Wie man sich gegen passive Aggressivität verteidigt

· 25. Dezember 2017

Passiv-aggressives Verhalten wird durch  Abhängigkeit und Manipulation gekennzeichnet. Seine verschlagene Kunst verbindet eine negative Einstellung mit durchdringendem Pessimismus. Diese sind so stark, dass sie andere zu einem Punkt der tiefen mentalen und emotionalen Erschöpfung herunterziehen. Gleichfalls kennzeichnen diese Charakteristiken eine trotzige Persönlichkeit, die unglücklicherweise sehr verbreitet ist. Diese Art des Verhalten macht jede Art der Beziehung komplizierter, egal ob es sich um eine romantische, eine platonische oder eine familiäre Beziehung handelt. Wie können wir uns gegen passive Aggressivität verteidigen?

Etwas, was die meisten von uns fast sofort erkennen können, ist aggressives Verhalten. Im Normalfall sind alle von uns aufmerksam genug, um diese Art des Verhaltens zu bemerken. Ob es sich dabei um gewalttätige Einstellungen oder Kommunikationsarten handelt, oder um mehr oder weniger explizite Aggressivität, wir erkennen aggressive Menschen.

„Furcht drückt sich gewöhnlich in zwei Weisen aus: durch Aggression oder durch Unterwerfung.“
Paolo Coelho

In der Weise wie wir aggressives Verhalten beschrieben haben, können wir jedoch nicht immer passiv-aggressives Verhalten erkennen, wenn es im Anmarsch ist. Es ist nicht immer einfach, bestimmte Einstellungen oder Reaktionen zu übersetzen, die sich zwischen charismatisch und reaktionär bewegen können. Was aber hervor sticht ist die Feindseligkeit, die durch Ironie, Sarkasmus und „gutem Benehmen“ verdeckt wird. Es ist ein Persönlichkeitstyp, der verwirrend ist und einen dazu führt, Fehler zu machen. Nur langsam wird uns endlich bewusst, welchen konkreten Schaden uns diese Person zufügt. Auf der anderen Seite ist es bemerkenswert, dass bis vor einigen Jahre die passive Aggressivität als eine Persönlichkeitsstörung eingestuft wurde. Jedoch ist diese klinische Einordnung in der 4. Ausgabe des DSM (Diagnostisches und Statistisches Handbuch der Mentalen Störungen) verschwunden. Jetzt wird es als ein Verhaltenstyp eingeordnet, und zwar einem „nicht-krankhaften“ Persönlichkeitstyp. In den 90er Jahren wurde diese angenommene Störung zu oft diagnostiziert. Es entstand eine solch große Kontroverse, dass die Experten zu der Übereinkunft gekommen sind, dass es keinen Sinn macht, Widerstand, Pessimismus oder verdeckte Aggression als krankhaft anzusehen. Es würde nur auf eine Person zutreffen, die dauerhaft diese dominante, pessimistische und entwertende Einstellung hat.

Eine Frau hält einen Raben in der Hand

Kennzeichen eines passiv-aggressiven Verhaltens

Wir können alle zu einer bestimmten Zeit passiv-aggressiv sein. Ohne es überhaupt zu bemerken, gibt es gewisse Auslöser, die eine unterdrückte Feindseligkeit und gereizte und schlecht gelaunte Reaktionen hervorrufen können. Es ist also wichtig, dass man immer versteht, was hinter gewissen Arten des passiv-aggressiven Verhaltens steckt.

Lasst uns im Einzelnen anschauen, was einige der häufigste Kennzeichen sind.

Passiv-aggressive Sprache

Passiv-aggressives Verhalten verdeckt immer einen versteckten Ärger. Er ist sehr gut versteckt und er zeigt sich besonders durch die Sprache. Andeutungen werden oft verwendet, und zwar solche, die verletzten und den Zuhörer unvorbereitet treffen. Der Gebrauch von verwirrenden und sogar widersprüchlichen Botschaften ist auch sehr häufig, wie zum Beispiel die folgenden Sätze:

  • „Ich verstehe nicht, was du mir sagen willst“ (selbst wenn sie genau wissen, was wir kommunizieren möchten).
  • „Was immer du willst“ (Bestätigungen, die die Diskussion so schnell wie möglich beenden, um eine ernste und direkte emotionale Kommunikation zu vermeiden).
  • „Wieso verhältst du dich so? Du nimmst alles so ernst“ (die passiv-aggressive Person benutzt diese Art von Sätzen, um den Zuhörer zu demütigen und ihn an seine Grenze zu bringen).

Verhaltensmäßige Feindseligkeit und Verzögerung

Passiv-aggressive Menschen mögen nett und offen erscheinen, doch das Bild fällt in sich zusammen, sobald wir sie ein bisschen besser kennenlernen. Dann sehen wir ihre wahre, passiv-aggressive Seite.

  • Sie neigen dazu, schüchtern zu sein und alles um sie herum zu kritisieren.
  • Diese Menschen können respektlos sein, was sie stolz macht, denn sie sehen sich selbst als rebellisch und als gegen das Establishment an.
  • Oft sind sie süchtig danach, anderen für alles die Schuld zu geben.
  • Verbitterung und Nörgelei sind zwei tiefe Wurzeln im Herzen einer passiv-aggressiven Person.
  • Sie mögen keine Autorität oder Vorschläge von anderen Leuten.

Auf der anderen Seite geht mit dieser Feindseligkeit die Neigung einher, fast alles auf morgen zu verschieben. Sie tun nicht das, was sie versprechen, sie fangen Sachen an und lassen sie halb fertig liegen. Sie sind vergesslich und sie gehen nicht sorgsam mit dem um, was sie haben. Egal ob es sich dabei um Gegenstände handelt oder um persönliche Beziehungen.

Ein Mann mit Wolfskopf hält einen Vogel

Emotionale Abhängigkeit

Es ist interessant, dass ihre verhaltensmässige Feindseligkeit und ihre aufsässige und feindselige Einstellung sie tatsächlich dazu führt, eine starke emotionale Abhängigkeit von anderen zu entwickeln.

Ihr Motto, das dabei am meisten charakteristisch ist, ist ohne Zweifel die Einstellung „Ich sehe auf dich herab, aber ich brauche dich.“ Es ist eine Eigenschaft, hinter der sich eine schwache Person versteckt, die sich wegen ihrer Unsicherheiten klein fühlt. Es handelt sich hierbei um eine Person, die alles von anderen braucht, aber zur gleichen Zeit in der bitteren Kruste seiner harten äußeren Schale lebt.

Wie man mit einer passiv-aggressiven Person umgeht

Hinter einem passiv-aggressiven Verhalten stecken verschiedene und manchmal komplexe Wirklichkeiten: Depression, Angststörung, ein Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS), ein schwaches Selbstbewusstsein, eine schlechte Kindheit, oder sogar gewisse biologische oder Umweltfaktoren.

„Diejenigen, die in einen Wettbewerb der Aggressiviät verwickelt werden, verlieren ihre Vernunft, und was am wichtigsten ist, ihre Stärke.“
Julian Marias

Wenn dir bewusst wird, dass du durch dein tägliches Verhalten und deines Einstellung passiv-aggressives Verhalten hervorrufst, dann ist es das beste, wenn du einen guten Therapeuten findest. Er kann dir helfen, deinen Ärger und deine Frustration zu verstehen und sie in die richtige Richtung zu lenken. Weiterhin ist es auch keine schlechte Idee, die folgenden grundlegenden Strategien im Kopf zu behalten:

  • Versuche zu verstehen, warum du dich in dieser Weise verhältst und reagierst.
  • Denke nach und reflektiere bevor du sprichst oder handelst.
  • Finde heraus, was dich am meisten trifft, was dir Sorgen macht, und versuch, es zu konfrontieren.
  • Besiege deine negative Einstellung
  • Übe Achtsamkeit.
  • Kultiviere deine emotionale Intelligenz.
Eine Frau mit Oktopus

Ignorieren als eine Methode

Auf der anderen Seite ist die beste Art, den Einfluss von passiv-aggressiven Menschen auf uns zu reduzieren, wenn wir sie ignorieren. Im allgemeinen hat eine passiv-aggressive Person ein sehr niedriges Selbstbewusstsein und es fehlt ihr an emotionaler Selbstbehauptung. Diese Person weiß nicht, wie sie sich verhalten soll, wenn sie fühlt, dass ihr Verhalten keine Wirkung erzielt. Je mehr diese Personen fühlen, dass wir von ihren Worten und ihrer Einstellung getroffen werden, desto mehr Macht haben sie.

Wenn sie auf der anderen Seite sehen, dass es uns nichts ausmacht, werden sie nicht weiter machen, und ihr psychologischer Einfluss auf uns wird abgeschwächt. Nichtsdestotrotz ist es immer gut zu wissen, was hinter dieser Art von Verhalten steckt. Wenn die passiv-aggressive Person ein Verwandter ist, können wir sie dazu ermutigen, sich professionelle Hilfe zu suchen.

Zusammenfassend gesagt, schließen wir mit dieser interessanten Tatsache über den Ursprung dieses Begriffs und wann er zum ersten Mal gebraucht wurde. Es war während des Zweiten Weltkriegs, als eine Gruppe von Militärpsychologen bemerkte, dass viele Soldaten ein gewisses aufsässiges Verhalten an den Tag legten. Sie zeigten einen passiven und negativen Widerstand, wenn es darum ging, Befehle auszuführen. Der wahre Grund für das Verhalten dieser Soldaten war post-traumatischer Stress…