Wie man gut mit seinem Partner diskutiert

· 28. April 2017

Die Welt der Beziehungen kann manchmal kompliziert sein: In einer Beziehung, in der sich zwei Menschen lieben, ist man nicht immer der gleichen Meinung. Trotzdem müssen sie zusammenleben und sind dazu gezwungen, sich auf irgendeine Art zu einigen.

Mit dem Partner zu streiten ist weder eine seltsame oder ungewöhnliche Situation, noch das Symptom einer Krise. Es gibt Paare, die sich nie streiten, bei denen aber schon eine ganze Weile die Luft raus ist. Und es gibt andere, die genau das Gegenteil tun. Sie streiten sich relativ oft. Aber gleichzeitig können sie sich um andere Dinge kümmern, die sie zu einem sehr gesunden Paar machen.

Es gibt viele Wege, unsere Rechte, Interessen oder Meinungen auszudrücken. Trotzdem begehen wir diesbezüglich viele Fehler und versuchen oft nur zu beweisen, dass wir Recht haben. Und das ohne dabei an den Preis zu denken, den wir schlussendlich dafür bezahlen, die Diskussion zu gewinnen.

Warum ist es so schwierig, als Paar zusammenzuleben?

Unter all den Paaren, die es nicht schaffen, ihre Beziehung zu erhalten, gibt es gemeinsame Muster. Diese Muster, die zerbrochene Paare charakterisieren, hängen normalerweise mit dem Ego oder Stolz zusammen. Wegen unseres Stolzes ziehen wir als Paar oft den Kürzeren und wir sollten uns die Frage stellen, ob es das wirklich wert ist.

Wegen unseres Stolzes zeigen wir unsere Krallen, um uns vor vermeintlichen Bedrohungen zu schützen. Sie sind vermeintlich, denn wir uns die Realität ansehen, finden wir oft heraus, dass es sich überhaupt nicht um eine Bedrohung handelt. Wir stehen schließlich vor einem Menschen, den wir lieben und der uns auch liebt. Aber dennoch haben wir Angst, Angst davor, von der anderen Person nicht akzeptiert zu werden, nicht Recht zu haben, nicht anerkannt oder beachtet zu werden, nicht besonders oder wichtig zu sein…

Oft interpretieren wir Dinge verzerrt und denken, dass andere uns wehtun wollen und verhalten uns dann auch dementsprechend. Wir versuchen entweder, der Situation aus dem Weg zu gehen und stellen uns ihr nicht oder wir entscheiden uns dazu, die andere Person zu attackieren.

Eine weitere Sache, die es kompliziert macht, mit dem Partner zusammenzuleben ist, nicht zu wissen, wie man Konflikte richtig löst. Und wir sehen eine große Schwierigkeit darin, zu vermeiden, in einer Situation zu landen, die uns nicht gut tut. Und das kann sich dann wiederum auf unseren Stolz niederschlagen. Wir neigen deshalb dazu, Wut so einzusetzen, dass unsere persönliche Integrität auf kurze Sicht gesichert ist. Es bedarf also verdammt viel Mühe, zu einer Einigung zu kommen, von der beide Parteien profitieren.

Das Problem ist, dass wir uns durch unser Verhalten auf lange Sicht eine große Last aufladen – besonders in romantischen Beziehungen. Hitzige Diskussionen und Streit ermüden beide Partner. Das kann sogar soweit führen, dass einer Angst vor seinem Partner oder den Diskussionen, die aufkommen könnten, entwickelt. Vorwürfe, immer Recht haben zu müssen, übertriebene Diskussionen und nicht zu wissen, wie man zu einer Einigung kommt, können der Beziehung also erheblich schaden. Und wenn wir Dinge dann wirklich lösen wollen, ist es oft schon zu spät.

Wir könnten das mit einem zerknitterten Papier vergleichen. Wenn wir es so glatt haben wollen, wie es vorher einmal war, dann wirst du merken, dass das unmöglich ist. Egal wie sehr du auch versuchst, es zu glätten – du wirst immer kleine Falten ausmachen können, die als Ergebnis deines vorher ausgeübten Drucks entstanden sind.

Wann ist es dann gut, zu streiten?

Streit ist Teil jeder Beziehung und es ist nicht vorteilhaft, vor ihm davon zu laufen. Denke stattdessen daran, dass deine Beziehung dank dieser Diskussionen wachsen kann. Zumindest solange du weißt, wie du sie aufbauen musst. Es ist essenziell, zu wissen, wie man streitet. Das heißt, du musst überlegen, was du sagst, wie du es sagst, und so weiter.

Zuallererst: Vergiss die Liebe nicht. Du liebst diesen anderen Menschen, vergiss das nicht. Dieser Mensch ist nicht auf magische Art und Weise plötzlich zu deinem Feind geworden und er ist auch niemand, der dir wehtun will. Oder zumindest ist das normalerweise nicht der Fall und wenn du bemerkst, dass es doch so sein könnte, dann nichts wie weg!

Aber wenn es ein ganz normaler „Pärchenstreit“ ist, dann bewahre die Liebe, die Sorge umeinander, und argumentiere respektvoll. Du kannst mit jemandem nicht einer Meinung sein und trotzdem Dinge sagen wie: „Schatz, ich sehe das anders“,  oder, „Liebling, ich finde es nicht gut, dass du nicht im Haushalt hilfst.“

Zeige Empathie. Versetze dich selbst in die Lage des anderen und versuche, so zu denken, wie er es tut. Es geht dabei nicht darum, mit der Art, wie der andere denkt, zu sympathisieren, sondern darum, zu verstehen, warum er die Dinge so sieht, wie er sie sieht. Verstehe, dass die andere Person ein Recht darauf hat, so zu denken, wie sie will, genauso wie du. Und sie hat ihre Gründe. Verständnis wird dir deinen Geist öffnen.

Drücke deine Sichtweise aus. Wir haben die Tendenz dazu, über andere Menschen zu urteilen und Diskussionen mit dem Wort „du“ zu beginnen. Hier sind einige typische Sätze: „Du machst mich so wütend!“, „Du versuchst es nicht einmal!“, „Du bist so faul!“ Lasst uns das alles vergessen und Verantwortung für unsere Emotionen übernehmen.

Du fühlst dich schlecht und das ist dein Problem. Dein emotionaler Zustand beruht auf bestimmten Ideen, die dir durch den Kopf gehen und die dich unglücklich, traurig oder wütend machen. Deshalb ist die korrekte Art, dich selbst auszudrücken, zu sagen: „Ich fühle...“  Zum Beispiel: „Ich fühle Wut, wenn ich sehe, dass du deine Klamotten nicht wegräumst.

Denke an die Wichtigkeit der non-verbalen Sprache. Alles, was wir zuvor erwähnt haben, muss mit der passenden non-verbalen Sprache kombiniert werden. Es macht keinen Sinn „Schatz“  zu sagen, wenn du dabei einen ironischen Tonfall verwendest oder „ich fühle“  zu sagen, wenn du dabei mit den Zähnen knirschst. Wir sollten es auch glauben. Deshalb ist es am besten, es entspannt zu sagen. Schließlich stehen wir nicht der Bedrohung gegenüber, von der wir einst glaubten, dass sie da sei. Und entspannt heißt mit offener Haltung, Augenkontakt, einer entspannten Stimme, und so weiter.

Richtig zu streiten ist eine Sache von kommunikativer Intelligenz, aber auch von Selbstkontrolle. Wenn du zu diesen Zutaten noch Liebe dazufügst, dann muss ein Streit nicht zum Krieg werden. Er muss nicht an der Basis deiner Beziehung rütteln.