Wie kann Shrek uns helfen, Abgeschiedenheit zu verstehen?

5. Mai 2019

Das Leben als Teil einer Gemeinschaft ist für den Menschen von Beginn an selbstverständlich. Einer der Gründe dafür liegt in der Evolution der Spezies: Wir brauchten die Gemeinschaft, um unser Überleben zu sichern. Wir mussten uns gegen Tiere und rivalisierende Stämme wehren und genügend Nahrung beschaffen oder produzieren. Dörfer und Städte boten ihren Bewohnern dabei besonderen Schutz. Sie boten Sicherheit und inspirierten ein Gefühl der Zugehörigkeit. Noch heute suchen Menschen nach der Art von Zuflucht, die das Leben in einer Gemeinschaft bietet. In diesem Zusammenhang kann der Drang zur Isolation und der mit ihr einhergehenden Einsamkeit schwierig nachzuvollziehen sein. Doch ist das Alleinsein wirklich eine schlechte Sache?

Was, wenn jemand überzeugt ist, dass er stark genug sei, um sich vor drohenden Gefahren eigenständig zu schützen? Muss diese Person dann nicht in einer Gemeinschaft leben? Braucht sie Freunde? In diesem Artikel wollen wir die Auswirkungen der Einsamkeit untersuchen, indem wir den Film Shrek analysieren.

Shrek: Der Oger, der in einem Sumpf lebt

Shrek  ist ein animierter DreamWorks-Film, der 2001 veröffentlicht wurde. Seine Hauptfigur ist Shrek, ein Oger, der in einem entfernten Sumpf mitten im Wald lebt. Er ist absolut zufrieden mit seinem Leben und liebt die Abgeschiedenheit seines Zuhauses.

Eines Tages wird Shreks kostbare Einsamkeit durch eine Invasion irritierender Märchengestalten unterbrochen. Der böse Lord Farquaad stahl alle ihre Ländereien und verbannte sie aus dem Königreich. Der Oger, der nun verzweifelt versucht, sein Zuhause zu retten, handelt mit Lord Farquaad einen Deal aus. Als Gegenleistung für die Rückkehr der Märchenfiguren zu ihren Häusern verspricht Shrek, Prinzessin Fiona zu retten. Folglich unternimmt Shrek eine sehr lange Reise. Sein Begleiter auf der Suche nach der Prinzessin ist ein Esel mit dem recht einprägsamen und einfachen Namen „Esel“.

Shrek versteht von gesunder Einsamkeit.

Die Abgeschiedenheit und ihre Vorteile verstehen

Wir neigen dazu, anzunehmen, dass wir Versager wären, wenn wir allein sind. Das stimmt aber nicht. Einsamkeit ist durchaus ein Zustand, den wir Menschen freiwillig für uns wählen können.

Manchmal entsteht freiwillige Isolation aus dem Wunsch heraus, für unser eigenes Leben Verantwortung zu übernehmen. Du möchtest authentisch sein und keine Masken oder Verkleidungen tragen? Gewählte Einsamkeit kann zu persönlichem Wachstum führen und dir helfen, Projekte abzuschließen und Ziele zu erreichen. Hier sind einige der Vorteile dieser Wahl:

  • Du kannst dich auf persönliche Projekte konzentrieren. Anstatt dich ständig damit zu beschäftigen, anderen zu gefallen, kannst du dich auf das fokussieren, was du tun möchtest.
  • Du musst dich niemandem erklären oder einem festgelegten Zeitplan folgen. Alleinsein bedeutet, dass du, wann immer dir danach ist, putzen, essen oder schlafen kannst. Du kannst dein Zuhause genau so dekorieren, wie du es möchtest, und deinen Raum nutzen, wie du es willst.
  • Die Abgeschiedenheit gibt dir die Zeit, dein eigenes Verhalten zu reflektieren und darüber nachzudenken. In einer Welt voller Ablenkungen und unvollendeter Aufgaben ist es schwer, einen passenden Moment zu finden, um darüber nachzudenken, was du mit deinem Leben machen möchtest. Einsamkeit ermöglicht dir genau diese Selbstbeobachtung.
  • Alleinsein ermutigt zur Unabhängigkeit. Du fühlst dich für dich selbst verantwortlich. Das bedeutet, dass du dich nicht auf andere verlassen musst, was dein Glück und dein Wohlbefinden steigern kann.

Einsame Menschen finden auch Liebe

In dem Film zieht Shrek zu der schönen Prinzessin Fiona, die in einem Turm eingeschlossen ist, der wiederum von einem Drachen bewacht wird. Als Shrek und Esel sie von ihrem schrecklichen Eroberer befreien, ist sie zunächst begeistert. Ihr Glück schwindet jedoch, als sie entdeckt, dass ein Oger und kein Prinz sie gerettet hat.

Auf ihrer Rückreise zu Lord Farquaads Schloss entdecken Shrek und Fiona, dass sie viele Gemeinsamkeiten haben. Sie verlieben sich während der Reise, aber die Prinzessin hat ihr Geheimnis noch nicht verraten: Fiona ist verflucht. Jede Nacht verwandelt sie sich und wird wie Shrek zum Oger. Am Morgen wird sie dann wieder menschlich.

Esel ist der erste, der ihr Geheimnis entdeckt und schließlich erklärt Fiona, dass sie als kleines Mädchen verflucht wurde und nur der Kuss ihrer wahren Liebe sie vom Fluch befreien könne. Shrek hört einen Teil der Unterhaltung zwischen Fiona und Esel mit, aber er missversteht sie und fühlt sich betrogen.

Die Einsamkeit und das Selbstwertgefühl

Obwohl Shrek lange Zeit allein verbracht hat, ist er nicht besonders selbstbewusst. Einsamkeit kann gut für die Selbstbeobachtung und Stärkung es Selbstbewusstseins sein, aber es ist offensichtlich, dass Shrek diese Chance nicht genutzt hat. Daher fehlen Shrek die notwendigen Fähigkeiten, um seine Bedürfnisse und Gefühle zu definieren und auszudrücken.

Als Lord Farquaad Fiona in sein Schloss bringt, kehrt Shrek besorgt und einsam in den Sumpf zurück. Es belastet ihn jedoch sehr, dass er der Prinzessin nicht erzählt hat, was er für sie empfindet, obwohl er sich ohnehin sicher ist, dass sie von ihm angewidert sein würde. Der Sumpf wird somit zu einem selbst auferlegten Gefängnis. Die Einsamkeit, die Shrek früher erfüllte, macht ihn jetzt unglücklich.

Fiona küsst Shrek.

Das Ende der Einsamkeit

Shrek wird schnell klar, dass er völlig unglücklich ist, obwohl er sein Zuhause und seine Abgeschiedenheit zurückerlangt hat. Er vermisst die Gesellschaft von Fiona und Esel. Der Oger hat jedoch ein viel zu geringes Selbstwertgefühl, um daraufhin zu handeln. Er glaubt nicht, dass er das Gute verdienen würde.

Shrek fühlte sich, genau wie viele Menschen mit niedrigem Selbstwertgefühl, dazu gezwungen, andere Menschen abzuweisen. Ihr schlechtes Selbstbild führt dazu, dass sie an ihrer Fähigkeit zweifeln, mit anderen in Beziehung zu treten. Dies scheint der wahre Grund für Shreks Einsamkeit zu sein. Es war demnach keine freie Entscheidung, die ihn dazu brachte, in der absoluten Abgeschiedenheit zu leben. Im Gegenteil, er entschied sich, sich zu isolieren, weil er Angst hatte, verletzt zu werden und zu leiden.

Einsame Menschen müssen daran arbeiten, zu verstehen, dass sie die Gesellschaft anderer verdienen. Es ist nichts Falsches daran, allein sein zu wollen, solange du die Abgeschiedenheit frei wählst und nicht als Zuflucht nutzt, weil du Angst hast.

Wenn eine Person in die Abgeschiedenheit geht, verbinden wir das normalerweise mit unerwünschten Emotionen wie der Traurigkeit. Aber wie wir bereits gesagt haben, ist es nicht unbedingt schlecht, allein sein zu wollen und allein zu sein. Die Abgeschiedenheit ist nur dann schlecht, wenn sie nicht das ist, was du wirklich willst.

Habe keine Angst davor, allein zu sein. Nutze diese Momente, um dich selbst besser kennenzulernen. Arbeite daran, ein besserer Mensch zu sein und herauszufinden, was du im Leben willst. Auf der anderen Seite, wenn du mehr Zeit mit anderen Menschen verbringen möchtest, arbeiten daran, dies zu erreichen. Am Ende des Tages haben wir alle das Recht, von anderen akzeptiert zu werden.