Wie hat sich unsere Art der Behandlung psychischer Probleme entwickelt?

22. Juli 2018 en Psychologie 0 Geteilt
Wellen der Psychotherapie - Psychologe spricht mit seinem Patienten über dessen psychische Probleme.

Während die Technik voranschreitet und die Wissenschaft stets Neues entdeckt, das uns unser Leben erleichtert, schläft auch die Psychologie nicht: Was sich weit entwickelt hat, ist die Art und Weise, wie wir mit psychischen Problemen umgehen.

Psychische Probleme und die erste Welle der Psychotherapie

In ihren frühen Stadien begann die Psychologie, psychische Probleme mit sogenannten Erstwellen-Therapien zu behandeln. Diese Art, die psychische Gesundheit zu fördern, implizierte Untersuchungen zum Lernen und zu „verlernenden“ Mechanismen.

Im Grunde bestimmt der Reiz und die Art und Weise, wie wir ihn erleben, unsere Reaktion. Und bestimmte Reaktionen werden stärker oder wahrscheinlicher, je häufiger wir sie wiederholen. Wir eignen uns Verhaltensweisen schnell an, wenn sie mit einer Belohnung einhergehen. Andererseits könnte eine Reaktion schließlich ausbleiben, wenn sie nicht mehr verstärkt wird oder gar mit einer Strafe verbunden ist.

Die erste Welle der Psychotherapie half uns dabei, einen der grundlegendsten Lernmechanismen zu verstehen, nämlich den der Konditionierung. Einer der Zweige der Psychologie, die sich am meisten unter dieser Idee entwickelt haben, war die Psychologie der Erziehung. Sie sah in diesen Ideen ein Lehrmodell, das mit Belohnungen und Strafen arbeitete.

Hand mit Umriss eines digitalen Gehirns

Zweite Welle der Psychotherapie

Was als nächstes kam, war die zweite Welle der Psychotherapie. Wie hat diese zweite Welle die psychologische Welt verändert?

Psychologen erkannten, dass wir nicht immer auf der Grundlage von Reizen und Reaktionen handelten. Nein, da lag etwas zwischen diesen beiden Aspekten, aber was konnte das nur sein? Nun, es waren Gehirn, Kognition, Emotionen und Wünsche. Im Grunde die Essenz eines jeden Menschen.

Deshalb ist unsere Denkweise so wichtig, wenn es um die Therapien der Zweiten Welle geht. Wir sind das, was wir lernen, aber auch das, was wir aus dem, was wir lernen, machen. Die Ideen der Zweiten Welle machte uns zu aktiven Teilnehmern. Und das bedeutete, dass sich unser Handlungsspielraum vervielfachte.

Kognition ist das, was uns dazu bringt, der Welt auf die eine oder andere Weise zu begegnen. Das heißt, wichtiger noch als unsere Umgebung ist, wie wir diese wahrnehmen und interpretieren. Das ist der Grund, warum die Therapien der Zweiten Welle begannen, an der Einstellung, den Emotionen und den Vorurteilen der Menschen zu arbeiten.

Uns selbst als mehr als nur Maschinen zu sehen, die nur auf der Grundlage dessen, was sie gelernt haben, reagieren können, führte auch zu einer umfassenderen Untersuchung des Geistes selbst. Es wurde ernsthaft versucht, zu verstehen, was genau in unserer „Blackbox“ passiert. Was veranlasst uns, Störungen zu entwickeln oder widersprüchliche Gefühle zu hegen? Wie kann ein Quäntchen Glück jemanden traurig machen?

Diese neue Art, unser Verhalten zu verstehen, ging mit einem Problem einher, mit dem wir uns heute noch beschäftigen, mit dem Problem der Quantifizierung. Obwohl es für uns wirklich einfach ist, festzustellen, wie weit zwei Orte voneinander entfernt sind, fällt es uns schwer, herauszufinden, wie viel Angst eine Person erlebt.

Dritte Welle der Psychotherapie

Die Zweite Welle half uns bei der Selbstverwirklichung. Aber die Menschen konnten sehen, dass es trotz der Fortschritte immer noch viele psychische Probleme gab, für die Lösungen in weiter Ferne zu liegen schienen. So kamen die Therapien der Dritten Welle auf.

Diese Therapien beruhten auf der Annahme, dass wir den Weg zur Lösung des Problems nicht missverstanden, sondern unsere Beziehung zu ihm falsch deuteten. Es ging nun darum, die Probleme der Menschen in den Prozess der Therapie einzubeziehen, ohne sie direkt zu lösen. Das Ziel war es, ihnen zu ermöglichen, mit Problemen zu leben, die keine Lösung (oder zumindest keine schnelle Lösung) haben, ohne dass ihre Lebensqualität allzu sehr darunter leiden müsste.

Das trifft auch auf viele aktuelle Therapieansätze zu. Einige erregen viel Aufsehen, wie Achtsamkeit, Akzeptanztherapie usw., deren Wirksamkeit umstritten ist. Überhaupt ist der Nachweis der Wirksamkeit ein Problem, dass den Therapien der Dritten Welle innewohnt und bisher nicht gelöst werden konnte. Das Feld der Anwender ist breit aufgestellt: Es gibt qualifizierte Psychologen, die Therapien der Dritten Welle anwenden, aber auch unlizenzierte Praktiker und Betrüger. Und es gibt Experten, die sie vehement ablehnen.

Frau meditiert im Meer

Jetzt haben wir uns einen kurzen Überblick über die drei Wellen der Psychotherapie verschafft. Die Art und Weise, wie sie unser Verhalten, unsere Gedanken und Emotionen verstehen, hat uns wertvolle Perspektiven eröffnet. In psychologischen Fragen ist es nie verkehrt, eine Angelegenheit aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten – das sollte nun klar geworden sein.

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