Wie Klagen unser Gehirn beeinflussen

· 6. Oktober 2016

Zwei Freunde treffen sich und innerhalb von fünf Minuten ist der eine von von den Klagen des anderen überwältigt. Dieser klagt über seine Eltern, seinen Bruder, darüber, keine Arbeit zu haben, Single zu sein, eine schlechte Gesundheit zu haben, das fehlende Bewusstsein seiner Nachbarn und die willkürlichen Maßnahmen der Regierung.

Es gibt im Leben sicher Situationen, über die man klagen kann. Klagen kann uns dabei helfen, die angestaute Spannung in uns zu lösen, die das Ereignis hervorgerufen hat. Der Verlust eines nahen Verwandten, Arbeitslosigkeit, eine Scheidung oder Erkrankungen sind schmerzhafte Erfahrungen, die in uns den Drang zur Klage wecken.

„Es gab einmal einen Mann, der erklärte, wie fürchterlich sein Leben war, der es aber doch bevorzugte, darüber zu klagen, anstatt es zu verändern.“

John Katzenbach

Einige Menschen jedoch machen die Klage zu einem großen Teil ihres täglichen Lebens. Außerdem gehen sie davon aus, dass alle guten Menschen der Welt verpflichtet sind, ihnen zuzuhören. Falls sie sich nicht so verhalten, dann sind sie gefühllos und egoistisch.

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Moderne Arten zu klagen

In der heutigen Zeit zu leben ist nicht einfach. Fortlaufend werden wir mit schmerzhaften und verstörenden Neuigkeiten bombardiert. Zusätzlich tolerieren wir mürrische Chefs und toxische Mitarbeiter. Und dies beinhaltet noch nicht die persönlichen Probleme, denen wir ausgesetzt sind. Sie umfassen Verlust, Schmerz, Krankheit und viele Situationen, die manchmal erstickend sein können.

Um einem solchen Szenario ins Auge zu sehen, haben wir zwei Optionen: jede der Situationen zu analysieren und einen angemessenen Ausweg zu finden oder stehenzubleiben und zu klagen. Was an der zweiten Option beunruhigend ist, ist, dass eine solche Herangehensweise zu einer Gewohnheit wird, die unser Potenzial begrenzt und in den uns umgebenden Menschen eine negative Einstellung zu uns verursacht.

Wir könnten denken, dass klagen eine Art Katharsis gegen den äußeren Druck sei. Zeitweise mag es diese Funktion auch erfüllen. Jedoch wird das Klagen, ohne dass wir es merken, zu einer Gewohnheit, zu einem Teufelskreis. Wenn wir mit schwierigen Situationen konfrontiert werden, klagen wir.

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Folgen für unser Gehirn

Wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge kann die emotionale Intensität, mit der wir klagen, signifikante Veränderungen in unserem Gehirn hervorrufen. Wenn wir immerfort frustriert sind, schüttet das Gehirn Hormone wie Norepinephrin und Adrenalin aus, die schließlich zu strukturellen Veränderungen führen. Einige Wissenschaftler behaupten diesbezüglich, dass ständiges Klagen neuronale Verbindungen im Hippocampus zerstört. Dies ist exakt die Hirnregion, die dafür verantwortlich ist, Lösungen für unsere Probleme zu finden.

Klagen ist ein Weg, uns negativ zu konditionieren. Dieses Verhalten führt oft zur Zurückweisung seitens anderer und schadet schließlich unseren Freunden und unserer Familie. Es ist ein Zustand der Abhängigkeit und darum der mangelnden Reife.

Was können wir tun?

Die Dinge sind meistens nicht so, wie wir sie gern hätten. Also warum soll man sich von den Dingen, die außerhalb unserer Kontrolle liegen, verbittern und frustrieren lassen? Wäre es nicht sinnvoller, flexibler zu sein? Ein etwas angepassteres Verhalten anzunehmen, das uns erlaubt, in unserem Leben bessere Entscheidungen zu treffen?

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Wir nutzen eine Menge unserer Energie, um zu klagen, und wir könnten sie besser einsetzen, um unser Unglück zu überwinden. Unser Verhalten zu verändern wird immer eine Möglichkeit sein.

Es stimmt, dass es in manchen Situationen gesund ist zu klagen. Wir müssen lernen, zu differenzieren, in welchen Momenten es unserer Selbstachtung zuträglich ist zu klagen.

Um diese erschöpfende Gewohnheit des Klagens zu überwinden, ist es wichtig, dass wir beginnen, unsere Probleme mit einem kühlen Kopf zu betrachten und zu beurteilen, was wir machen können. Wir müssen lernen, die Dinge anders zu interpretieren. Wir können versuchen, weniger selbstzerstörerisch zu sein und aktiver an unseren Problemen zu arbeiten. Wir versuchen nicht, die Welt der anderen zu ändern. Wir unternehmen eine Anstrengung, unsere eigene zu verbessern. 

Merke dir dies

Es gibt Situationen, in denen Klagen zu bewussten oder unbewussten Strategien der Manipulation werden. Der Täter empfindet Schuld und sein Weg, diese Schuld loszuwerden, ist, bei anderen ein Gefühl der Sympathie oder Solidarität zu erzeugen. Auf diese Weise muss er sich der Verantwortung für seine Taten nicht stellen.

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Klagen ist ein Zustand des Unbehagens, der dazu tendiert, sich zu verselbstständigen. Es ist ein Zustand, der Leid erzeugt und zugleich eine Art merkwürdige Befriedigung auslöst. Wir sollten lieber nach anderen Wegen schauen, unsere Unzufriedenheit zu überwinden, um aktiv daran zu arbeiten, sie zu überwinden.