Wieso ist Sport gut für die Psyche?

5. Juni 2018 en Psychologie 0 Geteilt
Warum ist Sport gut für die Psyche? - Gehirn hebt Hanteln

Viele Ratgeber, die uns dabei helfen möchten, unseren Lebensstandard zu verbessern, sowohl auf physischer als auch auf psychischer Ebene, empfehlen uns dazu, bestimmten Richtlinien zu folgen. Es handelt sich dabei um Strategien und Techniken, die leicht ausfindig zu machen sind und deren Wirksamkeit sogar bewiesen ist, die aber nicht so leicht in unseren Alltag einzubauen sind. Denn dafür müssen wir unsere Routine durchbrechen. Eine Routine, der wir uns für gewöhnlich aus Trägheit hingeben.

Was zu empfehlen ist, ist, Sport zu treiben. Doch inwiefern ist Sport gut für die Psyche? Wieso sollten wir Platz in unserem Terminkalender schaffen, um sportlich aktiv zu werden? Wieso ist es besser, Sport zu treiben, anstatt einfach nur nach Hause zu kommen, daheim für Ordnung zu sorgen, das Essen zu machen und uns auszuruhen? Es erscheint nicht gerade verlockend, durch den Park zu joggen, wenn es draußen regnet und der Wind geht, oder eben indoor aktiv zu werden, wenn sich im Fitnessstudio Unmengen an Menschen häufen und die Luft dort derart stickig ist, dass wir uns einfach nicht an sie gewöhnen können.

In diesem Artikel werden wir versuchen, Antworten auf diese Fragen und auf noch eine weitere zu finden.

Sport schützt unsere Zellen

Unser Geist scheint etwas Abstraktes zu sein, wie der Dirigent eines Orchesters, und im Konzept trennen wir ihn meist vom Körper, so als wäre er aus einem anderen Stoff gemacht. Wir sprechen von körperlicher Erschöpfung und von mentaler Erschöpfung, so als wären beide getrennt voneinander zu betrachten. Doch das entspricht nicht der Wahrheit.

Wenn wir Sport treiben, passiert etwas sehr Interessantes: Die Zellen unseres Körpers werden besser mit Sauerstoff versorgt. Wenn wir Sport treiben, ist das also so, als würden wir unseren Körper lüften, so wie wir es jeden Morgen mit unserem Zuhause machen. Der Knackpunkt ist, dass uns das im Sommer nicht so schwerfällt. Aber im Winter sieht es ganz anders aus – mit Körper und Wohnzimmer. Wir gehen nicht gern durch die kalte Luft, egal ob drinnen oder draußen.

Es gibt Tage, an denen unser Körper von diesem Gefühl begeistert ist, dass unser Motor auf höherer Drehzahl läuft, unser Herz also schneller schlägt – wie wenn wir im Sommer lüften – und andere Male wiederum fühlen wir uns wahnsinnig träge. Zum Beispiel wenn wir an einem Tag mehr als normal gearbeitet, lange gestanden oder nicht genug Schlaf bekommen haben – wie wenn wir im Winter lüften. Doch wie fühlen wir uns, wenn wir dann doch noch Sport gemacht machen? Wesentlich besser!

Frau zieht sich einen Laufschuh an

Sport verbindet Körper und Geist miteinander

Wir haben bereits gesagt, dass die Zellen unseres Nervensystems sehr dankbar dafür sind, wenn wir uns aufraffen und unseren Körper ein bisschen bewegen sowie ein paar Kalorien verbrennen, wenn wir etwas joggen, seilspringen, radfahren oder spazieren gehen. Sport ist für dieses Körper-Geist-Binom höchst vorteilhaft, was auf der Kommunikation zwischen beiden beruht. Es ist schon eigenartig, aber wenn wir mit einem aktiven Sportler reden, der zur Zeit verletzt ist, und wir ihn fragen, was er am meisten vermisst, antwortet er vielleicht, dass ihm die Verbindung zu seinem Körper fehle.

Wenn ein Sportler eine oder zwei Wochen lang keinen Sport machen kann, kann es gut sein, dass er das Gefühl entwickelt, dass sein Körper nicht mehr mit ihm spreche oder das nur tue, indem er Schmerz vermittele. Die Informationen, die er sonst regelmäßig von seinem Körper erhält, werden nur noch in geringem Maß übermittelt. Wenn wir Sport treiben, lassen wir Körper und Geist also miteinander kommunizieren.

Uns muss nicht erst etwas wehtun, damit wir erkennen, ob wir mehr oder weniger Energie haben. Andererseits ist das ein Gefühl, das man Menschen nur schwer erklären kann, die sich nicht körperlich betätigen und seit Jahren keinen Sport gemacht haben. Sie erinnern sich nicht daran, wie es sich anfühlt, mit dem eigenen Körper in Kontakt zu treten und deshalb vermissen sie es auch nicht.

Diese Kommunikation zu stärken lohnt sich aber alle Mal.

Sport verbessert unser Sozialleben und wir bekommen dadurch Zeit nur für uns

Es gibt noch zwei weitere Gründe, warum Sport gut für die Psyche ist. Einer hat mit unserem Sozialleben zu tun. Sei es eine Einzelsportart oder ein Mannschaftssport, es ist Fakt, dass wir dadurch Menschen kennenlernen, die sich in einer ähnlichen Situation wie wir befinden. Menschen aus Fleisch und Blut, die sich nicht hinter einem Bildschirm verbergen, die uns motivieren können, mithilfe von Sport Ziele zu verfolgen, und die zweifellos den Personenkreis, der uns sozial unterstützt, erweitern.

Der zweite Aspekt hat mit einer anderen Tatsache zu tun: Wenn wir Sport machen, widmen wir uns selbst Zeit. Zeit, in der wir nachdenken oder uns einfach frei von Sorgen machen können. Während dieser Zeit denken wir nicht daran, dass wir irgendwo hin müssten, dass uns das Essen anbrennen könnte oder irgendeine unserer Verhaltensweisen jemandem missfallen oder unserem Ruf schaden könnte. Daher hat Sport oftmals eine befreiende Wirkung. Wir laden unseren mentalen Akku wieder auf und verbinden uns mit uns selbst.

Darüber hinaus tut es unserer Psyche einfach gut, wenn wir uns bewegen. Es ist so gut wie unmöglich, dass wir Sport machen und uns nicht im Einklang mit dem Menschen fühlen, der wir sind oder gern sein möchten, und dem, was wir tun. Es gibt keine Bedrohungen, nur Herausforderungen. Zum Beispiel die Herausforderung, einen Korb zu werfen oder ein bisschen schneller zu joggen. Mit der Übung wird die Herausforderung machbarer – aber neue Ziele sind dann schon gesetzt. Unser Geist ist in jedem Fall dankbar für diese befreiende Aktion.

Frau macht Yoga bei Sonnenuntergang

Sport, Disziplin, Glaube und Gefühle

Ein indirekter Vorteil von Sport ist die damit einhergehende Ordnung und Disziplin. Regelmäßig Sport zu treiben, ruft in uns ein Gefühl von Beständigkeit hervor, wodurch wir uns gut fühlen. Aussagen, wie „Ich bin dazu imstande, das durchzuziehen, was ich mir vornehme“,  stärken unser Selbstwertgefühl und helfen uns auch beim Erreichen anderer Ziele.

Das Gegenteil können wir bei vielen Menschen beobachten, die keine Disziplin haben. Wir können anhand dessen, was sie sagen, darauf schließen. Sie machen keine Pläne, weil sie nicht daran glauben, dass sie sie einhalten könnten. Sie machen sich häufig Vorwürfe, da aufgrund mangelnder Planung und Disziplin viele ihrer Entscheidungen zufällig und damit suboptimal ausfallen. Es gibt nur wenige Aktivitäten, die besser als Sport sind, um an Selbstvertrauen zu gewinnen.

Das sind ganz schön viele Vorteile. Aber es gibt noch mehr! Als nächstes möchten wir einen der wichtigsten Aspekte hervorheben: den emotionalen Ausgleich. Sport hilft uns dabei, auf positive Weise überschüssige Energie loszuwerden, die fast alle von uns in uns haben, weil wir mehr Kalorien zu uns nehmen, als wir verbrauchen. Ein Körper, der ausgepowert ist, gibt uns einen größeren Spielraum, um an unseren Gefühlen zu arbeiten. Wenn wir beispielsweise in eine Situation kommen, die uns wütend macht, gehen wir als Sportler weniger schnell an die Decke. Das hat damit zu tun, dass Sportler eine niedrigere Herzfrequenz haben und weniger angespannt sind, weshalb sie einen größeren Impuls brauchen, um auf die gleiche Weise aktiviert zu werden wie derjenige, der sich nicht bewegt.

Wir enutzen die Information des verspürten Gefühls auf intelligentere Weise, lassen uns nicht mehr von unserer Energie treiben, was zur Folge hat, dass wir kein Verhalten an den Tag legen, das wir später bereuen. So begünstigt Sport die Selbstkontrolle und trägt dazu bei, den Schlaf zu regulieren, wenn die sportliche Aktivität richtig in den Tagesablauf integriert wird. Das gilt übrigens für Kinder und Erwachsene.

Alle diese Argumente machen Lust auf Sport, oder?

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