Wie Panikattacken dein Leben beeinträchtigen können

14. Juli 2017 en Psychologie 44 Geteilt

Panikattacken sind eine stille Epidemie, die sich immer weiter verbreitet. Ihre Effekte werden durch Stress und Erfahrungen, die nicht richtig verarbeitet wurden, verschlimmert – denn in unserer Gesellschaft gibt es keine Zeit dafür. Unglücklicherweise treten sie immer häufiger auf und werden meist zu spät oder gar nicht professionell behandelt. Tatsächlich gehen die Menschen oft nicht zur Therapie, solange sie noch ihren Alltag bewältigen können. Symptome umfassen unter anderem Schwitzen, unregelmäßigen Herzschlag und starkes Herzklopfen, Derealisierung, Zittern, Atemnot, Hitze- oder Kältegefühl und Angst vor dem eigenen Tod.

Des Weiteren gehen Angststörungen mit verschiedenen körperlichen Symptomen einher, und auch wenn ihr Auslöser nicht immer klar ist, kann doch die Vorahnung einer Panikattacke Angst triggern.

Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO leiden bis zu drei von zehn Menschen mehr oder weniger regelmäßig an Panikattacken. Die WHO schätzt, dass rund sechs Millionen Menschen jedes Jahr professionelle Hilfe wegen eines oder mehrerer Symptome von Panikattacken in Anspruch nehmen. Von diesen erfährt mindestens eine Millionen das gesamte Spektrum der oben genannten Symptome. Viele denken, dass Panikattacken nur bei Personen auftreten, die in großen Städten leben, aber das stimmt nicht. Auch wenn sie häufiger in urbanen Umgebungen auftreten, leiden auch Menschen, die in ländlicheren Gegenden leben, unter ihnen.

„Panik ist ansteckender als die Pest und verbreitet sich innerhalb kürzester Zeit.“

Nikolai Gogol

Dieses Phänomen ist relativ neu. Erst 1980 wurde die Panikattacke als eigene Störung definiert. Das geschah, nachdem tausende von Experten für geistige Gesundheit berichteten, dass die Anzahl der Menschen, die mit diesen plötzlichen Empfindungen von Horror zu ihnen kommen, immer weiter ansteigt. Sie passten nicht zur bekannten Angststörung, also wurde ihnen der Name „Panikattacken“ gegeben.

Eine Panikattacke ist eine erdrückende Erfahrung

Das Schlimmste an Panikattacken ist, dass sie unvermittelt auftreten und auch genauso plötzlich wieder abklingen. Die Person kann ganz ruhig die Straße entlanggehen und plötzlich Symptome verspüren, die an einen Herzinfarkt oder eine Nahtod-Erfahrung denken lassen. Eine Panikattacke fühlt sich so an, als würdest du dem Tod direkt in die Augen schauen.

Das initiale Problem ist, dass so mancher Betroffene nicht weiß, was eine Panikattacke ist. Also kommt er zu dem Schluss, dass es sich bei den beschriebenen Beschwerden wahrscheinlich um eine physische Erkrankung handelt. Er sucht deshalb verschiedenste Ärzte auf, um herauszufinden, was mit ihm nicht stimmt. Obwohl die Person glaubt, krank zu sein, können die Ärzte nichts finden, was den Betroffenen noch mehr beunruhigt und in ihm das Gefühl des Alleinseins weckt. Das hat gravierende Auswirkungen auf sein Leben: Er beginnt, Angst davor zu haben, das Haus zu verlassen oder allein an einem Ort zu sein. Er fürchtet sich davor, dass die Symptome wieder auftreten könnten und dass niemand da sein würde, um ihnen zu helfen oder sie zu retten. Er zeigt auch starke Traurigkeit und Frustration.

Moderne Panik verstehen

Panik ist ein Symptom, was viele Menschen erfahren können. Manche Menschen haben eine oder zwei Attacken und dann geschehen sie nie wieder. Andere leiden wiederholt an Attacken, die als Teil einer Angststörung verstanden werden sollten. Sie treten immer zusammen mit Angst auf. Das geschieht aufgrund des plötzlichen Einsetzens der Symptome und dem Problem, deren Ursache zu identifizieren.

Laut verschiedener Studien ist der beunruhigendste Aspekt, dass jene Menschen, die am stärksten zu Panikattacken neigen, diejenigen sind, die schwierige Erfahrungen gemacht und dennoch immer eine gewisse Kontrolle über die Situation behalten haben. Es sind Menschen, die dazu in der Lage sind, ihre Probleme zu lösen und an ihren Schwierigkeiten wachsen. Wenn die Panik beginnt, dann akzeptieren sie nicht, dass etwas passiert, was sie nicht kontrollieren können. Es fällt ihnen schwer, zuzugeben, dass die Ursache dessen, was passiert, in ihrem Kopf und nicht in ihrem Körper liegt.

Diese – und viele andere – Menschen suchen erst nach vielen Jahren des Leids Experten für mentale Gesundheit auf. Sie tun das nach vielen Besuchen bei ihren Hausärzten und Spezialisten, die ihnen keine Antwort geben konnten. Die Panikattacken haben ihre Leben verändert, provozierten Depressionen, Misstrauen, Gereiztheit und konstante Angst. Und wenn sie eine Behandlung beginnen, dann ist die Störung oft schon sehr fortgeschritten und komplex.

Bestimmte psychologische Ansätze bekräftigen, dass die Entwicklung einer Panikstörung nicht zwangsweise vom Kontext abhängt, sondern von einer Erfahrung oder einem latenten innerlichen Konflikt, der nicht gelöst wurde. Deshalb ist Psychotherapie so wichtig, wenn es darum geht, mit dieser schwierigen Situation umzugehen.

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