantisch, dass er mit mir die ganze Zeit im Kontakt stehen wollte. Er war mein Ritter in strahlender Rüstung. Und wenn er wusste, wo ich war, konnte er mich von jeder Gefahr retten.

Neulich wurde er ein wenig eifersüchtig, weil er gesehen hat, wie ich mich mit einem anderen Kollegen unterhalten habe. Doch dies war nichts anderes als eine Darstellung seiner Liebe. Davon, wie wichtig ich ihm war. Er fragte mich, ob ich den Typen mochte, weil er mich und meinen Kollegen gemeinsam hat lachen sehen. Möglicherweise habe ich versehentlich mit ihm geflirtet, deshalb versprach ich, dass ich mich so nicht wieder verhalten würde. Ich wollte ihn nicht verlieren oder ihn verärgern, weil er sich sehr um mich sorgte!

Gestern rief er mich an und das Telefon zeigte ihm an, dass ich bereits mit jemandem telefonierte. Er wurde eifersüchtig, weil er dachte, dass ich mich mit einem anderen Mann unterhielt. Vielleicht fing er an, ein wenig kontrollierend zu sein. Doch er war so freundlich und gutmütig. Und er tat es, weil er mich so sehr liebte. Demnach war alles, was ich tun konnte, ihm zu verzeihen. Wenn er sich so sehr um mich sorgte, war es, weil er mich liebte. Wenn er mich die ganze Zeit nah bei sich haben wollte, war es, weil er mich nie verlassen würde.

Meine Freundin wurde sauer, weil sie seine Einstellung nicht verstand. Er sagte mir, dass sie eifersüchtig sei, weil sie keinen habe, der sie liebe. Er sagte, dass sie ein schlechter Einfluss sei, weil sie mir komische Ideen in den Kopf setzte. Vielleicht stimmte es, dass sie eifersüchtig war. Es stört mich, dass sie sich nicht verstanden.

Letzte Nacht ging ich mit meinen Freundinnen aus. Er würde wütend, nannte mich eine Hure, und sagte, dass ich eine Menge Dekolleté zeigte und ich mich so hübsch gemacht hatte, als ob ich andere Männer aufreißen oder finden wolle, und dass ich das so nie für ihn machte. Vielleicht war meine Kleidung ein wenig knapp, und ich kann verstehen, warum ihn das gestört hat. Ich will ihn nicht verlieren, vor allem nicht wegen etwas so Blödem. Ich würde so nicht mehr ausgehen.

Meine Freunde haben keine Partner und vielleicht konnten sie sich deshalb so kleiden. Doch ich hatte einen und ich konnte ihm gegenüber nicht respektlos sein. Und wenn er dies getan hätte, wäre ich wahrscheinlich auch wütend geworden. Sie mussten verstehen, dass ich so nicht mehr ausgehen konnte, und wenn sie dies nicht verstanden, waren sie nicht meine wahren Freunde.

Weinende Frau, dessen Partner ihre Wange berührt

Angst

Ich hatte Angst davor, ihn zu verlieren. Er wurde öfter wütend und seine Ansprüche wurden größer. Er mochte es nicht, wie ich mich kleidete, wie ich andere Menschen anlächelte. Und er wollte nicht, dass ich einen Rock oder ein Oberteil mit V-Ausschnitt trug obwohl ich das tat, als er mich kennenlernte. Ich hatte Angst, dass, egal was ich machte, es mich von ihm distanzierte, dem perfekten Mann, an dessen Seite ich so glücklich war. Ich würde mit allem umgehen können, aber nicht damit.

Er sagte mir, dass ich ihn sehr wenig liebte, im Vergleich zu dem, wie sehr er mich liebte. Wie konnte ich ihm aber zu verstehen geben, dass er mein Märchenprinz war? Ich war nur irgendein Mädchen, das Angst davor hatte, den perfekten Mann zu verlieren, mit dem sie sich glücklich schätzte. Es wäre so dumm gewesen, wenn ich ihn letztlich hätte gehen lassen, obwohl ich doch so ein Glück gehabt hatte, ihn zu finden. Jemanden, der genauso unvollkommen war wie ich, jemandem, der so gut war, wie er.

Heute schrie ich ihn auf der Straße an, weil er mich als eine Schlampe bezeichnete. Er stritt sich mit mir, weil ich mich mit einem Mitarbeiter eines Schuhladens unterhielt, und ich über einen Witz, den er mir erzählte, gelacht habe. Ich war freundlich, doch ich habe nicht versucht, mit ihm zu flirten. Und ich war sogar sehr zurückhaltend, weil ich wusste, dass er zusah. Er schrie mich an, weil ich mitten auf der Straße eine Szene machte. Doch ich verstand wirklich nicht, warum er so reagiert hat.

Ich möchte in der Lage sein, all das jemandem zu erzählen. Ich muss darüber reden, doch ich habe mich von allen distanziert, denen ich vertraut hatte, warf sie aus meinem Leben, mit falschen und unangemessenen Vorwürfen.

Allerdings möchte auch nicht, dass er wütend wird. Und ich fühle mich ein wenig verloren. Vermutlich ist das Liebe, jemanden so sehr zu wollen, dass dich die Angst, ihn zu verlieren, verrückt macht, selbst wenn du weißt, dass er nicht der Richtige ist. Ich weiß nicht, vielleicht weiß ich nicht, was wahre Liebe ist.

Aggression

Er jagt mir Angst ein, und er hat mich nicht einmal verletzt oder berührt. Er schmiss den Tisch um und schlug die Tür lautstark zu. Und ich stand da und habe gezittert. Wir stritten uns wieder, weil er sah, wie ich mit mit meinem Chef über die Arbeit gesprochen habe. Er versteht es noch immer nicht.

Ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich liebe ihn und kann mich glücklich schätzen, mit jemandem so Perfekten zusammen zu sein, der mich liebt. Doch ich habe Angst vor seinen gewaltsamen Angriffen und möchte nicht, dass wir uns gegenseitig verletzen. Vielleicht sollte ich meinen Job kündigen, sodass er sich beruhigen kann. Schließlich leben wir jetzt zusammen und müssen nicht beide Geld verdienen.

Frau mit Partner

Vielleicht ist es Liebe?

Dies ist keine Liebe, es ist Manipulation, Kontrolle und Abhängigkeit. Niemand hat das Recht, dir zu sagen, wie du dich anziehst, dich schminkst oder mit wem du sprichst. Niemand hat das Recht, dich vor Angst über seine Aggression zittern zu lassen, selbst wenn er dich nicht berührt.

Die Geschichte, die hier erzählt wurde, ist ein Portrait des psychischen Missbrauchs. Es gab keine Schläge, doch diese würden später noch kommen. Das Schlagen beginnt, wenn sich das Opfer so sehr von dessen Angreifer abhängig fühlt, und so überzeugt davon ist, dass es etwas Falsches getan habe, dass es für es unmöglich scheint, es jemandem zu erzählen.

Es könnte sogar nie zur körperlichen Gewalt kommen. Wie du in der Geschichte gesehen hast, ist diese nicht unbedingt nötig. Das Opfer ist allein, in seiner Gnade, und tut, was auch immer er sagt. Es hört auf, es selbst zu sein, und ist komplett von ihm abhängig. Er ist in der Lage, es zu kontrollieren, weshalb er sie es schlagen muss, damit es sich noch enger an ihn klammert.

Dies ist die Geschichte eines beliebigen Mädchens. Wähle irgendeinen Namen, denn leider gibt es viele. Es könnte deine Schwester, Freundin oder Nachbarin sein. Es könnte jedes Mädchen sein, das denkt, dass sie sich verliebt habe, aber in Wirklichkeit von jemanden kontrolliert und gedemütigt wird.

Verschließe deine Augen nicht. Hilf ihr dabei, die Wirklichkeit hinter ihrem Gedankenmuster zu sehen. Verlasse sie nicht, selbst wenn sie dich aus ihrem Leben verbannen möchte. Obwohl du vielleicht zusehen musst, wie sie sich dem Rand einer Klippe nähert, mache sie nicht dafür verantwortlich. Erinnere sie daran, dass sie auf dich zählen kann. Überzeuge sie davon, den Notruf zu wählen. Sie braucht Hilfe, um aus dieser Situation hinauszufinden. Und wenn du sie allein lässt, wird sie dazu nicht in der Lage sein.

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