Wie uns Geld und Besitz beeinflussen

Verdirbt Geld tatsächlich den Charakter oder ist das nur ein Vorurteil? Wir sehen uns verschiedene Studien zu diesem Thema an.
Wie uns Geld und Besitz beeinflussen
Elena Sanz

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Elena Sanz.

Letzte Aktualisierung: 20. Januar 2023

Die soziale Ungleichheit wächst, der von Armut bedrohte Bevölkerungsteil hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, während 10 Prozent der Menschen mehr als 70 % des weltweiten Reichtums horten. Ob du dich auf der einen oder anderen Seite befindest, bestimmt deine Lebensqualität, deine Gesundheit und deine Chancen im Leben. Denn Geld und Besitz haben signifikante Auswirkungen, die sogar unsere Persönlichkeit beeinflussen können.

Die Lebenseinstellung und die Perspektive verändern sich stark, je nachdem, ob du viel oder wenig hast. Geld und Besitz scheinen nicht nur materielle Vorteile zu haben, sondern auch psychologische Prozesse zu beeinflussen. Wir sehen uns heute verschiedene Studien über dieses Thema an.

Mann denkt nur an Geld und Besitz
Menschen mit viel Geld mangelt es oft an Einfühlungsvermögen. Viele verhalten sich Ungleichheiten gegenüber unsensibel.

Wie beeinflussen Geld und Besitz unsere Einstellung?

Eine Forschungsreihe der Universität von Kalifornien hat höchst interessante Ergebnisse erzielt. In einem Experiment wurden freiwillige Paare gebeten, Monopoly zu spielen, während das Forscherteam ihr Verhalten beobachtete. Allerdings waren die Ausgangsbedingungen für die beiden Spieler unfair: Nach dem Zufallsprinzip wurde einem der Spieler eine Reihe Vorteilen und Privilegien zugewiesen. Er durfte beispielsweise zweimal würfeln, mit doppelt so viel Geld beginnen und erhielt bei jedem Gewinn mehr Geld.

Du denkst dir, dass sich der privilegierte Spieler in dieser Situation unwohl fühlt und versucht, dem anderen irgendwie zu helfen, um ein gewisses Gleichgewicht herzustellen? Weit gefehlt. Die bevorteilten Spieler verhielten sich nach wenigen Minuten dominant, respektlos und unsympathisch. Sie stellten unter anderem ihren Reichtum zur Schau, schlugen ihre Spielfiguren hart gegen das Brett und nahmen sich einen höheren Anteil des Essens, das für beide auf dem Tisch stand. Außerdem begannen sie, sich ihren Gegnern gegenüber respektlos und überheblich zu verhalten.

Was die Forscher jedoch am meisten überraschte, war, dass die Gewinner am Ende des Spiels ihren Erfolg auf ihre Leistung zurückführten. Sie betonten ihre Weitsicht, ihre Strategie und ihre gute Arbeit und ignorierten den klaren Vorteil, den sie hatten.

Geld und Besitz machen und unempfindlich gegenüber Ungleichheit

Die Ergebnisse dieser Studie machen deutlich, dass vermögende Menschen oft das Gefühl haben, ein Recht auf mehr zu haben. Sie werden unempfindlicher gegenüber sozialen Ungleichheiten.

Eine andere Studie hat ergeben, dass wir, wenn wir Armut auf situative Faktoren zurückführen, Ungleichheit weniger akzeptieren und uns eher um sozialen Ausgleich bemühen. Eine weitere Studie versuchte, das Bewusstsein der Teilnehmenden für Benachteiligungen zu stärken, indem ihnen geholfen wurde, diese situativen Zuschreibungen durch verschiedene Übungen zu verstärken. Sie akzeptierten in der Folge Ungleichheit auf kurz- und langfristige Sicht weniger.

Wie sich Geld und Besitz auf die Ernährung und Gesundheit auswirken

Geld und Besitz wirken wich auch auf die körperliche Gesundheit aus. In dem erwähnten Monopoly-Experiment wurden die Teilnehmer am Ende des Spiels zu einem Mittagsbuffet eingeladen. Die Verlierer nahmen deutlich mehr Kalorien zu sich als die Gewinner. Dies ist vermutlich auf erhöhten Stress und ein geringeres Gefühl von Stolz und Macht zurückzuführen, da sie im Spiel schlecht abschnitten. Dies könnte erklären, warum Menschen mit weniger Kaufkraft eher übergewichtig sind.

Unethisches Verhalten

Ferner scheinen sich Geld und Besitz negativ auf die ethischen Einstellungen und unser Verhalten auszuwirken. Untersuchungen haben ergeben, dass wohlhabendere Menschen eher dazu neigen, bei Verhandlungen zu lügen, um Profit zu machen, und vermehrt unethische Entscheidungen treffen. Sie verstoßen auch eher gegen das Gesetz, wenn sie Auto fahren.

Schmiergeld: Geld und Besitz fördern unethisches Verhalten
Geld und Besitz führen vermehrt zu Korruption und unethischem Verhalten.

Wie sich Geld und Besitz auswirken

Die oben genannten Ergebnisse sind zwar nicht bestimmend oder verallgemeinerbar, aber sie sollten uns zum Nachdenken anregen: Wir sind uns der Benachteiligung oder Verwundbarkeit, in der sich manche Menschen befinden, oft nicht bewusst.

Wir müssen keine Millionäre sein, um Opfer dieser Voreingenommenheit zu werden, die uns glauben lässt, dass wir alles verdienen, was wir haben. Es ist möglich, diese Voreingenommenheit durch Reflexion zu korrigieren und uns über Ungerechtigkeit und Ungleichheit bewusster zu werden. Wir müssen versuchen, einfühlsam zu sein und Gerechtigkeit zu fördern.

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