Suche keinen Wettstreit und vergleiche dich mit niemandem

· 1. Juli 2016

Suche keinen Wettstreit und vergleiche dich mit niemandem. Bewundere andere und lerne von ihnen, das ist der Ratschlag, den ich dir geben möchte. Laut einer Erzählung fand im Jahr 1709 im Palast des Kardinals Ottoboni ein musikalischer Wettkampf zwischen Georg Friedrich Händel und Demonico Scarlatti statt. Sie waren beide 24 Jahre alt – ihre einzigartigen Waffen waren der Notenschlüssel und eine Orgel.

Beide waren gleich gut, aber Händel konnte an der Orgel letztendlich mehr überzeugen. Die Rivalität zwischen beiden blieb bestehen, doch sie hörten niemals damit auf, sich zu bewundern. Scarlatti bekreuzigte sich aus Zeichen des Respekts jedes Mal, wenn Händels Name erwähnt wurde.

Die Anekdote von Händel und Scarlatti zeigt uns, das auch eine gewissen Rivalität zwischen zwei Musikern zulassen kann, dass beide Männer herausragende Arbeit leisten und durch gegenseitige Bewunderung noch besser werden. Das ist eine Frage der Selbstliebe und einer gewissen Bescheidenheit, andere für ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten zu bewundern und diese anzuerkennen.

„Die einzige Möglichkeit, im Leben weiterzukommen, ist, sich selbst treu zu bleiben und nicht das Bedürfnis zu verspüren, sich mit jemandem zu vergleichen.“

J.C. Cavallëro

Vergleiche dich mit niemandem, denn das hast du nicht nötig

In der heutigen Gesellschaft wird uns seit unserer Kindheit eingebläut, dass wir im Wettstreit mit anderen leben müssen. Es scheint so, als wäre es das Wichtigste, andere zu übertrumpfen und etwas immer besser zu machen. Nicht nur im Bereich des Sports, sondern in vielen Bereichen unseres Lebens treffen wir auf Wettbewerb: Wir kämpfen um einen Arbeitsplatz, um einen Aufstieg, darum, mehr Freunde zu haben oder bei irgendeiner Tätigkeit einer der Besten zu sein. Es werden immer wieder „Kämpfe“ ausgetragen, um zu erfahren, wer in irgendeinem Gebiet ganz oben auf dem Treppchen steht.

Wettstreit unter Kindern

Seit geraumer Zeit gibt es Studien darüber, die belegen, dass eine Zusammenarbeit bessere Resultate erzielt als ein Wettstreit. Denn eine Gruppe von Menschen, die zusammen und als Team arbeitet, kann mehr erreichen als eine einzelne Person. Aber um mit mehreren Menschen zusammenarbeiten zu können, müssen wir unser Ego unter Kontrolle haben, und das ist nicht immer leicht und verlangt uns Demut ab.

„Distanziere dich von Menschen, die dich in deinem Streben behindern wollen. Armselige Menschen machen so etwas immer wieder, aber die wirklich großartigen Menschen geben dir das Gefühl, dass auch du großartig sein kannst.“

Mark Twain

Man kann sogar mit sich selbst in Wettstreit treten. Damit ist gemeint, dass wir besser sein wollen als wir es sind, um uns zu übertreffen und unsere Ziele zu erreichen. Doch auch hier müssen wir vorsichtig vorgehen, weil ein übertriebener Wettkampf das Gefühl von Frustration zur Folge haben kann.

Wir haben diesen Irrglauben, dass wir anerkannt werden müssen, um geliebt zu werden, und wir denken, dass wir diese Anerkennung und diese Liebe erhalten, wenn wir in etwas die Besten sind. Doch damit liegen wir falsch, weil gewinnen nicht gleichzeitig auch bedeutet, dass wir Liebe gewinnen. Gewinnen ist etwas Vergängliches, aber was uns bleibt, ist das, was wir während unseres Kampfes und bei einem Erfolg lernen.

Daher gilt: Vergleiche dich mit niemandem und arbeite lieber mit jemandem zusammen. Und sei vorsichtig damit, einen Wettkampf mit dir selbst auszutragen, denn wenn dieser zu intensiv wird, verlierst du das Vertrauen in dich selbst und du wirst frustriert aus diesem Kampf herausgehen.

Der Vergleich und das Selbstwertgefühl

Ein Vergleich kann in einem bestimmten Moment unser Selbstwertgefühl steigern, doch die Art, wie wir das tun, ist oftmals daran schuld, dass dieser Vergleich auch Nebenwirkungen hat. Wenn das zur Angewohnheit wird, verlieren wir die Realität aus den Augen und die innere Motivation, die uns dieser Wettstreits geben will, wird zunichtegemacht.

Herz aus Gras

Wenn wir uns beispielsweise darauf versteifen, mehr Bücher als unser Arbeitskollege zu lesen und wir gern lesen, ist die Tatsache des Wettstreits und die förmliche Verpflichtung, ein Buch zu lesen, wahrscheinlich dafür verantwortlich, dass wir es verabscheuen werden, auch nur die erste Seite eines Buches aufzuschlagen. Vergiss niemals, dass du nicht mit jemandem in Wettstreit treten sollst, auch nicht mit deinen Liebsten, weil du sie schlimmstenfalls irgendwann hassen könntest.

Um uns nicht mit anderen zu vergleichen, weil uns das schadet, sollten wir auf jeden Fall unser Selbstwertgefühl steigern und verstehen, dass wir alle einzigartige und unterschiedliche Wesen sind, denn unsere Umstände sind alle verschieden. Sich darüber zu ärgern, dass jemand anders ein schöneres Haus als unseres oder einen besseren Arbeitsplatz hat, hat nur zur Folge, dass wir die Perspektive verlieren. In unserem Leben haben wir unsere Ziele und diese beruhen darauf, was wir wollen, und nicht darauf, was andere Menschen geschafft haben.

Wenn wir auf eine angemessene Art und Weise mit unserem Selbstwertgefühl umgehen, können wir das Positive an einem Wettstreit erkennen und diese gewinnbringende Motivation für die Erfüllung unserer Aufgaben und die Erkenntnis dessen nutzen, was uns überhaupt nicht zusagt. Jedoch dürfen wir damit nicht leichtsinnig sein, denn ob es ein positiver oder negativer Vergleich ist, ist eine Gratwanderung. Und außerdem ist es gar nicht notwendig, diese Gratwanderung zu machen, wenn wir unseren extremen Perfektionismus erst einmal besiegt haben.

„Ein Vogel, der sich auf einem Baum ausruht, hat niemals Angst davor, dass ein Zweig bricht, weil er nicht dem Zweig vertraut, sondern seinen eigenen Flügeln.“

Adah Vigo