Wie unsere erste Liebe unser Gehirn beeinflusst

Erinnerst du dich an deine erste Liebe? Denkst du noch immer gerne an die intensiven Gefühle und die Schmetterlinge im Bauch zurück? Wir erklären dir, warum der erste Kuss tiefe Spuren im Gehirn hinterlässt.
Wie unsere erste Liebe unser Gehirn beeinflusst
Valeria Sabater

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Valeria Sabater.

Letzte Aktualisierung: 20. Januar 2023

Die erste Liebe ist besonders intensiv und aufregend. Sie hinterlässt meistens tiefe Spuren und prägt uns, auch wenn sie nur von kurzer Dauer ist. Wir sind unerfahren, machen Fehler, es gibt oft Tränen und Enttäuschungen, doch trotzdem erinnern wir uns melancholisch an die Schmetterlinge im Bauch und an den ersten Kuss.

Diese Erfahrung veranlasst uns dazu, Teenagern nach einer enttäuschten Liebe Ratschläge zu geben: “Mach dir keine Sorgen, du hast das ganze Leben vor dir.” Wissenschaftler wissen jedoch, dass die ersten Enttäuschungen besonders schmerzhaft sind. Wir haben in diesem jungen Alter noch keine Erfahrungen, die mit einem gebrochenen Herzen vergleichbar sind. Es fühlt sich an wie das Ende der Welt, die schlimmste Tragödie.

Doch wir dürfen die erste Liebe nicht unterschätzen oder verharmlosen, sie beeinflusst unser Gehirn auf verschiedene Arten. Lies weiter, um mehr über dieses spannende Thema zu erfahren.

Die Gefühle, die wir bei unserer ersten Liebe erleben, bilden ein Gehirnmodell für zukünftige Beziehungen.

Wie unsere erste Liebe unser Gehirn beeinflusst
Alle ersten Erfahrungen, die wir zwischen dem 15. und 26. Lebensjahr machen, legen laut Experten einen Grundstein in unserem Gedächtnis.

Die erste Liebe und die Entwicklung des Gehirns

Was ist Liebe für dich? Denke darüber nach, doch vergiss nicht, dass deine Gedanken von den Erfahrungen mit deiner ersten Liebe beeinflusst werden. Jene Person, die dein Verlangen, deine Zärtlichkeit und deine Leidenschaft zum ersten Mal in dir weckte, hat dein Gehirn für den Rest deines Lebens beeinflusst. Eine Studie der Southwest China University erklärt, dass die Neurobiologie der Liebe ungeheuer komplex ist und unter anderem die Belohnungs- und Dopaminnetzwerke, die Amygdala, den Nucleus Accumbens und den präfrontalen Cortex aktiviert.

Dieser neurochemische Sturm kann sehr intensiv, turbulent und chaotisch sein. Tatsächlich erinnern uns Persönlichkeiten wie die Anthropologin Helen Fisher daran, dass Liebe wie eine Sucht ist. Dies kann erklären, warum Jugendliche, deren Gehirn noch nicht voll entwickelt ist, die erste Liebe so intensiv erleben. Sie ist nicht nur eine bleibende Erinnerung, sondern die Grundlage dafür, wie wir Beziehungen in unserem weiteren Leben verstehen.

Wenn wir 14, 15 oder 16 Jahre alt sind, erleben wir die erste Liebe sehr intensiv. Sie hinterlässt tiefe Spuren und prägt zukünftige Beziehungen.

Die erste Liebe dient als Maßstab für spätere Beziehungen

Die Art und Weise, wie wir unsere affektiven Beziehungen und Bindungen zu anderen erleben, basiert auf drei Szenarien: Die Familie und die Modelle, die wir zu Hause sehen, prägen uns sehr stark. Besonders wichtig ist, wie sich unsere Eltern gegenseitig behandeln und Zuneigung schenken. Sie zeigen uns, wie Liebe (nicht) sein sollte.

Auch die Bindung zu unseren nächsten Bezugspersonen ist wesentlich. Eine sichere Bindung ermöglicht es uns, positive, unabhängige und befriedigende Beziehungen aufzubauen. Des Weiteren dürfen wir die erste Liebe nicht vergessen: Auch sie schafft eine Grundlage für spätere Beziehungen.

Diese drei Aspekte prägen unsere Überzeugungen und Erwartungen von einem Partner: Sie bestimmen, was wir akzeptieren und definieren unsere Grenzen.

junge Frau denkt an die erste Liebe
Die erste Liebe hinterlässt in unserem emotionalen Gedächtnis tiefe Spuren.

Das emotionale Gedächtnis ist in den ersten beiden Lebensjahrzehnten am intensivsten

Wissenschaftler der Universität Harvard führten eine Studie über die kognitive Entwicklung des Menschen durch. Sie konnten damit nachweisen, wann wir unsere maximalen Schwellenwerte für Gedächtnisverarbeitung, Aufmerksamkeit, Reflexion usw. erreichen. Das emotionale Gedächtnis erreicht seinen Höhepunkt zwischen 15 und 26 Jahren. Mit anderen Worten: Alles, was wir in dieser Zeit erleben – ob gut oder schlecht-, hinterlässt einen tiefen Eindruck in uns.

Das bedeutet zum Beispiel, dass wir uns intensiv an bestimmte Menschen, Ereignisse oder Filme erinnern und gerne nostalgisch daran zurückdenken. Die erste Liebe ist ein Anker in unserem emotionalen Gedächtnis, zu dem wir zurückkehren, wenn wir es am wenigsten erwarten.

Es gibt tragische und sogar zwanghafte Lieben, die uns manchmal aus vielen Gründen daran hindern, ein neues Kapitel zu beginnen.

Was passiert, wenn wir an den Erinnerungen von gestern festhalten?

Unser Verstand taucht gerne in die Tiefen der Vergangenheit ein, um in schönen Erinnerungen zu schwelgen. Wir denken daran, was hätte sein können und was nicht war. Es ist wohltuend, uns gelegentlich an unsere erste Liebe zu erinnern. Wir betrachten uns in unserer Unschuld und sehen eine fröhliche, selbstbewusste und unreife Version unser selbst, die uns bewusst macht, was wir alles erlebt und gelernt haben.

Wir sollten uns jedoch nicht zu sehr an den Stiefel der Vergangenheit klammern. Es kann gut sein, dass die erste Liebe nicht sehr romantisch und auch nachfolgende Beziehungen wenig lohnend waren. Wir dürfen nicht in den Leiden von gestern gefangen bleiben, denn das Leben passiert genau jetzt. Die Liebe lohnt sich immer, wir müssen offen sein und neue Chancen nutzen.

Albert Einstein erwähnte, dass Liebe nicht mit Begriffen der Physik und Chemie erklärt werden kann, doch die Neurowissenschaft und die Psychologie ermöglichen es uns, immer mehr Geheimnisse zu lüften und faszinierende chemische Prozesse zu verstehen. Die Liebe verliert deswegen noch lange nicht an Magie und Intensität.

Literaturempfehlung



  • Earp BD, Wudarczyk OA, Foddy B, Savulescu J. Addicted to love: What is love addiction and when should it be treated? Philos Psychiatr Psychol. 2017 Mar;24(1):77-92. doi: 10.1353/ppp.2017.0011. PMID: 28381923; PMCID: PMC5378292.
  • Hartshorne JK, Germine LT. When does cognitive functioning peak? The asynchronous rise and fall of different cognitive abilities across the life span. Psychol Sci. 2015 Apr;26(4):433-43. doi: 10.1177/0956797614567339. Epub 2015 Mar 13. PMID: 25770099; PMCID: PMC4441622.

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