Wie sich die Einsamkeit vom Alleinsein unterscheidet

18 November, 2020
Wahrscheinlich hast du dich bereits irgendwann in deinem Leben allein gefühlt, oder vielleicht fühlst du dich sogar jetzt allein. Du weißt vermutlich bereits, dass das Alleinsein nicht dasselbe ist wie sich einsam zu fühlen, denn die Auswirkungen auf das Wohlbefinden sind ganz anders.

Die gegenwärtigen gesellschaftlichen Veränderungen führen dazu, dass viele immer mehr Zeit alleine verbringen. Einige Beispiele dafür sind die alternde Bevölkerung, Veränderungen in der sozialen Dynamik, eine Zunahme der alleinerziehenden Haushalte, mehr Menschen, die alleine leben wollen, oder Krisen, die mit Isolation verbunden sind. Das Alleinsein ist jedoch nicht mit Einsamkeit gleichzusetzen.

Einsamkeit bedeutet nicht unbedingt eine objektive soziale Isolation. Einigen Autoren zufolge hat Einsamkeit sowohl eine emotionale Komponente (es ist eine unangenehme Erfahrung) als auch eine kognitive Komponente (du merkst, dass du weniger soziale Beziehungen hast oder dass die, die du hast, nicht ausreichen).

Studien zeigen, dass der Grad der subjektiven Zufriedenheit mit deinen Beziehungen ein besseres Maß für die Einsamkeit ist als die Häufigkeit, mit der du mit anderen Menschen in Kontakt stehst.

Sich allein zu fühlen ist eine unangenehmes Gefühl

Wie unterscheidet sich das Alleinsein von der Einsamkeit?

  • Alleinsein. In diesem Fall ist eine Person physisch alleine, fühlt sich aber nicht einsam. Du entscheidest dich aus freiem Willen dafür, alleine zu sein. Mit anderen Worten, das Alleinsein ist die physische Isolation auf freiwilliger Basis.
  • Einsamkeit. In diesem Fall hast du das Bedürfnis oder den Wunsch, mit anderen Personen in Kontakt zu sein, aber du kannst dies aus irgendeinem Grund nicht umsetzen. Oder deine Situation ermöglicht dir vielleicht den sozialen Kontakt, aber du fühlst dich unsicher, was zu deiner Einsamkeit führt oder dazu beiträgt. Möglicherweise fühlst du dich auch nutzlos, zurückgewiesen, unmotiviert, hyperaktiv und es fällt dir sogar schwer, Blickkontakt herzustellen. Mit anderen Worten, die Einsamkeit ist unfreiwillig. Sie ereignet sich vielmehr, weil du dich nicht in der Lage fühlst, dich sozial zu engagieren.
  • Positive Einsamkeit. Manchmal müssen die Menschen alleine sein, um sich zu erholen und sich  auszuruhen. In diesem Fall ist die Einsamkeit angenehm. Es ist eine Gelegenheit, kreativ zu sein und sich wieder mit sich selbst zu verbinden.
  • Entfremdung. Dies ist die extremste Art der Einsamkeit, in der du eine Leere verspürst, die dich von deiner eigenen Identität trennt. Es ist so, als würde man sich von sich selbst trennen, was dazu führt, dass man sich auch von anderen trennt.

Welche Folgen hat es, wenn wir uns alleine fühlen?

Einsamkeit ist ein unangenehmes Gefühl, das auch dann auftreten kann, wenn wir von Menschen umgeben sind, die uns lieben. Dieser Zustand kann auch ein Zeichen für ein ernsthafteres Problem darstellen und wird dennoch oft übersehen.

Menschen, die sich einsam fühlen, neigen dazu, nicht darüber zu sprechen oder sie geben nicht zu, dass es die Hauptursache für ihre Stimmung ist. Es ist schwer zu erkennen und zu akzeptieren, dass man sich einsam fühlt, weil es eine unerwünschte Sache ist. Normalerweise ist ihre Einsamkeit den Menschen peinlich, während sie gleichzeitig nur schwer zu überwinden ist.

Die größte Komplikation, die das Gefühl der Einsamkeit mit sich bringt, ist nicht um Hilfe zu bitten. Viele glauben, dass sie ein normaler Teil des Lebens ist und keine Pathologie.

Einsamkeit hat aber auch körperliche Auswirkungen. Forscher haben herausgefunden, dass das Gefühl der Einsamkeit ein Risikofaktor für potenziell tödliche oder sehr schädliche Pathologien ist.

Mit anderen Worten: Es besteht ein Zusammenhang zwischen Einsamkeit und der körperlichen Gesundheit. Einige konkrete Beispiele sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Essstörungen und Schlafstörungen. Was die geistige Gesundheit betrifft, so ist Einsamkeit ein Risikofaktor für Depressionen, Alkohol- und Drogenmissbrauch und sogar Selbstmord.

Positive Einsamkeit bietet die Gelegenheit, mit sich selbst zu verbinden

Was ist die Lösung?

Es kann unglaublich schwierig sein, zu akzeptieren, dass du dich einsam fühlst, und es kann noch schwieriger sein, eine Lösung für dieses Problem zu finden. Der Schlüssel liegt darin, deine Einstellung zur Einsamkeit zu ändern.

Zunächst solltest du die zugrunde liegende Ursache deiner Gefühle identifizieren. Eine Möglichkeit, um dies zu tun, besteht darin, darüber nachzudenken, was dich dazu bringen würde, dich nicht mehr einsam zu fühlen. Sobald du die Gründe identifiziert hast, ist es an der Zeit, eine Lösung zu finden. Solltest du deine sozialen Fähigkeiten verbessern? Neue Freunde finden? In Gruppen mehr Kontakte knüpfen?

Eine gute Strategie ist, Zeit zu investieren, um anderen durch freiwilliges Engagement zu helfen. Dieses Vorgehen hat das Potenzial, dass du dich nützlich fühlst und dass deine Anwesenheit für andere wichtig ist. Wenn du beschäftigt bist, hast du auch weniger Zeit, um dich mit deiner Einsamkeit zu befassen.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, dich für einige Gruppenaktivitäten anzumelden. Nimm zum Beispiel an einem Tanzkurs teil, lerne zu malen, melde dich für einen Buchclub an… All dies sind großartige Möglichkeiten, etwas zu tun, dass dir Spaß macht, während du mit anderen Menschen zusammenkommst.

Ein Vorteil der heutigen Welt ist auch der, dass du die Möglichkeit hast, Menschen online zu treffen. Es gibt viele Plattformen, um neue Leute kennenzulernen, die deine Interessen teilen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der erste Schritt, um die Einsamkeit zu überwinden, darin besteht, sie zu akzeptieren. Danach ist es an der Zeit, Maßnahmen zu ergreifen, um andere Menschen in dein Leben einzubeziehen und diese innere Lücke zu füllen.

  • Carvajal-Carrascal, G. & Caro-Castillo, C. V. (2009). Soledad en la adolescencia: análisis del concepto. Aquichan, 9(3), 281-296
  • Rubio, R. (2001). Un estudios sobre la soledad en personas mayores: entre el estar solo y sentirse solo. Revista multidisciplinar de gerontología, 11(1), 23-28.