Wie Kindheitstraumata deine Beziehung beeinflussen

Einen Menschen mit einem Kindheitstrauma zu lieben, kann eine Herausforderung sein. Unsicherheit, emotionale Probleme und Angst vor dem Verlassenwerden können die Geduld auf die Probe stellen.
Wie Kindheitstraumata deine Beziehung beeinflussen

Letzte Aktualisierung: 11. August 2021

Kindheitstraumata beeinflussen die Beziehung eines Paares auf vielfältige Weise. Es ist nicht leicht, eine Person zu verstehen, die offene Wunden, Unsicherheiten und den Schatten einer ungelösten Vergangenheit mit sich trägt. Die emotionale Wunde hat großen Einfluss auf die Bindung zu einer Person.

Wie wir wissen, ist nichts so vielschichtig, komplex und schädlich wie ein psychologisches Trauma. Verschiedene Situationen in der Kindheit können dazu führen: eine dysfunktionales Familie, Missbrauch, körperliche oder emotionale Misshandlung usw. Viele Betroffene leiden das ganze Leben lang an den Folgen eines kindlichen Traumas.

Sie versuchen, sich in einem Ozean voller Misstrauen und Angst vor dem Verlassenwerden an der Oberfläche zu halten. Manchmal hassen sie sich selbst für ihr Verhalten. Für eine Beziehung sind diese Voraussetzungen eine wahre Herausforderung. Es ist nicht einfach, einer Person in dieser Situation zu helfen und mit ihren emotionalen Belastungen klarzukommen.

Traumata in der Kindheit haben schwerwiegende Auswirkungen auf die psychische Gesundheit, und zwar in allen Lebensbereichen: Arbeit, Freundschaften, Beziehungen…

Wie Kindheitstraumata deine Beziehung beeinflussen

Wie sich Kindheitstraumata auf eine Beziehung auswirken

Bei einem psychischen Trauma bleibt die Wirkung des Erlebten bestehen, auch wenn diese Stresssituation nicht mehr besteht. Mit anderen Worten, es spielt keine Rolle, dass nach dieser negativen Kindheitserfahrung 15, 20 oder 30 Jahre vergangen sind. Die Symptomatologie bleibt bestehen und manifestiert sich in vielerlei Hinsicht.

Eine Forschungsarbeit der Universitäten von Illinois, Chicago, Virginia und Texas zeigten, dass ein Großteil der Kinder mit Traumata in der Adoleszenz emotionale Schwierigkeiten hat. Die Wissenschaftler konnten jedoch auch feststellen, dass sie in schwierigen Situationen toleranter waren.

Viele litten an erlernter Hilflosigkeit und fanden es schwer, bei Leid und Stresserfahrungen zu reagieren und sich zu verteidigen. Zwar geht jede Person mit traumatischen Ereignissen unterschiedlich um, doch trotzdem sind sich wiederholende Muster zu erkennen. In vielen Fällen beeinflussen Kindheitstraumata Paarbeziehungen im Erwachsenenalter.

1. Kindheitstraumata und Beziehungen: Ich brauche dich, aber ich habe kein Vertrauen

Bei Missbrauch, emotionalen Defiziten oder anderen Traumata in der Kindheit kommt es im Erwachsenenalter häufig zu Bindungsstörungen, wobei zwei Muster zu erkennen sind: die ambivalente, ängstliche Bindung oder die desorganisierte Bindung. Wie äußert sich diese Dynamik in Paarbeziehungen? Grundsätzlich wie folgt:

  • Betroffene Menschen zeigen vielleicht eine (scheinbar) emotionale Selbstgenügsamkeit und halten es für selbstverständlich, dass sie niemanden brauchen. Sie versuchen immer, eine gewisse Distanz zu wahren, aber gleichzeitig brauchen sie die Nähe des Partners (daher die Ambivalenz).
  • Betroffene halten es für schwierig, ein solides Vertrauen aufzubauen, um sich dem anderen zu öffnen.
    Sie haben Angst, verraten und verlassen zu werden… Egal, wie viel Zuneigung ihr Partner ihnen schenkt, nichts ist ihnen genug.
  • Ambivalenz ist zweifellos ein ständiges Merkmal. Sie sind die klassischen Menschen, die alles vom anderen brauchen, sie sind anspruchsvoll, aber gleichzeitig misstrauisch und ängstlich. Sie haben Angst, verletzt zu werden, so wie in ihrer Kindheit.

2. Ich bin mit allem überfordert (Unfähigkeit, allgemeine Probleme zu lösen)

Kindheitstraumata wirken sich in vielerlei Hinsicht auf die Beziehung aus, und eine davon hat mit der Problemlösungsfähigkeit zu tun. In der Regel handelt es sich um Menschen, die sich nicht in der Lage fühlen, die alltäglichen Herausforderungen in ihrer eigenen Beziehung zu bewältigen. Sie überschätzen alles und sie fühlen sich überfordert.

Eine schlechte Geste des Partners wird bereits als Überdruss oder Enttäuschung interpretiert. Eine Vergesslichkeit ist das Ende der Welt und ein einfacher Streit ist das untrügliche Zeichen dafür, dass die Beziehung in die Brüche geht…

3. Ich möchte nicht darüber sprechen (Konfliktvermeidung)

Wie wir bereits erwähnt haben, führt ein Kindheitstrauma zu einem schlechten Umgang mit Emotionen und oft zu der Unfähigkeit, Schmerzen zu verbalisieren und effektiv zu kommunizieren. Dadurch sind Betroffene nicht in der Lage, mit Differenzen umzugehen. Wenn es zu einem Streit kommt, verschließen sie sich und schweigen.

Eine Person mit einem Kindheitstrauma hat meist ernsthafte Probleme bei der Kommunikation von Gefühlen, der Problemlösung und dem Umgang mit bestimmten Konfliktsituationen in der Partnerschaft. Sie entscheidet sich häufig, einfach zu schweigen.

4. Ich weiß, dass ich dich nicht verdiene (ständige Zweifel an der Liebe des Partners)

Diejenigen, die in ihrer eigenen Haut unter dem Mangel an Liebe in der Kindheit gelitten haben, erreichen das Erwachsenenalter wahrscheinlich mit einem geringen Selbstwertgefühl. Dieser Mangel an Selbstwertgefühl und die fehlende Wertschätzung ihrer Person führen dazu, dass sie ständig an ihrer eigenen Beziehung zweifeln. Dies führt zu einem langsamen Boykott der Beziehung selbst.

Wenn die Liebe des anderen immer wieder infrage gestellt wird, ist die Beziehung zu ständigem Leiden verdammt.

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5. Kindheitstraumata: Ich habe immer das Gefühl der Einsamkeit

“Ich bin mit meinem Partner zusammen, aber trotzdem ist die Einsamkeit eine Konstante in mir. Nichts macht mich wirklich glücklich, es gibt Tage, da ertrage ich mich selbst nicht und schon gar nicht die Last der Welt…” Kindheitstraumata beeinflussen die Beziehung eines Paares in vielerlei Hinsicht, aber es gibt eine Grundlage, die alles prägt: das latente Leiden, die nicht verheilte Wunde.

Eine Studie der Universitäten von Vermont und Virginia sowie andere Forschungsarbeiten erinnern daran, dass Kindheitstraumata psychische Störungen inszenieren und in vielen Fällen gar nicht behandelt werden. Posttraumatischer Stress, generalisierte Angstzustände und schwere Depressionen sind in diesem Fall häufig vorhanden.

Der verankerte Schmerz, das Zeichen dieses ungelösten Traumas, isoliert die betroffene Person in vielen Fällen. Daher das Gefühl der dauerhaften Einsamkeit, obwohl sie eine Person an ihrer Seite hat, die sie bedingungslos liebt. In dieser Art von Beziehung gibt es nicht zwei Figuren, sondern drei: das Paar und das latente Leiden. Zögere daher nicht, in diesen Situationen professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

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