Wenn dein Ego keine Ruhe gibt, schicke es los, um Demut zu kaufen

4. September 2016 en Psychologie 166 Geteilt

Es gibt eine Art von Ego, das weder einen Waffenstillstand akzeptiert, noch eine Ruhepause eingelegt: Es ist das Ego, das leidet, weil es nicht auf einer Augenhöhe mit der Welt ist, und es beschwert sich, weil es nicht immer Recht hat. Dabei sollten wir allerdings beachten, dass es keine größere Versklavung für einen Menschen gibt, als die Macht, die sein Ego über ihn hat. Denn glücklich zu sein hat mit der Seele zu tun und wer dazu in der Lage ist, sein Ego gegen Demut einzutauschen, kann sich erneut mit der Welt verbinden und das mithilfe seines Herzens.

Hierbei handelt es sich zweifellos um ein höchst komplexes sowie kurioses psychologisches Konstrukt, bei dem auch ein gewisses Leid eine Rolle spielt. Es ist beispielsweise interessant, zu beobachten, wie das Ego versucht, einen eigenen Platz für sich zu schaffen, indem es sich mit seinen Mitmenschen vergleicht. Wenn es uns gelingt, uns diesem Modell anzupassen, werden wir bewundert. Wenn wir es aber übergehen, werden wir definitiv zur Zielscheibe für Angriffe und Missachtung.

Wenn dein Ego keine Ruhe gibt, schicke es los, um Demut zu kaufen, denn nur so wirst du deine beste Seite entdecken.

Ich bin davon überzeugt, dass auch du jemanden mit solch einem Verhalten kennst und dir wird sogar bewusst, dass du in manchen Momenten auch mit einer gewissen Überdosis deines Egos handelst. Eine chinesische Weisheit besagt: „Es ist schwieriger, die Fließrichtung eines Flusses zu ändern als den Charakter eines Menschen.“

Wir können eigentlich gar nicht genug über dieses Thema sprechen, sollten es aber wenigstens im Hinterkopf behalten und darüber nachdenken, wenn es sich bemerkbar macht.

Mann raucht der Kopf

Das Ego und das egozentrische Selbst

Eckhart Tolle ist ein Schriftsteller, der dafür bekannt ist, seine vielen Leser mit seiner Buchreihe Jetzt!  zu entzücken. In seinen Arbeiten identifiziert er die häufigsten inneren Quellen des Leides, die es uns unmöglich machen, uns mit unserem Umfeld zu verbinden, um glücklich zu sein. In Büchern, wie Eine neue Erde  spricht er von einem so interessanten wie auch nützlichen Begriff: das egozentrische Selbst. Zweifellos ist das eine der komplexesten Quellen des persönlichen Leidens.

Für Tolle werden Menschen, die sich durch ein egozentrisches Selbst auszeichnen, von ihrem eigenen Verstand belagert. Es existiert eine Art Besessenheit der eigenen Gedanken, Urteilsfindung, Werte und Gefühlen gegenüber, und das geht sogar so weit, bis diese Menschen ausschließlich ihr eigenes Leben leben. Neben diesem exklusiven und persönlichen Horizont gibt es nichts anderes mehr.

Das egozentrische Selbst hält sich hartnäckig, kommt immer wieder zum Vorschein und lässt somit eine Art unglaublich zerstörerischer psychischer Energie entstehen. Wir dürfen nicht vergessen, dass sich dieser Persönlichkeitstyp gleichzeitig von anderen Egos differenzieren und sie übergehen will, was nach und nach zu einem so unnützen wie auch frustrierenden Kampf wird, weil eine „Schlacht“ zwischen Egos nur ein psychisches Leid als Konsequenz hat.

Verwirrtes Maedchen

Wie können wir das Ego zum Schweigen bringen?

Ein Mensch, in dessen Verstand unaufhörlich die Stimme des Egos auf ihn einredet, will immer andere verändern, ohne sich zu bemühen, sich selbst zu verändern. All das löst Frust aus. Es ist gut möglich, dass du sogar jemanden kennst, der sich darüber beschwert, dass „Beziehungen sehr schwierig sind“,  ohne zu bemerken, dass er selbst der Auslöser des Problems ist und nicht die anderen.

„Du schneidest dir die Haare und veränderst deine Frisur, aber du denkst niemals daran, dein Ego zu verändern.“

Albert Einstein

Eckhart Tolle selbst erklärt, dass auch er diese Verwandlung durchmachen musste: Sein Ego abzuschalten, sich von dem Gedanken zu verabschieden „je mehr ich habe, desto mehr bin ich“  und auch von diesem inneren Sturm, der es ihm unmöglich machte, mit dem Leben in Einklang zu sein und mit seinen Mitmenschen auf eine integre und demütige Weise zusammenzuleben.

Trotz der Tatsache, dass das keine leichte Aufgabe ist, kann man es schaffen. Aus diesem Grund möchte ich dich dazu einladen, über die folgenden Ratschläge nachzudenken, die dir beibringen werden, wie du mit einem egozentrischen Menschen besser klarkommen und auch wie du dich von einigen mit dieser Thematik zusammenhängenden Verhaltensweisen verabschieden kannst, die wir alle manchmal an den Tag legen.

Frau im Wind

Tipps, um uns von unserem Ego zu distanzieren

Eines der berühmtesten Zitate des umstrittenen Donald Trump lautet: „Zeige mir einen Menschen ohne Ego und ich zeige dir einen Taugenichts.“  Natürlich ist das Ego, von dem der Präsidentschaftskandidat der Vereinigten Staaten spricht, nicht genau das Ego, auf das wir uns in diesem Artikel beziehen. Daher:

  • Sollten wir am besten nicht auf die besagten Verhaltensweisen reagieren, um uns gegen diese unnützen Egos zu wehren, die in unserem Inneren nach Aufmerksamkeit schreien. Etwas oder jemanden zu ignorieren, ist eine Art, weise zu antworten und frustriert außerdem denjenigen, der im Mittelpunkt stehen will.
  • Eine weitere Technik, um „das Ego auszuschalten“, ist es, die innere Ruhe zu finden und den Lautstärkeregler unserer Gedanken auf null zu drehen. Das Ego sucht immer irgendetwas: sich an etwas oder jemandem zu bereichern, um sich vollkommen zu fühlen, jemand Überlegeneren herausfordern, um Recht zu bekommen, etc.
  • Die Quelle unseres durch das Ego verursachte Leid wird ein Ende finden, wenn wir uns auf das Hier und Jetzt konzentrieren, um einen angenehmeren und demütigeren Ausgang der Situation zu erhalten. Wie sagt man so schön: „Man versteht den Sinn des Lebens erst dann, wenn man sich nicht von seinem Ego unterdrücken lässt, um anderen helfen zu können.“
  • Bei der Entscheidungsfindung sollte der Kopf eingesetzt werden, beim Wählen zum Beispiel. Der Anspruch, anderen zu helfen, sollte in aller Regel über der Befriedigung des Egos stehen.

Wenn wir mit anderen mitfühlend umgehen und verstehen, dass „sein“ nicht „besitzen“ bedeutet oder dass „man nicht mehr ist, wenn man mehr hat“, befreien wir uns augenblicklich von einer großen Last. Genau dann lassen wir das egozentrische Selbst hinter uns, um unser wertvolles emotionales Selbst zum Vorschein kommen zu lassen.

Schmetterlinge

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