Wie lösen wir emotionale Knoten, die uns Schmerzen bereiten?

· 14. Mai 2018

Emotionale Knoten rauben uns unsere Energie, Freiheit und Fähigkeit, zu wachsen. Sie sind durch Enttäuschungen, Wunden, Leeren sowie schmerzhafte Beziehungen, an denen wir noch immer hängen, durch Konflikte, die noch nicht abgeschlossen sind, entstanden. Uns von diesen mentalen Strängen zu befreien, bedarf einer psychologischen Kunstfertigkeit, die es uns ermöglicht, ohne Schmerz und Angst weiterzumachen.

Mit der Zeit fällt uns vielleicht auf, dass ein Teil unseres Gepäcks, in dem all unsere gemachten Erfahrungen verwahrt sind, nicht mehr entwirrt werden kann. Ungelöste Erlebnisse aus der Vergangenheit können sich in Form emotionaler Knoten manifestieren. Das ist häufig Realität, wenn wir zum Beispiel eine komplexe Beziehung hinter uns gelassen oder einen persönlichen Verlust erlitten haben, oder auch wenn wir in uns die Wunde einer traumatischen Kindheit tragen.

Die Analogie der Knoten könnte passender nicht sein. Diese geistigen Zustände wirken sich in gewisser Weise wie ein raumfordernder Prozess auf den Verstand aus, sie belasten unser Herz und nehmen uns die Luft zum Atmen, während wir gleichzeitig immer nur in die Vergangenheit schauen. Dadurch sind wir in einem schwierigen Zustand gefangen, in dem wir unsere Fähigkeit verlieren, die Gegenwart zu genießen und uns als Menschen weiterzuentwickeln.

„Wir können uns nicht von einem Knoten lösen, wenn wir nicht zuerst wissen, wie dieser zustande gekommen ist.“

Aristoteles

Knoten im Schiffstau

Emotionaler Knoten – eine Wunde, die nicht von allein heilt

Emotionale Knoten lösen sich nicht von selbst. Manchmal reicht es nicht aus, an einem Ende des Fadens zu ziehen, damit sich dieser Knoten bzw. dieses verhedderte Knäuel löst. Die meisten dieser Knoten sind in Wahrheit komplexe Verwirrungen, lose Enden und doppelte Schnürungen, die all unsere Gedanken, Ängste und Sorgen beinhalten, die jeden Tag mehr Druck und ein noch größeres Leid verursachen.

Für gewöhnlich wird an dieser Art von Situationen in der Gestalttherapie gearbeitet. Dieser psychologische Ansatz besagt, dass etwas ungelöst bleibe, wenn ein Mensch sich einer unglücklichen Situation gestellt habe, es ihm aber nicht gelungen sei, deren Auswirkungen zu überwinden. Der Schmerz bleibt, und das nicht enden wollende Leid ist der Beweis dafür, dass es etwas gibt, das wir noch lösen müssen. Somit haben wir uns selbst gegenüber emotionale Schulden.

Darüber hinaus dürfen wir nicht vergessen, und das ist genauso wichtig, dass Emotionen einen großen Einfluss auf den Teil unseres Seins hat, der sie verwahrt: auf unseren Körper. Daher beeinflusst uns ein emotionaler Knoten auf unterschiedliche Weise: Er lähmt uns oder bringt uns dazu, zu fliehen. Er quält uns auch, wirkt sich auf unsere Muskeln, unseren Verdauungstrakt und unser Herz-Kreislauf-System aus. Dieser Druck wird noch größer, wenn wir nicht handeln. Nichts zu tun und einfach abzuwarten, bis sich dieser Knoten von allein löst, führt dazu, dass er nur noch komplexer, dicker, verstrebter und verworrener wird.

Mann schaut runter auf's Meer

Wir müssen lernen, emotionale Knoten zu lösen

Uns allen ist es schon einmal so ergangen. Ohne wirklich zu wissen, wie das passieren konnte, sind aus unseren Schnürsenkel oder den Kabeln unserer Kopfhörer so komplexe Knoten geworden, dass wir die Geduld mit ihnen verloren haben. Wenn wir jedoch eines wissen, dann, dass es nichts Besseres gibt, als uns anzuschauen, wie dieser extrem verworrene Knoten entstanden ist, um ihn zu lösen.

Nach und nach und ganz akribisch lockern wir den Knoten, verschieben, drehen, entwirren, bis sich der komplette Knoten mitsamt der Spannung löst, bis sich der Schnürsenkel oder das Kabel lockern und wieder ihre normale Form annehmen. So eigenartig uns das auch erscheinen mag, passiert genau das Gleiche mit den emotionalen Knoten. Der Unterschied ist nur, dass wir nicht wieder unsere ursprüngliche Form annehmen. Diese emotionalen Knoten verändern uns. Am Ende ist unser emotionales Gerüst viel stärker als vorher.

Nachfolgend möchten wir uns ansehen, wie wir emotionale Knoten lösen können.

Schmerzen und Leid sind nicht dasselbe: Wir haben die Möglichkeit, unser Leiden zu beenden

Bereits Buddha sagte zu seiner Zeit, dass Schmerz unvermeidbar, Leid aber optional sei. Was bedeutet das? Die Gestalttherapie sagt uns, dass wir Menschen oftmals mit zwei Arten von Pfeilen, die in unserem Herzen stecken, unser Leben weiterleben.

  • Der erste Pfeil ist dieser Schmerz, den wir nicht vermeiden können. Er stellt die ursprüngliche Verletzung, den Schmerz wegen eines Verlustes, einer Enttäuschung oder eines Bruchs dar.
  • Der zweite Pfeil steht für das Leid, das wir uns hin und wieder selbst zufügen, weil wir an dieser Wunde festhalten, ohne sie jedoch ganz zu akzeptieren. Anstatt die Wunde zu heilen, nähren wir sie tagtäglich mit der Erinnerung an sie.

Emotionale Knoten schmerzen, aber wir müssen nicht länger leiden, wenn wir uns dazu entschließen, diese innere Verletzung zu akzeptieren und gleichzeitig versuchen, eine Lösung für unsere persönliche Realität zu finden.

Gegenwärtige Emotionen und die Wichtigkeit, uns auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren

Diese emotionalen Knoten sind das Ergebnis einer oder mehrerer gemachter Erfahrungen in der Vergangenheit. Doch wir müssen eines verstehen: Was in der Vergangenheit passiert ist, können wir nicht ändern. Was wir ändern können, ist, wie wir uns heute fühlen. Wir sollten aus Leid Ruhe, aus Angst Sicherheit und aus Unsicherheit Gelassenheit werden lassen. Wir sollten lernen, unsere gegenwärtigen Emotionen anzuerkennen und zu sagen, was uns schmerzt und diesem emotionalen Knoten einen Namen geben: Sorge, Nostalgie, Traurigkeit.

Wenn wir unsere Gefühle anerkennen und sie kanalisieren, geben wir uns selbst die Möglichkeit, einen Kreis zu schließen und uns von diesem Knoten zu befreien.

Frau mit blauen Schmetterlingen

Übernimm die Verantwortung für dein Leben: Du bist deine Gefühle, deine Gedanken und deine Taten

Die Gestaltpsychologie richtet ihren Fokus auf das Ganze und zielt darauf ab, dass der Patient seine Probleme ganzheitlich verstehen kann. Aus diesem Grund regt sie den Patienten dazu an, sich all dessen bewusst zu werden, was in seinem Inneren passiert, und möchte ihn gleichzeitig dazu bringen, dass er selbst die Verantwortung für sich übernimmt.

Dafür müssen wir uns unserer Gefühle jederzeit bewusst sein. Denn ein emotionaler Knoten ist die Konsequenz daraus, dass wir etwas missachtet haben, dass wir für etwas nicht die Verantwortung übernommen haben und dass es daraufhin zu einem Ballast, einer emotionalen Schuld gegenüber unserem persönlichen Wachstum und zu einer Last geworden ist, die täglich Schmerzen verursacht.

Alles, was uns stört, Sorgen bereitet, uns eine Unsicherheit oder Angst fühlen lässt, muss Aufmerksamkeit im Hier und Jetzt finden. Deshalb sollten wir lernen, mehr auf unser emotionales Universum achtzugeben, wir sollten lernen, nicht vor dem zu fliehen, was uns wehtut oder Angst macht. Andernfalls wird uns all das negativ beeinflussen, sich körperlich und geistig manifestieren, bis sich aus ihm ein emotionaler Knoten entwickelt. Das sollten wir vermeiden – jetzt haben wir noch die Möglichkeit.