Wie wir innere Stille in einer lauten Welt finden

· 12. April 2019

Die innere Stille ist ein uraltes Konzept, das heute wieder mehr Beachtung findet. Um zu verstehen, worum es eigentlich geht, wollen wir zunächst über den ständigen Lärm in der Welt nachdenken. Es sind nicht nur die lauten Geräusche damit gemeint, die wir täglich in der Stadt hören. Es sind auch die vielen anderen Elemente, die unseren Frieden verhindern.

Da gibt es sowohl die innere als auch die äußere Stille. Letzteres ist die Abwesenheit von Geräuschen, der herrliche Zustand, in dem jeglicher Lärm verschwindet. Innere Stille hingegen ist der subjektive Zustand, in dem keine Elemente vorhanden sind, die unsere Ruhe stören.

Beide, die innere Stille und auch die äußere Stille, wirken sich positiv auf das Gehirn aus. Die Abwesenheit von Geräuschen und belastenden Reizen fördert eine einzigartige Art der Entspannung. Dieses Fehlen von Klängen belebt, klärt den Geist und mildert unsere Emotionen. Es gibt nichts Schöneres als die Stille, um uns selbst zu erneuern.

„Sämtliche Probleme der Menschheit rühren von der Unfähigkeit des Menschen her, allein in einem Raum zu sitzen.“

Blaise Pascal

Die innere Stille und der Kontakt mit uns selbst

Wir Menschen müssen uns Tag für Tag den unendlichen Reizen stellen, denen wir immerzu ausgesetzt sind. Das Besorgniserregendste dabei ist, dass ein guter Teil dieser Reize ein Gefühl der Dringlichkeit vermittelt und uns unter Druck setzt. Noch bevor wir morgens aufstehen, haben wir schon tausend Dinge im Kopf, um die wir uns Sorgen machen müssen.

Mann, der eine Tür im Meer betrachtet

Außerdem stiehlt die Technologie einen Großteil unserer Zeit, vielleicht aufgrund unserer Arbeit oder weil wir eine Social-Media-Sucht entwickelt haben. Soziale Medien schaffen Räume, in denen Kontakte geknüpft und kommuniziert werden kann. Leider spüren wir ständig den Drang, sie auf neue Inhalte und Nachrichten zu überprüfen.

In solchen Situationen ist es praktisch unmöglich, einen gesunden Kontakt zu uns selbst herzustellen. Denn um dies zu erreichen, müssten wir einen Raum für innere Stille schaffen, was wiederum bedeutet, dass wir die Intensität der Umweltreize so weit wie möglich verringern und uns Zeit nehmen müssten, um zu unseren eigenen Gedanken und Emotionen zurückzukehren und mit ihnen umzugehen. Und das können wir nicht, während wir uns über das Leben anderer „informieren“.

In einer lauten Welt leben

Innere und äußere Stille sind eng miteinander verbunden. Heutzutage sind wir mehr Reizen ausgesetzt als noch vor einigen Jahrzehnten. Außengeräusche fordern ständig unsere Aufmerksamkeit. Eine laute Sirene, ein lauter Motor oder das Geräusch einer neuen Nachricht auf unserem Handy. Das passiert alles viel zu oft. Zeit für Ruhe gibt es kaum.

Eine Frau sitzt mit einem Regenschirm am Meer.

Manchmal haben wir das Gefühl, wir sollten weglaufen, dahin, wo es keine Geräusche gibt. Diese Orte empfinden wir als friedlich. Es ist jedoch nicht immer möglich, aufgrund unserer täglichen Verantwortlichkeiten etwas Zeit für uns selbst einzuplanen.

Dabei müssen wir gar nicht mit Yoga oder Meditation beginnen, auch wenn das sicher eine gute Idee wäre. Wir müssen nur eines tun: die Reize reduzieren, denen wir ausgesetzt sind. Hören wir auf, uns selbst zu verpflichten, alles zu tun, was uns die Gesellschaft auferlegt, und beschränken wir uns auf das Wesentliche.

Zuhören und mit uns selbst in Kontakt treten

Wenn wir keine Momente der inneren Stille schaffen, neigen wir dazu, angespannt zu sein. Und mit der Zeit verwandelt sich diese Spannung in Leiden. Wir haben dann Schmerzen, und so können wir auf Dauer nicht leben. Um aus diesem Zustand herauszukommen, müssen wir lernen, uns selbst Grenzen zu setzen und sowohl die Reize um uns herum als auch die unnötigen Verpflichtungen, die wir uns aufzwingen, zu kontrollieren.

Eine der Grenzen, die wir in dieser Welt setzen müssen, betrifft die Technologie. Wir verbringen zu viel Zeit online, prüfen ständig unsere E-Mails und andere Nachrichten. Wir denken, dass diese Dinge wichtig seien. Das sind sie aber nicht. Sie stehlen uns wertvolle Momente und erlauben uns nicht, dass wir uns selbst zuhören.

Mädchen liegt mit Telefon im Bett

Es ist nicht verkehrt, einmal darüber nachzudenken, was das tatsächliche Gewinn durch die sozialen Medien in unserem Leben ist. Vielleicht finden wir wenig oder gar keine Pluspunkte, was uns motivieren kann, sie nicht mehr so oft auf neue Nachrichten zu überprüfen.

Innere Stille hilft dabei, zu verstehen, was unser Körper uns sagt: zu Beschwerden, Schmerzen, Vergnügen. Wir brauchen diese Stille, um uns neu zu entdecken und unsere Gedanken und Gefühle gegenüber dem Leben zu erkennen. Innere Stille ist ein Geschenk, das wir uns selbst nicht verwehren sollten.