Lernen ist ein Geschenk, selbst wenn der Lehrer Schmerz heißt

· 1. November 2016

Alles, was wir tun, hat ein doppeltes Ziel: Einerseits soll man den Moment, sei er gut oder auch schlecht, erleben, und anderseits alles nur Mögliche aus dieser Erfahrung lernen. Deshalb kann Lernen immer als ein Geschenk betrachtet werden, auch wenn unser Lehrer oft der Schmerz ist.

Wir lernen immer aus dem, was wir erfahren, was uns überrascht und bei uns genug Aufmerksamkeit erregt. Wenn dem nicht so wäre, würden wir Vieles einfach schnell vergessen, und würden auch die schönen Erinnerungen nicht behalten, genauso wenig wie die Lehren, die wir aus den härtesten Momenten gezogen haben.

Der Schmerz als Lehrer

Der Schmerz kommt in der Regel mit der gleichen Kraft, mit der einige Momente zuvor das Glück gekommen ist: Und dieses Glück wurde vielleicht von demselben Umstand hervorgerufen, der uns jetzt so viel Schmerz verursacht. Der Schmerz folgt auf das Glück, bei Geschichten, die zu Ende gehen, bei Leben, die auseinanderdriften, bei Krankheiten, die uns zu einem Sklaven unseres Körpers machen.

„Im Schmerz steckt genauso viel Weisheit wie im Genuss: Beides sind die großen, die Spezies erhaltenden Kräfte“.

Friedrich Wilhelm Nietzsche

sitzende-frau-mit-schmerzen

Der Schmerz ist also ein Meister, weil er immer auch mit der Sicherheit einhergeht, dass etwas hinter uns liegt, was seinen Wert gehabt hatte: Es ist der Vorraum für neue Freuden, in dem wir das mehr wertschätzen, verstehen und schützen, was wir haben.

Lernen ist immer ein Geschenk, selbst wenn es aus mit Schmerz verbunden ist, der unendlich und unerträglich erscheint. Dies trifft in dem Sinne zu, dass er uns dabei hilft, zu besseren Menschen zu werden und uns darüber bewusst zu werden, dass wir nach dem Aufstieg auf den Gipfel des Erfolges auch wieder hinabsteigen müssen, um einen neuen Gipfel anzustreben.

Aus dem Schmerz lernen und dem Leid aus dem Weg gehen

Neben dem bereits Gesagten bedeutet vom Schmerz lernen auch, zu verstehen, dass es einen großen Unterschied gibt zwischen dem, was wir unfreiwillig empfinden, wenn uns etwas verletzt, und dem Schmerz, bei dem wir zulassen, dass er sich über längere Zeit in uns festsetzt und sich in Leiden verwandelt.

„So wird eine Wunde geheilt: Sie fängt an, sich über sich selbst zu schließen, dass zu schützen, was so sehr schmerzt, und ist sie einmal geschlossen, siehst du nicht mehr, was unter ihr liegt: das, was den Schmerz erzeugt hat.“
Amy Tan

In anderen Worten wurde hier gesagt, dass Schmerz zwar unvermeidbar ist, das Leiden hingegen aber optional. Der Schmerz ist nützlich, weil er uns hilft, neuen Realitäten zu begegnen und stärker zu werden. Leiden jedoch ist unnütz: Es ist anzustreben, sich von ihm zu befreien, uns zu heilen und weiterzugehen.

Dem Schmerz Grenzen zu setzen ist also eine Notwendigkeit: Den Punkt markieren, an dem man schließlich keine andere Option mehr hat, als wieder nach vorn zu blicken. Wenn das „Warum passiert mir das alles?“  seine Zeit hatte, dann kommt der Moment, neue Fragen zu stellen und zu lernen, dass es schlicht und einfach Dinge gibt, die nicht mehr zu ändern sind.

Lernen, dass es ein Leben vor und ein Leben nach dem Schmerz gibt

Sicher ist, dass der Schmerz manchmal so groß sein kann, dass das Lernen enorme Veränderungen in uns mit sich bringt: Die Schicksalsschläge leiten unsere Existenz und erinnern uns daran, dass es ein Leben vor und nach ihnen geben muss.

frau-streift-durch-wiese

Der Schaden bleibt zwar bestehen, aber ausschließlich in Form eines Erlebnisses und Werkzeuges, um mit neuen Abenteuern zurechtzukommen. Denn das Leben ist ein Abenteuer, was große Erfolge braucht. Einer der größten Erfolge ist es, den Schmerz zu verstehen und aus ihm zu lernen.

Der Schmerz ist ganz sicher ein Lehrer, denn durch ihn sehen wir die Größe des Davors und die Wichtigkeit des Danachs. Wir treten aus ihm hervor wie jemand, der seine Orientierung verloren hat, nachdem er in eine Wolke getreten ist, in der man die Hand vor Augen nicht erkennt, um nun plötzlich wieder klar zu sehen und sich lebendig zu fühlen.

„Und wenn der Sandsturm vorbei ist, wirst du nicht verstehen, wie du nur lebendig durch ihn durchgekommen bist. Und so kommt es, dass die Person, die aus einem Sturm hervorgeht, nicht mehr dieselbe ist, wie die, die in ihn eingetreten ist.“
Murakami

Wenn wir vom Schmerz lernen, können wir uns selbst fühlen und danach wird uns plötzlich klar, was wir alles gewesen sind, aber nicht gewusst haben; wir beobachten, was da gewesen ist, was wir aber nicht gesehen haben; wir verstehen, dass der Schmerz uns beibringt, zurückzuschauen, nur um so einen Impuls nach vorn erschaffen.

Die vier Arten der für uns so schmerzlichen Trauer
Wir Menschen leben unser Leben, in dem wir uns emotional an andere binden.
Wenn uns nahestehende Personen dann verlassen… >>>Mehr