Wir alle sind verschieden und haben doch den gleichen Wert

· 17. September 2017

Wenn jemand sich definiert, dann hört sich das oft so an: „Ich bin… Sekretärin, Koch, eine liebende Mutter, oft schlecht gelaunt...“  Aber das ist nicht wahr, denn wir sind alle mehr als das. Wer sich selbst auf diese einseitige Weise definiert, vergisst viele andere Aspekte seiner selbst.

Niemand ist weder nur Sekretärin, noch ganztägig Koch, mehr Mutter als Frau oder immerzu mürrisch. Dies sind vielmehr nur spezielle Eigenschaften, die wir in unserem Leben zeitweise annehmen, die uns aber nicht definieren. Es ist sehr viel korrekter, zu sagen, dass man sich mit den Firmenkontakten beschäftige, oder dass man gutes Essen koche und sich so den Lebensunterhalt verdiene, versuche, eine gute Mutter zu sein, sich aber bei Gelegenheit auch mal miesepetrig verhalte.

Wir neigen also dazu, uns nicht vollständig darzustellen, als ob der eine oder andere Teil von uns wichtiger wäre.

Dr. Albert Ellis, der Vater der Rational-Emotiven Verhaltenstherapie (REVT) lehrte uns, dass man das Verb „haben“ dem Verb „sein“ vorziehen sollte, weil letzteres eine Wertung bestimmter Charakterzüge, Verhaltensweisen oder Tätigkeiten von Individuen beinhalte.

Und eine negative Bewertung seiner selbst schafft Frust. Natürlich wird derjenige, der seine Person als Ganzes mit weniger positiven Termini beschreibt, ein niedrigeres Selbstwertgefühl haben als jemand, der sich bewusst ist, dass er nicht perfekt ist, dass eine Haltung, Eigenschaft oder ein einziger Wesenszug ihn aber nicht als menschliches Wesen definiert.

Was definiert dich?

Die unbedingte Akzeptanz, wie Ellis hervorhob, verhindere, dass Menschen in die Falle, vergängliche Eigenschaften wie Physe, Ruhm, Erfolg, Geld oder Status überzubewerten, tappen. Im Gegenteil, Menschen müssen lernen, sich selbst bedingungslos und nur aufgrund der Tatsache, dass sie menschliche Wesen sind, zu lieben.

Nach Ellis besitzen alle menschlichen Wesen ungeachtet ihrer Eigenschaften oder Defizite denselben Wert, sofern man überhaupt davon sprechen kann, den Wert einer Person zu bemessen. Es gibt keine Regeln, nach denen dies erfolgen könnte, nur unglücklicherweise geht unsere Gesellschaft davon aus, dass bestimmte Personen mehr wert seien als andere, abhängig von bestimmten Fähigkeiten oder Qualitäten.

Dieser Gedanke führt zu nichts, außer zu völlig absurden Vergleichen mit anderen. Unser Selbstbewusstsein bricht zusammen, wenn es darauf aufbaut, was wir haben oder glauben zu haben oder auch nicht haben zu müssen… Wir könnten viele psychische Krankheiten auflisten, die ihre Ursache im Fehlen unbedingter Akzeptanz haben!

Stell dir vor, jemand wird mit einer anderen Person verglichen, die beruflich wesentlich erfolgreicher ist. Dabei ist das Leben so viel mehr als nur Karriere! Und dennoch führt ein solcher Vergleich beim „Verlierer“ nicht selten zu Gedanken wie: „Ich bin wertlos“, „ich werde es niemals schaffen“,  usw. Der Verlierer wird sich sehr unglücklich fühlen, ihre Motivation verlieren, aufzuhören, für das zu kämpfen, was sie möchte, und so weiter ihr Selbstwertgefühl zerrütten.

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Das passiert allerdings nicht, wenn derjenige sich selbst bedingungslos akzeptiert. Wenn sich die Gedanken der Person rationaler gestalten, dann klingen sie vielleicht eher so: „Ich habe das jetzt nicht erreicht, dafür habe ich aber andere Qualitäten“,  oder, „dass ein anderer mehr Erfolg hat, bedeutet nicht, dass ich nutzlos wäre. Denn mein Wert hängt nicht von meinem beruflichen Erfolg ab.“

Wenn du dich selbst schätzt, kannst du auch andere schätzen

Für die bedingungslose Akzeptanz deiner selbst musst du auch andere bedingungslos akzeptieren. Der Schlüssel ist, nicht zu bewerten oder den Wert der Person zu schmälern, wer auch immer sie ist: Jemand Unattraktives, jemand Cleveres, jemand, der berühmt ist, oder die arme Person von nebenan. Jeder hat denselben Wert.

Dies ist ein wichtiger Punkt, denn diese Erkenntnis führt dazu, dass sich die Beziehungen zu anderen Personen wesentlich verbessern. Wenn wir über andere weniger urteilen und nicht für das bewerten, was sie tun, werden wir diese Gewohnheit auch in Bezug auf uns selbst nicht annehmen und uns damit von einer enormen Last befreien.

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Hier sind ein paar Strategien, die du bezüglich anderer Menschen verfolgen kannst:

  • Weniger fordernd und nicht darauf aus sein, dass die andere Person sich ändert.
  • Vergeben und Verständnis dafür haben, dass wir alle manchmal Fehler machen.
  • Keine absoluten Urteile fällen, sondern nur spezielles Verhalten bewerten und gegebenenfalls kritisieren.
  • Lieben, weil andere ebenso wie du menschliche Wesen sind.

Diese Techniken fördern die bedingungslose Akzeptanz von anderen und deiner selbst; beide gehen Hand in Hand. Sie wird angenehme Gefühle in dir hervorrufen. Und vergiss nicht, dass das, was du bist, dich definiert, und nicht das, was du hast.

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Albert Ellis lehrt uns durch seine Rational-Emotive Therapie,
dass wir selbst die Inhaber unserer Gefühle sind… >>>Mehr