Wie verarbeitet das Gehirn Emoticons?

31. Mai 2017 en Psychologie 38 Geteilt

Unsere Art, zu kommunizieren, wandelt sich mit schwindelerregender Geschwindigkeit. Es fühlt sich ein bisschen an, als würde unser Auto vom Technologiezug abgeschleppt werden, der zuerst nützlich war, dann notwendig und nun manchmal geradezu tyrannisch ist. Wir schreiben jetzt Leuten, die weit entfernt von uns sind oder verschönern die Schutzhülle, in die sich unsere Profile in den sozialen Netzwerken verwandelt haben. Um die Grenzen der schriftlichen Kommunikation wettzumachen, benutzen wir Emoticons.

Was tun Emoticons? Im Allgemeinen simulieren sie ein Gesicht und begleiten eine Nachricht, sodass sie richtig verstanden werden kann. „Hallo, wie geht es dir 😊 ♥“ ist nicht das Gleiche wie „Hallo, wie geht es dir?“ Emoticons sind tatsächlich unsere Rettung, weil schriftliche Kommunikation in der Regel ernst ist und wir sie so interpretieren. Wenn uns eine Nachricht erreicht, die nicht von einem Emoticon begleitet wird, ist es nicht unüblich, dass wir glauben, die andere Person sei verärgert. Und wenn man schreibt, ohne Emoticons zu verwenden, hat man manchmal das Gefühl, dass die Nachricht zwar alle Informationen enthält, aber die Botschaft trotzdem nicht vollständig ist.

Der Ursprung und die Bedeutung von Emoticons

Emoticons zeigen Emotionen an. Das erste Emoticon stammt aus dem Jahre 1982 und wurde von dem Autor und Computeringenieur Scott Fahlman benutzt. Er nutzte es auf sehr ähnliche Weise wie wir es heute tun, nämlich in Foren, um den Unterschied zwischen Nachrichten in einem ironischen oder fröhlichen Tonfall und ernsthaften Mitteilungen zu verdeutlichen.

Seitdem hat sich die Nutzung von Emoticons so stark entwickelt, dass das Oxford Englisch-Wörderbuch (Oxford English Dictionary) im Jahr 2015 ein Emoticon, genauer gesagt jenes, das vor Lachen weint, zum Wort des Jahres kürte. Vielleicht war diese Entscheidung nicht ganz ernst gemeint, aber sie zeigt auf, wie diese Form, sich auszudrücken, schon ein natürlicher Bestandteil unserer Kommunikation geworden ist.

Vielleicht benutzen wir sie nicht mehr in Foren, aber genau wie Scott Fahlman bedienen wir uns weiterhin der Smileys, um unsere Nachrichten freundlicher erscheinen zu lassen oder um auf eine lustige Nachricht zu reagieren. Das klassische „hahaha“ wird es wohl schon bald gar nicht mehr geben, weil Emoticons unsere tatsächliche Mimik besser darstellen als eine Reihe von Buchstaben.

Wie verarbeiten wir Emoticons?

Immer, wenn eine neue Form der Kommunikation entsteht, bedeutet das auch eine neue Herausforderung für die Wissenschaft: zu verstehen, was diese neue Methode für Auswirkungen auf uns hat. Eine Studie von Yuasa, Saito und Mukawa aus dem Jahr 2006, die die Gehirnaktivität der Studienteilnehmer untersuchten, zeigte, dass Emoticons nicht als Gesichter wahrgenommen werden. Das heißt, der rechte Gyrus fusiformis, der normalerweise bei der Gesichtserkennung aktiviert wird, zeigte im Zusammenhang mit dem Erkennen von Emoticons keine Aktivität. Das ist allerdings nicht das wichtigste Resultat. Wichtig ist, dass wir jedes Emoticon – zumindest die bekanntesten – mit jeweils unterschiedlichen Emotionen assoziieren. Deshalb erfüllen sie Forschern zufolge ihren Zweck sehr gut.

In einer späteren Studie aus dem Jahr 2014 kamen Churches, Nicholls, Thiessen, Kohler und Keage zu einem anderen Schluss und gaben an, dass Gesichter und Emoticons genau die gleichen Bereiche im Gehirn aktivieren. Alle diese Bereiche liegen im okzipito-temporalen Kortex.

Es scheint, als hätten wir durch unsere Fähigkeit zum assoziativen Lernen eine Verbindung zwischen Emoticons und den Emotionen, die sie zu repräsentieren gedacht sind, geschaffen. Dank dieser Verbindung und der Technologie scheinen diese kleinen Bilder, die es sogar schon als Stofftiere gibt, dauerhaft in unseren Umgang miteinander Einzug gefunden zu haben.

Emoticons und Persönlichkeit

Die Forschung zu Emoticons steckt noch in den Kinderschuhen. Beispielsweise könnte man die Frage stellen, ob die Emoticons, die wir verwenden, über den direkten kommunikativen Kontext hinaus etwas über unsere Persönlichkeit aussagen.

Einer kleinen Studie zufolge, die der Publizist Daniel Brill durchgeführt hat, zeigt der ständige Gebrauch des Gesichts, das vor Lachen weint, eine extrem scherzhafte Persönlichkeit an, das mit Zähnen lächelnde hingegen eine defensive Persönlichkeit, und der exzessive Gebrauch eines Tieres, wie etwa des Tintenfischs, ist ein Anzeichen für jemanden, der ein Problem hat, mit anderen Menschen zurechtzukommen.

Diese Beobachtungen dienen nur der Befriedigung unserer Neugier, da die Studie zu viele Einschränkungen hatte, als dass man die Ergebnisse als zuverlässig ansehen könnte. Aber sie ebnet auch den Weg in ein noch weitgehend unbekanntes Gebiet, das erforscht werden will. Wenn etwas aus diesen Studien hervorgeht, dann, dass Emoticons gekommen sind, um zu bleiben.

Auch interessant