Ich mag Menschen, die Erfolg ausstrahlen

· 4. Juli 2017

Mutige und bescheidene Menschen sind sehr faszinierend. Menschen, die nicht so einfach aufgeben, die genau wissen, was sie im Leben erreichen wollen, und darauf hinarbeiten, egal wie hoch die Hürden sind, sind sehr anziehend. Wir finden Menschen, die niemals aufgeben, sehr attraktiv, weil wir wissen, dass sie gelernt haben, sich selbst zu lieben.

Auch wenn es viel wert sein kann, Freunde und Verwandte dieser Art und mit dieser Einstellung zu haben, ist es viel wichtiger, dass wir uns selbst in solche Menschen verwandeln, in Personen, die Erfolg ausstrahlen. Allerdings sollten wir wissen, dass jemand der Erfolg ausstrahlt, sich in den Augen vieler des Narzissmus schuldig macht. Auf den Zusammenhang zwischen Erfolg und Narzissmus werden wir im Verlauf dieses Artikels aber noch eingehen.

„Wenn du nicht einmal dich selbst liebst… was kannst du dann jemals erreichen?“

Walter Riso

Sich selbst zu lieben ist wahrscheinlich die reichhaltigste Quelle psychischen Wohlergehens, die es gibt. Selbstliebe ist nicht weniger als eine Garantie für unser Überleben, sowohl physisch als auch emotional. Ein gesundes Vertrauen in uns selbst erlaubt es uns, Schwankungen und Unsicherheiten in unserem Leben und in dieser Gesellschaft, die mindestens genauso widersprüchlich ist wie wir selbst, zu konfrontieren.

Nichtsdestotrotz empfinden wir es als übertrieben oder nicht angebracht, seine Überzeugung immer und überall mitzuteilen. In dieser Hinsicht riskieren wir als Pedanten, Egoisten und eben Narzissten angesehen zu werden.

Wir sind der Überzeugung, dass es gut und notwendig ist, altruistisch, vornehm und bescheiden zu sein, aber um psychisch gesund zu bleiben, müssen wir auch in Bereiche investieren, die oft vernachlässigt werden: Respekt gegenüber der eigenen Person, Selbstvertrauen und Würde – sie bilden ein stabiles Fundament für die Selbstliebe.

Gesunder Narzissmus

Das Wort „Narzissmus“ ruft in uns sofort ein Gefühl der Ablehnung hervor. Was, wenn wir dir zeigen könnten, dass es auch eine gesunde Variante des Narzissmus gibt, die wir alle brauchen? Auch wenn es sich komisch anhört, jeder von uns kommt mit dem Grundbedürfnis nach Eigenliebe auf die Welt. Diese ist genetisch vorprogrammiert, aber im Laufe unseres Lebens verleugnen wir sie, da wir uns für sie schämen.

Um dies besser zu verstehen, müssen wir lediglich an Babys denken, oder an kleine Kinder. Ihr Verhalten ist von einem gewissen Narzissmus geprägt, mithilfe dessen sie versuchen, ihre körperlichen und emotionalen Grundbedürfnisse zu befriedigen. Sie tun dies nicht aus Egoismus, sondern zunächst, um zu überleben, und dann, weil es ein Teil ihrer psychologischen und sozialen Frühentwicklung ist.

Danach entwickelt sich Kinder in eine von drei Richtungen:

  • Die gesündeste Entwicklung nimmt das Kind, das einen Weg gefunden hat, einen gesunden Narzissmus zu entwickeln, und das verstanden hat, dass es existenziell für sein Überleben ist, sich selbst zu lieben. Anstatt ständig die Aufmerksamkeit und Bestätigung anderer zu fordern, um sich wertgeschätzt zu fühlen, hat es es geschafft, ein starkes Selbstbewusstsein zu entwickeln, das es ihm erlaubt, in seine eigenen Fähigkeiten zu vertrauen, mutig zu handeln und überzeugt zu sein, dass es verdient, was es erreichen will.
  • Die Interaktion mit seinem Umfeld kann das Kind aber auch lehren, dass es unwürdig ist, Liebe von anderen zu erhalten. Seine emotionalen Bedürfnisse werden nicht befriedigt und nach und nach fällt es in eine Spirale der Destruktion seines Selbstbewusstseins. Da andere es offensichtlich nicht lieben, kann es auch sich selbst nicht lieben.
  • Auch der dritte Weg führt ins Unglück. Es handelt sich hier um übertriebenen Narzissmus, bei dem das Kind ein extremes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Lob von Erwachsenen entwickelt. Es braucht diesen anhaltenden und ständigen Antrieb von außen, um sich bestätigt zu fühlen und Kraft zu tanken. Nach und nach verwandelt sich dies in sein größtes Bedürfnis: Es muss immer im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen und seine einzige Sorge ist es selbst.

Menschen, die sich selbst lieben, erreichen, was sie wollen

Menschen, die Erfolg ausstrahlen, sind weder zwangsläufig Egoisten noch Narzissten. Gewöhnlich verhalten sie sich diskret. Sie erzählen nicht dem Erstbesten von ihren Plänen und ihnen stehen ihre Fähigkeiten und Tugenden auch nicht auf die Stirn geschrieben, wie das bei wahren Narzissten der Fall ist.

„Es gibt etwas noch Schlimmeres als Tod und Leid: den Mangel an Selbstliebe.“

Sándor Márai

Menschen mit großem Selbstbewusstsein, die sich auf gesunde Weise selbst lieben, haben in ihrem Leben Erfolg, ohne dabei Lärm zu machen und die Aufmerksamkeit anderer auf sich zu ziehen. Sie halten ihren Blick immer auf die Zukunft gerichtet, um ihre Ziele zu erreichen, egal was andere denken, sagen oder tun.

Neurowissenschaftler haben herausgefunden, dass wir unsere Lebensziele im orbitofrontalen Kortex entwickeln. Dieser Teil des Gehirns ist sehr stark mit der emotionalen Ebene verknüpft und ein hoher Entwicklungsstand desselben steht im Zusammenhang mit einer starken Persönlichkeit, die sich durch Gewohnheit, Beständigkeit und persönlicher Anstrengung auszeichnet.

All das zeigt uns wieder einmal, dass am Ende des Tages nur diejenigen mit einer starken Persönlichkeit, diejenigen, die sich selbst lieben, den Himmel berühren können… Ihnen ist es egal, was andere sagen, denn ihre Energie speisen sie aus ihrem Inneren, das wir hüten müssen wie ein Tagebuch.